Andacht Heute

Das Geschenk des Naheliegenden

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Psalm 34,9

Noch nie konnten Menschen so viele Bilder sehen wie heute. Jeden Tag ziehen hunderte Aufnahmen an uns vorbei: Sonnenuntergänge, Urlaubsfotos, aufwendig angerichtete Mahlzeiten und perfekt eingerichtete Wohnräume. Wir sehen alles. Und doch erleben wir oft wenig davon selbst. Ein Foto eines Apfels sättigt nicht. Ein Bild vom Meer verbreitet keinen Salzgeruch. Ein Video vom Lagerfeuer wärmt nicht. Die digitalen Medien sind Meister des Sehens. Bei den Nahsinnen stoßen sie jedoch an Grenzen.

Digitale Bilder gleichen sich oft erstaunlich. Tausend Sonnenuntergänge sehen ähnlich aus. Unzählige Fotos von Tellern Pasta sind kaum voneinander zu unterscheiden. Doch das wirkliche Leben ist nicht austauschbar. Das beginnt schon beim Kaffee, der heute Morgen vor mir dampft. Es kann im Laufe des Tages ein Gespräch sein, das nur heute und nur mit diesem Menschen möglich ist.

Wer die Bibel aufmerksam liest, stellt fest, dass Jesus immer wieder auf das unmittelbar Wahrnehmbare verweist: auf Lilien auf dem Feld, Vögel unter dem Himmel, Brot, Wein, Samen, Erde und Wasser. Nicht auf ferne Visionen, sondern auf die Wirklichkeit, die seinen Zuhörern vor Augen und in den Händen liegt. Vielleicht sollten wir daraus lernen und nicht noch mehr Bilder vom Leben sammeln, sondern das Leben wahrnehmen, das Gott uns gerade schenkt – den Tisch vor uns, den geliebten Menschen an unserer Seite.

Gebet
HERR, wir lassen uns zu oft ablenken von Bildern, Nachrichten und unzähligen Eindrücken. Schenke uns offene Augen für das Einmalige. Hilf uns, dankbar anzunehmen, wer wir sind und wo du uns hingestellt hast. Amen.

Die ständige Suche nach dem Neuen

Das Auge sieht sich niemals satt und das Ohr hört sich niemals satt.
Prediger 1,18

Neulich ging ich durch ein Kaufhaus in einem Kurort. Es wirkt ein wenig wie aus einer anderen Zeit. Da werden noch Transistorradios, CD-Player und Kompaktkameras angeboten – offenbar für Senioren, die sich mit der aktuellen Technik nicht auskennen. Ich konnte darüber lächeln und doch ertappte ich mich bei dem Gedanken, sogar hier etwas Neues entdecken zu können. Von der Werbung unablässig genährt, treibt uns die Suche nach Dingen, die unser Leben vermeintlich bereichern könnten, an jedem Ort und bei jeder Gelegenheit voran. Doch die Erfüllung, nach der wir uns sehnen, können wir auf diesem Weg nicht finden.

Die Bibel kennt diese Unruhe. Der Prediger sagt: „Das Auge sieht sich niemals satt.“ Mehr Eindrücke schaffen jedoch nicht automatisch mehr Zufriedenheit. Das Auge entdeckt immer wieder etwas Neues. Der Mensch bleibt dennoch hungrig. Letztlich richtet sich die tiefste Sehnsucht des Menschen nicht auf Dinge, sondern auf Gott. Christus verspricht etwas Größeres als immer neue Reize: einen Frieden, der nicht vom nächsten Kauf, dem nächsten Trend oder der nächsten Entdeckung abhängt. Augustinus sagte: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

Gebet
HERR Jesus Christus, bewahre uns davor, unser Glück in Dingen zu suchen, die vergehen. Schenke uns ein dankbares Herz und die Ruhe, die nur du geben kannst. Amen.

Wie gut, dass Gott nicht ist wie wir

„Darum bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; weil du ja dasselbe tust, der du richtest.“
Römer 2,1

„Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“
Römer 2,4

Wie schnell sind wir oft mit einem Urteil über andere Menschen. Wir sehen eine Handlung, hören einen Satz oder kennen einen einzelnen Fehler und meinen, bereits zu wissen, wer dieser Mensch ist. In Römer 2 zeigt uns Paulus, wie wir sind. Er sagt, dass wir alle die gleiche menschliche Schwäche haben. Wer mit dem Finger auf andere zeigt, entdeckt früher oder später, dass drei Finger auf ihn selbst zurückweisen.

Was wäre, wenn Gott genauso handeln würde? Wenn er auf unsere Schwächen genauso unerbittlich schauen würde, wie wir oft auf die Fehler anderer schauen? Betrachtet er unsere Motive genauso oberflächlich wie wir oft die Motive anderer? Dann wäre es wohl schlecht um uns bestellt.

Gott ist aber nicht wie wir. Er kennt die ganze Wahrheit über unser Leben, auch die Seiten, die niemand sonst kennt. Und dennoch begegnet er uns nicht zuerst mit Verdammnis, sondern mit Güte, Geduld und Langmut. Diese Güte verharmlost die Sünde nicht. Sie übersieht das Böse nicht. Aber sie gibt Raum zur Umkehr. Gott spricht sein Urteil nicht vorschnell. Er gibt Zeit. Er wartet auf die Rückkehr der Menschen. Darum sollten wir vorsichtig sein mit schnellen Urteilen über andere. Wir alle leben von Gottes Geduld. Wer das erkennt, wird demütiger. Er wird weniger Richter und mehr Bruder, weniger Ankläger und mehr Fürbitter.

Gebet
HERR, lehre mich, andere Menschen mit den Augen der Barmherzigkeit zu sehen und mich täglich von deiner Güte leiten zu lassen. Amen.