Andacht Heute

Erneuerung im Alter

Paulus schreibt: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2. Korinther 5,17

Als Jüngere haben wir noch nicht an so etwas gedacht, jetzt im Alter kommt der Gedanke schon recht häufig auf: Wie haben wir uns doch verändert, wie alt sind wir geworden! Der körperliche Zerfall schreitet voran und mit ihm die Erkenntnis, dass der irdische Aufenthalt sich dem Ende zuneigt. Klingt es da nicht wie ein Hohn, was Paulus da von einer „neuen Kreatur“ sagt?

Mit diesem „neugeboren sein“ bekommt ein Mensch eine neue Identität, einen neuen Ausgangspunkt und eine neue Blickrichtung – mitten im alten Leben, aber nicht mehr aus den alten Mustern heraus. Ein taufrischer Gedanke in einem alternden Körper. Wenn Jesus in uns einzieht, verändern wir uns, wir erhalten eine „neue Kreatur“, weil wir dadurch die Richtung geändert haben. Dadurch ist auch unser Selbstbild ein anderes. Wir müssen uns nicht mehr über Leistung, Anerkennung oder Perfektion rechtfertigen. In unseren Beziehungen wird Versöhnung möglich, weil uns erlittene Verletzungen nicht mehr schmerzen. Wir erlangen am Ende des Lebens neuen Lebensmut. Die Gedanken an die Zukunft sind nicht mehr von der Vergangenheit gefesselt. Diese neue Hoffnung und diese neue Freiheit haben wir Jesus Christus zu verdanken!

Die Treue Gottes

Der, der euch beruft, ist treu; er wird euch ans Ziel bringen.
Thessalonicher 5,24

    In einem Emblem-Buch aus der Zeit um 1600 finde ich das Bild eines Hundes. Darunter steht sinngemäß: „Ein Hund ist seinem Herrn treu – wie viel treuer sollte dann erst ein Mensch sein?” Es wird weiter erläutert, wie sehr Hunde als Inbegriff von Treue und Mut gelten. So wird berichtet, dass sie ihren Herren bis in den Tod verbunden seien, sich sogar auf deren Scheiterhaufen geworfen hätten und sich mit ihnen begraben ließen. Diese Beispiele sollen zeigen: Treue ist ein tiefes, verbindendes Band – und manchmal leben Tiere sie eindrücklicher vor als Menschen.

    Tiere können uns mit ihrer Loyalität berühren. Doch die einzige Treue, die wirklich trägt, ist die Treue Gottes, denn sie entspricht seinem Wesen. Sie ist nicht nur ein bestimmtes Verhalten, sondern Ausdruck dessen, wer Gott ist. Darum bleibt sie stabil, auch wenn Menschen schwanken. Menschliche Treue ist immer an Grenzen gebunden. Sie hängt von Stimmung, Kraft, Lebensumständen und Verletzlichkeit ab. Selbst gut gemeinte Versprechen geraten ins Wanken, wenn Angst, Müdigkeit oder Überforderung hinzukommen. Wenn wir anderen Menschen gegenüber nicht immer treu sind, wie können wir dann Gott treu sein? In der Bibel wird menschliche Treue oft als etwas beschrieben, das „verfliegt wie der Morgennebel” (Hosea 6,4).

    Auf unsere eigene Treue können wir uns nicht verlassen. Es ist die Treue Gottes, die uns in allem menschlichen Wankelmut trägt. Sie ist an unseren Glauben gebunden. Es hilft uns, wenn wir an unser Ziel denken, das wir nur mit seiner Gnade und Barmherzigkeit erreichen können.

    Einander annehmen

    Gott aber ist es, der uns immer wieder neuen Mut und Trost schenkt, um standhaft zu bleiben. Er helfe euch, einmütig zu sein, so wie es euch Jesus Christus gezeigt hat. Dann könnt ihr alle wie aus einem Mund Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, loben und preisen. Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat. Auf diese Weise wird Gott geehrt.
    Römer 15,5-7

    Der Umgang mit anderen Christen, Konfessionen und Kirchengemeinden ist häufig von Abgrenzung geprägt. Sehr schnell betonen wir die Unterschiede und haben wenig Sinn für das Gemeinsame. Wenn es um unsere Einstellungen gegenüber anderen christlichen Gruppierungen geht, die eine gemeinsame Gesinnung erschweren, könnte es hilfreich sein, über mögliche Wahrnehmungs- und Denkbarrieren nachzudenken. Da hat sich möglicherweise ein Schubladen-Denken eingeschlichen. Wir sortieren Menschen gerne schnell nach ihrem Frömmigkeitsstil, ihrer Herkunft, ihrem Alter oder ihrer theologischen Prägung ein. Wir neigen zu einem Denken in Vergleichen. Dabei messen wir andere an uns selbst oder an unserer Gruppe. Besonders schwierig wird es, wenn wir unsere Überzeugungen zum absoluten Maßstab machen. Dann gilt die eigene Sichtweise als einzig richtig und jede Abweichung wird als Bedrohung empfunden. Wer sich bedroht fühlt, grenzt sich ab. Vergessen wir bei all dem nicht, was Paulus gesagt hat: Wir sollten einander annehmen, so wie Christus uns angenommen hat.

    In den Versen aus Römer 15 ist die ausdrückliche Bitte um Einigkeit unter den Christen enthalten. Paulus formuliert dies in einem Gebet. Diese gemeinsame Gesinnung wird uns von Gott geschenkt. Nur aus eigener Kraft wird uns das nicht gelingen. Der Ausdruck dieser Einmütigkeit ist die gegenseitige Annahme. Vielleicht fällt uns das leichter, wenn wir das Ziel vor Augen haben: Das gemeinsam vorgetragene Lob Gottes.