Andacht Heute

Entscheidungen treffen, ohne alles zu wissen

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen.
Psalm 37,5

Manchmal stehen wir vor Entscheidungen, die unser ganzes weiteres Leben prägen. Soll ich die Arbeitsstelle wechseln? Ist es an der Zeit, das eigene Haus aufzugeben und in eine Seniorenwohnung oder ein Pflegeheim zu ziehen? Welche Schule ist die richtige für mein Kind? Solche Fragen beschäftigen uns oft lange, denn niemand kann in die Zukunft sehen. Manche Christen wünschen sich dann in solchen Situationen eine direkte Antwort von Gott. Sie schlagen die Bibel auf, lesen den ersten Vers, der ihnen ins Auge fällt, und verstehen ihn als persönliche Entscheidungshilfe. Doch die Bibel ist kein Orakelbuch. Sonst würden wir sie ähnlich benutzen wie ein Los oder ein Horoskop.

Wie hilft uns die Bibel dann? Meist gibt sie uns meist keine fertigen Antworten auf unsere konkreten Lebensfragen. Aber sie vermittelt uns Gottes Weisheit für unsere Entscheidungen. Die Weisheit der Bibel führt uns nicht zur völligen Gewissheit, sondern zu einem verantwortlichen Vertrauen: Wir prüfen, überlegen und entscheiden nach bestem Wissen und legen dann unseren Weg in Gottes Hände. Wir müssen nicht warten, bis wir alles wissen, um eine Entscheidung treffen zu können. Gott begleitet uns auch dann, wenn wir nur den nächsten Schritt erkennen können.

Psalm 37 erinnert uns daran: Wir dürfen unseren Weg Gott anbefehlen. Das bedeutet jedoch nicht, die Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, nach bestem Wissen zu handeln und darauf zu vertrauen, dass Gott uns trägt, auch wenn sich später manches anders entwickelt als gedacht. Wer auf Gott vertraut, muss eine Entscheidung nicht endlos hinauszögern, weil er Angst hat, einen Fehler zu machen. Trotz aller sorgfältigen Überlegungen kann sich eine Entscheidung im Nachhinein als falsch herausstellen. Doch auch das gehört zu unserem begrenzten Menschsein. Ein Tennislehrer gab einmal den Rat: „Wenn du vorne am Netz stehst, musst du ins Spiel eingreifen. Das kann die falsche Entscheidung sein. Wenn du aber nur dastehst und gar nichts tust, fliegen die Bälle an dir vorbei, und du verlierst auf jeden Fall.“ Ähnlich ist es im Leben. Wir werden nicht immer richtigliegen. Aber wir dürfen nach bestem Wissen entscheiden und darauf vertrauen, dass Gott uns auch dann begleitet, wenn sich ein Weg später als Umweg oder Irrweg erweist.

Gebet
HERR, bewahre mich davor, aus Angst vor Fehlern handlungsunfähig zu werden. Hilf mir, meinen Weg in deine Hände zu legen und darauf zu vertrauen, dass du mich führst. Amen.

Andere glauben doch viel stärker … oder?

„Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach kommst. Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund!“
Matthäus 8,15

Ein römischer Hauptmann bittet Jesus um Hilfe für seinen schwer kranken Diener. Er hält sich selbst nicht für würdig, Jesus in sein Haus aufzunehmen, und sagt: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Jesus staunt über diesen Glauben. Der Hauptmann vertraut darauf, dass Jesu Autorität ausreicht, auch aus der Ferne zu helfen. Daraufhin wird sein Diener gesund. Bemerkenswert ist, dass der Hauptmann kein Mitglied des jüdischen Volkes war. Er war ein Heide. Dennoch erkennt Jesus in ihm einen außergewöhnlichen Glauben. Das kann alle ermutigen, die denken, ihr Glaube sei zu klein. Wer andere mit großer Hingabe beten hört oder ihre Bibelkenntnis bewundert, fühlt sich leicht zu schwach im Glauben. Doch Jesus lobte den Hauptmann nicht wegen seiner besonderen religiösen Leistungen. Wir lesen nichts von langen Gebeten, nichts von Opfern, nichts von besonderen Übungen. Er brachte einfach seine Not zu Jesus und vertraute seinem Wort.

