Es gibt jetzt also kein Verdammungsurteil mehr für die, die ganz mit Christus Jesus verbunden sind.
Römer 8,1
Vor einigen Tagen habe ich wieder einmal die Alte Pinakothek in München besucht. Vor dem kolossalen Werk „Das Große Jüngste Gericht“ von Peter Paul Rubens aus dem Jahr 1617 stand ich und war nicht nur von den Ausmaßen (6 m x 4,6 m), sondern vor allem vom Dargestellten beeindruckt. Auf dramatische Weise wird zwischen den Gläubigen, die in den Himmel kommen, und den ungläubigen Verdammten geschieden. Über dem gesamten Geschehen stehen Gott Vater, der Heilige Geist in Form einer Taube und Jesus Christus. Das Gemälde war ursprünglich als Altarbild vorgesehen. Schließlich fand es Aufnahme in die Alte Pinakothek von Ludwig I. von Bayern.
Ich stelle mir vor, welche Wirkung dieses Bild auf die damaligen Zeitgenossen gehabt haben muss. Heute mag die große Anzahl bleicher, nackter Körper überladen wirken. Das ist typisch Barock und speziell Rubens. In den katholischen Kirchen wurde damals Lateinisch gesprochen, weshalb die bildliche Darstellung des Heilsgeschehens sehr wichtig war, um auch dem ungebildeten Volk die Lehre zu vermitteln. Auch heute kann man sich der schlichten Botschaft des Bildes kaum entziehen. Das Bild predigt: Unser Leben hat Gewicht. Es ist nicht egal, wie wir leben, lieben und glauben. Doch mitten in dieser Dramatik gibt es einen Trost: Der Richter ist derselbe, der uns erlöst hat. Der, der für uns gestorben ist, ist der, der uns ansieht. Rubens zeigt Christus nicht als strafenden Tyrannen, sondern als erhöhten Herrn, der sich den Seligen liebevoll zuwendet. Christus lädt ein. Er ist voller Gnade, aber sein Gericht ist gerecht. Wer sich an Jesus hält, dem droht am Ende keine Verdammnis.