Andacht Heute

Die Tiefe der Zeit und die Ewigkeit Gottes

Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
Psalm 90,4

Gestern standen wir in Windischeschenbach in der Oberpfalz vor einem 9101 tiefen Bohrloch, mit dem man in die Erdschichten vorgedrungen ist, die 350 Millionen Jahre alt sind. Jedenfalls behauptet das die Wissenschaft. Ich frage mich, wie das mit der Bibel zusammenpasst. Im Vers aus dem Psalm wird von Jahrtausenden gesprochen. Das ist kein naturwissenschaftlicher Satz. Er ist das Bekenntnis, dass Gott über der Zeit steht. Er ist nicht an unsere Maßstäbe gebunden. Wenn selbst tausend Jahre für Gott wie ein einziger Tag sind – dann sind auch Millionen Jahre für ihn kein Problem.

Die Bibel ist kein Geologiebuch. Sie ist ein Buch über Gott und den Menschen. Sie spricht in Bildern, in Gebeten, in Geschichten. Und gerade dadurch sagt sie die tiefste Wahrheit: Wir leben in einer Welt, die nicht zufällig ist. Die Bibel zeigt uns, warum die Welt ist: weil Gott sie gewollt hat, weil sie getragen ist von seinem Wort, weil sie Sinn hat.

Gebet
Herr, du bist größer als die Zeit, größer als die Geschichte, größer als alles, was wir begreifen können. Schenke uns Vertrauen, dass unser kleines Leben in deiner großen Ewigkeit geborgen ist. Amen.

Gilt das auch für mich?

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.
Sprüche 31,8

Sprüche 31,8 richtet sich an einen König, also an jemanden mit Macht und Verantwortung für die Schwachen. Das wirkt ein wenig „weit weg“ oder sogar elitär. Die Mutter des Königs Lemuel gibt ihm gute Ratschläge. Er solle sich nicht betrinken, seine Kraft nicht bei Frauen vergeuden und sich für die Schwachen einsetzen. Ich frage mich, wie dieser Spruch auch für mich zutreffen kann.

Da hatte ich gestern Abend noch die Erfahrung beim Fußballspiel PSG gegen Bayern München. Ich war so erregt, dass ich es zur Halbzeit nicht mehr ertragen konnte und abgeschaltet habe. Ich habe angefangen nachzudenken, weil ich gemerkt habe, wie leicht ich mich von etwas Nebensächlichem habe ergreifen lassen. Da kämpfen eine Handvoll Millionäre um den Ball. Ich halte zum FC Bayern, obwohl mir klar sein muss, dass es sich um eine moderne Söldnertruppe handelt und nur ganz wenige Spieler aus unserem Bundesland kommen. Da sieht man doch, wie sehr ich mich manipulieren lasse. Wie sehr ich mich über Dinge aufregen kann, die gar nicht zu mir gehören.

An dieser Stelle kommt mir der Spruch wieder in den Sinn. Ich spüre, dass er auch mir etwas zu sagen hat: „Verliere deine Aufmerksamkeit nicht an Nebensachen. Gott ruft dich, sie für die richtigen Dinge zu verwenden.“ Tatsächlich sieht meine Priorisierung wie folgt aus: Gott – Familie – Dienst in der Gemeinde – Tagesthemen. Und ganz am Ende dieser Liste steht der Fußball. Wichtig ist, dass man sich dort Gehör verschafft, wo es sinnvoll und nötig ist. Und nicht bei völlig Nebensächlichem. Am Ende denke ich an das Spiel von gestern. Ich weiß immer noch nicht, wie es am Ende ausgegangen ist. Nicht so wichtig!

Die Herausforderung der Zeit

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Psalm 31,16

Die Zeit ist Bedingung des Daseins und zugleich Quelle von Glück und Leid. Der Mensch kann in allen drei Dimensionen der Zeit – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – gelingen oder scheitern. Zeit kann Fülle und Selbstgegenwart ermöglichen, aber auch zur Leere und Entfremdung führen. Mit der Zeit „zurechtzukommen“, sie zu gestalten statt ihr ausgeliefert zu sein, ist eine Hauptaufgabe menschlicher Existenz. Nur wenn wir unseren Tag sinnvoll takten, sind wir in der Lage, unserer Arbeit nachzugehen, Termine einzuhalten und den Tag zu strukturieren. Doch wie groß sind diese Gestaltungsmöglichkeiten wirklich? Wir stoßen an so manche Grenze. Da freuen wir uns auf eine Urlaubsreise und haben schon alles geplant, doch kurz vor der Abfahrt ereilt uns eine starke Erkältung – und alle Pläne sind hinfällig.

Das Leben ist nicht in allem vorhersehbar. Als Christen müssen wir unsere Endlichkeit akzeptieren. In Psalm 90 heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Es kommt nicht auf die Menge unserer Aktivitäten an. Oft ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Er wird uns von Gott geschenkt. Christliche Zeitgestaltung bedeutet nicht, alles zu schaffen, sondern im Vertrauen das Richtige zu tun und den Rest Gott zu überlassen.