Andacht Heute

Müssen wir immer Gutes tun?

Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
Galater 5,1

Gestern habe ich geschrieben, dass wir Gutes tun sollen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. In Sprüche 3,27 heißt es: „Versage keinem das Gute, wenn es in deiner Macht steht, es zu tun.“ Heißt das, dass man immer jedem helfen muss, egal wie er sich verhält? Ich kenne Fälle, in denen sich Atheisten auf die Hilfsbereitschaft der Christen berufen, da diese ihrer Meinung nach dazu verpflichtet seien. Es gibt Menschen, die erwarten, dass Christen immer freundlich, immer hilfsbereit und immer geduldig sind – und berufen sich dabei auf die Bibel. Doch die Bibel ruft uns nicht dazu auf, uns von anderen definieren zu lassen, was „gut” sei. Unser Maßstab ist nicht die Erwartung der Menschen, sondern der Wille Gottes. Christen tun Gutes nicht, weil andere es von ihnen verlangen, sondern weil Christus sie innerlich erneuert hat. Wer uns zum Gutsein drängen will, macht aus dem Evangelium ein Gesetz. Aber das Gute wächst aus Freiheit, nicht aus Druck. Wir sind nicht verpflichtet, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir sind verpflichtet, Christus nachzufolgen. Der obige Vers ist ein Gegengift gegen den moralischen Druck von außen. Niemand darf Christen mit der Bibel moralisch erpressen.

HERR Jesus Christus, du hast uns zur Freiheit berufen und nicht zur Menschenfurcht. Bewahre uns davor, uns von Erwartungen anderer bestimmen zu lassen. Amen.

Ohne Anspruch auf Dankbarkeit

„Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen! Und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“
Lukas 6,35

Wir alle kennen das: Wir tun jemandem freiwillig und aus Freundlichkeit einen Gefallen – und der andere bedankt sich nicht. Wenn sich jemand nicht für eine Gefälligkeit bedankt, kann dies das Verhältnis zu diesem Menschen empfindlich stören. Wir fühlen uns gekränkt. Es widerspricht unserem Gerechtigkeitsempfinden. Wir glauben, ein Recht auf Dankbarkeit zu haben.

Der Satz aus dem Lukasevangelium drückt aus, was Gott von uns erwartet. Wir sollten Gutes tun, ohne etwas dafür zu verlangen, denn nur so können wir uns die Freude daran erhalten. Ein Vers aus Sprüche 3,27 ergänzt dies: „Versage keinem das Gute, wenn es in deiner Macht steht, es zu tun.“ Hier wird das Tun betont, nicht die Reaktion des anderen. Dankbarkeit ist schön, aber sie darf nicht zur Bedingung werden. Wer Gutes tut, um gesehen zu werden, läuft Gefahr, verletzt zu werden. Es besteht hingegen eine große Freiheit darin, das zu tun, was man für richtig hält, ohne sich dafür etwas zu erhoffen.

Gebet
HERR, bewahre uns davor, aus Gefälligkeiten Forderungen zu machen. Hilf uns dabei, freudig und frei für andere Gutes zu tun. Amen.

Endlich frei werden

Nachdem ihr nun aber Gott kennt und liebt – genauer gesagt, nachdem Gott euch kennt und liebt –, wie ist es da möglich, dass ihr euch diesen armseligen und kümmerlichen Zwängen wieder beugt und unterwerft?
Galater 4,9

Paulus meint mit diesen Zwängen eine Reihe von Gesetzlichkeiten, von denen er annahm, dass sie die Galater überwunden hätten. Das kann auch uns betreffen, wenn man von uns die Beachtung von Regeln und Vorschriften verlangt, um religiöse Leistungen zu vollbringen. Es können auch Selbstrettungssysteme sein, die wir uns zurechtgelegt haben wie die Kontrolle des persönlichen Heils durch eigene Leistungen. All dies ist nach Paulus „armselig und kümmerlich“. Es hat keine Kraft, weil es uns in alten, menschlichen Abhängigkeiten festhält. Man kann damit allenfalls Pfarrer und Gemeindeleiter beeindrucken, vor Gott gilt das alles nichts. Wir sollten doch endlich erkannt haben, dass es im Evangelium um Gnade statt um Leistung geht. Die Grundsätze der Welt knechten uns. Die Gnade macht uns frei.

Gebet
HERR Jesus Christus, bewahre uns davor, in alte Muster zurückzufallen. Befreie uns von religiöser Angst, von Selbstrechtfertigung, von dem Druck, uns beweisen zu müssen. Lass uns leben als Kinder: frei, geliebt und getragen. Amen.