Auch wir kennen viele gute Formen geistlicher Anstrengungen: An Gottesdiensten teilnehmen, Lieder singen, regelmäßige Bibellese, Gebetszeiten halten, Seminare besuchen oder christliche Bücher lesen. All das kann den Glauben stärken. Aber es ersetzt nicht das Vertrauen auf Christus. Die Kraft lag beim Hauptmann nicht in seiner Frömmigkeit, sondern in dem, dem er vertraute. Übersehen wir nie: Die Grundlage unseres Glaubens sind nicht geistliche Übungen, die Grundlage ist Jesus selbst.

Gebet
HERR Jesus Christus, schenke uns den Glauben des Hauptmanns von Kapernaum, der sich ganz auf dein Wort verließ. Hilf uns, auf dein Wort zu hören und uns an deine Zusagen zu halten. Amen.

Glauben allein oder gemeinsam?

Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.
Apostelgeschichte 2,42

Versäumt nicht die Zusammenkünfte eurer Gemeinde, wie es sich einige angewöhnt haben. Ermahnt euch gegenseitig dabeizubleiben. Ihr seht ja, dass der Tag nahe ist, an dem der Herr kommt.
Hebräer 10,25

Heute beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie viel Gemeinschaft mit anderen Gläubigen brauche ich eigentlich – und was kann ich selbst anderen geben? Es gibt Menschen, die ihren Glauben weitgehend für sich allein leben. Auch in der Geschichte der Christenheit gab es Eremiten und Einsiedler. Dennoch finden wir im Neuen Testament zahlreiche Hinweise darauf, dass Gemeinschaft kein nebensächlicher Bestandteil des Glaubenslebens ist.

Die erste Gemeinde wird in Apostelgeschichte 2,42 dadurch beschrieben, dass sie beständig in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet blieb. Gemeinschaft gehört also zu den Grundmerkmalen christlichen Lebens. Dabei geht es nicht in erster Linie um Geselligkeit oder Unterhaltung, sondern um gegenseitige Ermutigung, gemeinsames Lernen, Gebet und die Ausrichtung auf Christus.

Hebräer 10,25 gehört zu den deutlichsten Aufforderungen, die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen bewusst zu suchen und nicht dauerhaft auf sie zu verzichten. Allerdings macht das Neue Testament keine Vorgaben über eine bestimmte Organisationsform. Ob große Gemeinde, Hauskreis oder kleiner Gebetskreis: Entscheidend ist nicht die Größe der Versammlung, sondern dass Menschen im Namen Jesu zusammenkommen. Darum sagte Jesus: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)

Wenn wir nach einer Glaubensgemeinschaft suchen, fragen wir oft zuerst: „Was wird da angeboten? Wo fühle ich mich am wohlsten?“ Wir könnten aber stattdessen auch fragen: „Wo kann ich dienen? Wo kann ich andere ermutigen? Wo werden die Gaben gebraucht, die Gott mir geschenkt hat?“ Christliche Gemeinschaft lebt vor allem davon, dass jeder etwas beiträgt. Deshalb lautet die Frage nicht: „Was bringt mir die Gemeinschaft?“ Sondern:
„Was würde den Anderen fehlen, wenn ich nicht da wäre?“

Gebet
HERR Jesus Christus, zeige uns, welche Gaben du uns gegeben hast und wo wir sie zum Segen für andere einsetzen können. Lass unsere Gemeinschaften Orte sein, an denen dein Wort gehört, gemeinsam gebetet und deine Liebe sichtbar wird. Amen.