Andacht Heute

Die Herausforderung der Zeit

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Psalm 31,16

Die Zeit ist Bedingung des Daseins und zugleich Quelle von Glück und Leid. Der Mensch kann in allen drei Dimensionen der Zeit – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – gelingen oder scheitern. Zeit kann Fülle und Selbstgegenwart ermöglichen, aber auch zur Leere und Entfremdung führen. Mit der Zeit „zurechtzukommen“, sie zu gestalten statt ihr ausgeliefert zu sein, ist eine Hauptaufgabe menschlicher Existenz. Nur wenn wir unseren Tag sinnvoll takten, sind wir in der Lage, unserer Arbeit nachzugehen, Termine einzuhalten und den Tag zu strukturieren. Doch wie groß sind diese Gestaltungsmöglichkeiten wirklich? Wir stoßen an so manche Grenze. Da freuen wir uns auf eine Urlaubsreise und haben schon alles geplant, doch kurz vor der Abfahrt ereilt uns eine starke Erkältung – und alle Pläne sind hinfällig.

Das Leben ist nicht in allem vorhersehbar. Als Christen müssen wir unsere Endlichkeit akzeptieren. In Psalm 90 heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Es kommt nicht auf die Menge unserer Aktivitäten an. Oft ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Er wird uns von Gott geschenkt. Christliche Zeitgestaltung bedeutet nicht, alles zu schaffen, sondern im Vertrauen das Richtige zu tun und den Rest Gott zu überlassen.

Wenn das Denken stolpert

Ich dachte: Ich will weise werden – sie blieb aber ferne von mir.
Prediger 7,23

Es gibt Komiker, die uns mit ihren Pointen zum Lachen bringen. Und dann gibt es Piet Klocke. Seine Kunstfigur, der Professor Hindemitt, ist kein Mann der Pointe, sondern ein Mann des Anakoluths, des abgebrochenen Satzes bzw. des Denkens, das schneller ist als die Sprache. Er beginnt mit „Also … ich wollte nur …“ und landet irgendwo zwischen Erkenntnisdrang, Selbstzweifel und gedanklichem Chaos. Wir lachen, weil wir uns wiedererkennen. Auch uns geschieht es. Wir wollen klare Sätze sprechen. Und dann verhaspeln wir uns.

Das Buch Prediger enthält jede Menge Anakoluthe, wie der obige Vers zeigt: Da sucht einer nach Weisheit, doch sie entgleitet ihm. Er muss entdecken, dass Gott ihm nicht im klaren Satz oder im perfekten Denken begegnet, sondern eher im Ringen und im Eingeständnis seiner Grenzen. Für uns bedeutet dies: Wir müssen nicht alles verstehen, um vor Gott bestehen zu können. Wir dürfen Fragen haben, wir dürfen Sätze abbrechen, wir dürfen über unser eigenes Denken stolpern. Ich denke dabei an unseren Bibelkreis. Dort darf man auch Gedanken äußern, die uns beim Lesen der Bibel durch den Kopf schießen und die wir nicht klar formulieren können. Oft ist ein abgebrochener Satz ehrlicher als ein perfekter. Wir dürfen sicher sein: Auch wenn wir in unserem Denken manchmal stolpern, gibt uns Gott den Halt, den wir brauchen.

Unsere einzige Hoffnung

Alle, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durchs Gesetz verurteilt werden.
Römer 2,12

In diesem Vers werden zwei Gruppen von Menschen vorgestellt. Da sind zum einen diejenigen, die sich darauf berufen wollen, dass sie das Gesetz nicht kannten. Der aus dem römischen Recht stammende Satz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ wird heute noch im Strafrecht angewendet. Paulus sagt, dass auch jene, die das Gesetz nicht kennen, ein Gewissen haben. Jeder Mensch hat also eine Ahnung von Gut und Böse. Das Gewissen ist wie ein stiller Zeuge, der uns begleitet. Dann gibt es die Gruppe der Wissenden. Auch sie gehen verloren. Sie tragen sogar eine größere Schuld, weil sie Gottes Willen kennen und das Gesetz dennoch übertreten. Dieser Vers dient jedoch nicht dazu, die Schwere der Schuld der beiden Gruppen zu vergleichen, sondern alle Ausreden zu zerstören. Paulus spricht zu Menschen, die denken: „Ich kenne Gottes Willen – das schützt mich“ oder „Ich wusste es ja nicht – das entschuldigt mich“. Beide Gruppen tun das, was sie nicht tun sollten. Also sind beide verdammt.

An diesem Punkt kommt die Rettung ins Spiel. Gott ist gerecht, aber sein Ziel ist Gnade. Anstatt uns in die Verzweiflung zu stürzen, führt uns die Erkenntnis zu Christus – und er ist da. Sein Wort der Gnade am Kreuz war: „Es ist vollbracht.“ Gerade weil wir uns nicht herausreden können und wir alle verloren wären, ist Christus unsere einzige Hoffnung.

Gebet
HERR Jesus Christus, ohne dich sind wir verloren, mit dir haben wir Hoffnung. Halte uns in deiner Gnade und führe uns in dein Licht. Amen.