Andacht Heute

Sollen der Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt werden?

„Alles, was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat … darauf seid bedacht.“
Philipper 4,8

Als im Altarraum des Paderborner Doms halbnackte Tänzer mit toten Hühnern und Windeln auftraten, fühlten sich viele Gläubige vor den Kopf gestoßen. Doch die eigentliche Frage geht weit über diesen Vorfall hinaus: Darf Kreativität alles? Ist sie erst dann wirklich frei, wenn sie keinen Maßstab mehr kennt, oder braucht auch sie Grenzen?

Unsere Zeit scheint zu glauben, dass jede Begrenzung der Kreativität schadet. Viele Menschen halten Grenzen für den Feind der Kreativität. Wahre Kunst müsse frei sein. Frei von Regeln. Frei von Erwartungen. Frei von jedem vorgegebenen Ziel. Die Bibel zeichnet jedoch ein anderes Bild. Gottes erste schöpferische Tat besteht nicht darin, das Chaos zu feiern, sondern Ordnung aus dem Chaos hervorgehen zu lassen. Seine Schöpfung beginnt nicht mit grenzenloser Entfaltung, sondern mit Ordnung. Aus dem Chaos entsteht eine Welt voller Schönheit, Sinn und Zusammenhang.

Auch unser Denken, Reden und Gestalten braucht Orientierung. Kreativität ist eine wunderbare Gabe Gottes. Aber sie verliert ihren Sinn, wenn sie nicht mehr die Fragen stellt: „Ist es wahr? Ist es gut? Dient es dem Leben? Ehrt es Gott?” Nicht alles, was neu ist, ist automatisch wertvoll. Nicht alles, was schrill ist, besitzt Tiefe. Und nicht alles, was grenzenlos erscheint, macht frei. Die größte Kreativität finden wir nicht dort, wo jeder Maßstab verschwunden ist, sondern dort, wo Menschen ihre Gaben in den Dienst einer guten, größeren Wirklichkeit stellen.

Die Frage lautet nicht: „Wie originell bin ich?“, sondern: „Wozu dient das, was ich tue?“ Gott sucht keine Menschen, die um jeden Preis auffallen wollen. Er sucht Menschen, die treu mit ihren Gaben umgehen. Wenn wir unsere Gaben in Gottes Hand legen, wird aus bloßer Kreativität etwas, das Bestand hat.

Gebet
HERR Jesus Christus, lehre uns, unsere Gedanken, Worte und Fähigkeiten so einzusetzen, dass sie dem Leben dienen und dich ehren. Amen.

Entscheidungen treffen, ohne alles zu wissen

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen.
Psalm 37,5

Manchmal stehen wir vor Entscheidungen, die unser ganzes weiteres Leben prägen. Soll ich die Arbeitsstelle wechseln? Ist es an der Zeit, das eigene Haus aufzugeben und in eine Seniorenwohnung oder ein Pflegeheim zu ziehen? Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Solche Fragen beschäftigen uns oft lange, denn niemand kann in die Zukunft sehen. Manche Christen wünschen sich dann in solchen Situationen eine direkte Antwort von Gott. Sie schlagen die Bibel auf, lesen den ersten Vers, der ihnen ins Auge fällt, und verstehen ihn als persönliche Entscheidungshilfe. Doch die Bibel ist kein Orakelbuch. Sonst würden wir sie ähnlich benutzen wie ein Los oder ein Horoskop.

Wie hilft uns die Bibel dann? Meist gibt sie uns meist keine fertigen Antworten auf unsere konkreten Lebensfragen. Aber sie vermittelt uns Gottes Weisheit für unsere Entscheidungen. Die Weisheit der Bibel führt uns nicht zur völligen Gewissheit, sondern zu einem verantwortlichen Vertrauen: Wir prüfen, überlegen und entscheiden nach bestem Wissen und legen dann unseren Weg in Gottes Hände. Wir müssen nicht warten, bis wir alles wissen, um eine Entscheidung treffen zu können. Gott begleitet uns auch dann, wenn wir nur den nächsten Schritt erkennen können.

Psalm 37 erinnert uns daran: Wir dürfen unseren Weg Gott anbefehlen. Das bedeutet jedoch nicht, die Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, nach bestem Wissen zu handeln und darauf zu vertrauen, dass Gott uns trägt, auch wenn sich später manches anders entwickelt als gedacht. Wer auf Gott vertraut, muss eine Entscheidung nicht endlos hinauszögern, weil er Angst hat, einen Fehler zu machen. Trotz aller sorgfältigen Überlegungen kann sich eine Entscheidung im Nachhinein als falsch herausstellen. Doch auch das gehört zu unserem begrenzten Menschsein. Ein Tennislehrer gab einmal den Rat: „Wenn du vorne am Netz stehst, musst du ins Spiel eingreifen. Das kann die falsche Entscheidung sein. Wenn du aber nur dastehst und gar nichts tust, fliegen die Bälle an dir vorbei, und du verlierst auf jeden Fall.“ Ähnlich ist es im Leben. Wir werden nicht immer richtigliegen. Aber wir dürfen nach bestem Wissen entscheiden und darauf vertrauen, dass Gott uns auch dann begleitet, wenn sich ein Weg später als Umweg oder Irrweg erweist.

Gebet
HERR, bewahre mich davor, aus Angst vor Fehlern handlungsunfähig zu werden. Hilf mir, meinen Weg in deine Hände zu legen und darauf zu vertrauen, dass du mich führst. Amen.

Andere glauben doch viel stärker … oder?

„Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach kommst. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund!“
Matthäus 8,15

Ein römischer Hauptmann bittet Jesus um Hilfe für seinen schwer kranken Diener. Er hält sich selbst nicht für würdig, Jesus in sein Haus aufzunehmen, und sagt: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Jesus staunt über diesen Glauben. Der Hauptmann vertraut darauf, dass Jesu Autorität ausreicht, auch aus der Ferne zu helfen. Daraufhin wird sein Diener gesund. Bemerkenswert ist, dass der Hauptmann kein Mitglied des jüdischen Volkes war. Er war ein Heide. Dennoch erkennt Jesus in ihm einen außergewöhnlichen Glauben. Das kann alle ermutigen, die denken, ihr Glaube sei zu klein. Wer andere mit großer Hingabe beten hört oder ihre Bibelkenntnis bewundert, fühlt sich leicht zu schwach im Glauben. Doch Jesus lobte den Hauptmann nicht wegen seiner besonderen religiösen Leistungen. Wir lesen nichts von langen Gebeten, nichts von Opfern, nichts von besonderen Übungen. Er brachte einfach seine Not zu Jesus und vertraute seinem Wort.

Auch wir kennen viele gute Formen geistlicher Anstrengungen: An Gottesdiensten teilnehmen, Lieder singen, regelmäßige Bibellese, Gebetszeiten halten, Seminare besuchen oder christliche Bücher lesen. All das kann den Glauben stärken. Aber es ersetzt nicht das Vertrauen auf Christus. Die Kraft lag beim Hauptmann nicht in seiner Frömmigkeit, sondern in dem, dem er vertraute. Übersehen wir nie: Die Grundlage unseres Glaubens sind nicht geistliche Übungen, die Grundlage ist Jesus selbst.

Gebet
HERR Jesus Christus, schenke uns den Glauben des Hauptmanns von Kapernaum, der sich ganz auf dein Wort verließ. Hilf uns, auf dein Wort zu hören und uns an deine Zusagen zu halten. Amen.