Die Treue Gottes
Der, der euch beruft, ist treu; er wird euch ans Ziel bringen.
Thessalonicher 5,24
In einem Emblem-Buch aus der Zeit um 1600 finde ich das Bild eines Hundes. Darunter steht sinngemäß: „Ein Hund ist seinem Herrn treu – wie viel treuer sollte dann erst ein Mensch sein?” Es wird weiter erläutert, wie sehr Hunde als Inbegriff von Treue und Mut gelten. So wird berichtet, dass sie ihren Herren bis in den Tod verbunden seien, sich sogar auf deren Scheiterhaufen geworfen hätten und sich mit ihnen begraben ließen. Diese Beispiele sollen zeigen: Treue ist ein tiefes, verbindendes Band – und manchmal leben Tiere sie eindrücklicher vor als Menschen.
Tiere können uns mit ihrer Loyalität berühren. Doch die einzige Treue, die wirklich trägt, ist die Treue Gottes, denn sie entspricht seinem Wesen. Sie ist nicht nur ein bestimmtes Verhalten, sondern Ausdruck dessen, wer Gott ist. Darum bleibt sie stabil, auch wenn Menschen schwanken. Menschliche Treue ist immer an Grenzen gebunden. Sie hängt von Stimmung, Kraft, Lebensumständen und Verletzlichkeit ab. Selbst gut gemeinte Versprechen geraten ins Wanken, wenn Angst, Müdigkeit oder Überforderung hinzukommen. Wenn wir anderen Menschen gegenüber nicht immer treu sind, wie können wir dann Gott treu sein? In der Bibel wird menschliche Treue oft als etwas beschrieben, das „verfliegt wie der Morgennebel” (Hosea 6,4).
Auf unsere eigene Treue können wir uns nicht verlassen. Es ist die Treue Gottes, die uns in allem menschlichen Wankelmut trägt. Sie ist an unseren Glauben gebunden. Es hilft uns, wenn wir an unser Ziel denken, das wir nur mit seiner Gnade und Barmherzigkeit erreichen können.