Andacht Heute

Der Christ als Bürger dieser Welt

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.
Jeremia 29,7

Augustinus unterscheidet zwischen der „civitas Dei“ (Gottesstadt) und der „civitas terrena“ (irdischen Stadt). Christen gehören zwar letztlich Gottes Reich an, leben aber zugleich als Bürger ihres Landes. Deshalb sollen sie zum Frieden und zum Gemeinwohl beitragen. Die Kirchenväter sahen Christen als Menschen, die mitten in der Welt leben, dort ihrem Beruf nachgehen, Armen helfen, für Gerechtigkeit eintreten und für die Obrigkeit beten. Christen sollen sich nicht aus der weltlichen Verantwortung fernhalten. Sie dürfen politische Fragen am Maßstab des Evangeliums prüfen.

Die Kirche darf und soll dort ihre Stimme erheben, wo Gottes Gebote missachtet werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kirche zu jeder politischen Frage eine offizielle Stellungnahme abgeben muss. Es steht ihr auch nicht zu, von den Kanzeln herab vor einer demokratisch gewählten Partei zu warnen und damit zu ihrer politischen Ausgrenzung beizutragen. Wenn die Kirche sich in die Tagespolitik einmischt, verlässt sie ihren eigentlichen Auftrag, das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen, Menschen zum Glauben zu rufen und ihr Gewissen an Gottes Wort auszurichten.

Gebet
HERR Jesus Christus, segne unsere Familien, unsere Gemeinden, unsere Dörfer und Städte. Schenke den Regierenden Weisheit und richte uns alle nach Deinem Willen aus. Amen.

Glaube ist kein Gefühlsrausch

Wer seine Gefühle beherrscht, hat Verstand.
Sprüche 14,29

Es gibt Menschen, die sich von starken religiösen Gefühlen treiben lassen. So kann bei ihnen die Überzeugung entstehen, von Gott einen exklusiven Auftrag erhalten zu haben, beispielsweise die Welt retten zu müssen, allein das Jüngste Gericht ankündigen zu sollen oder als einziges Sprachrohr Gottes aufzutreten. Solche Gedanken können sich verfestigen, insbesondere wenn sie von starken Emotionen begleitet werden. Doch die Bibel fordert uns auf, aufkommende Eindrücke und Überzeugungen an Gottes Wort zu prüfen, den Rat anderer Christen zu suchen und nüchtern zu bleiben. Weisheit zeigt sich darin, nicht jedem Impuls zu folgen. Gerade in Zeiten innerer Unruhe können uns Gefühle wie eine Achterbahn mitreißen. Ängste malen Katastrophen aus, Wut verengt den Blick und Traurigkeit nimmt uns die Hoffnung.

Deshalb ist das regelmäßige Lesen der Bibel so wichtig. Gottes Wort hilft uns, unsere Gedanken zu ordnen und unsere Wahrnehmung zu prüfen. Es lenkt den Blick weg von unseren wechselhaften Stimmungen hin zu Gottes beständigen Zusagen. Bereits die Kirchenväter betonten, dass der christliche Glaube nicht gegen die Vernunft steht. Wer die Schrift liest, soll aufmerksam prüfen, nachdenken und unterscheiden lernen.

Gott wirkt nicht nur im Feuer der Begeisterung, sondern auch in der Besonnenheit. Christlicher Glaube ist weder Herrschaft der Gefühle noch Stolz des eigenen Verstandes. Er verbindet ein empfindsames Herz mit einem prüfenden Denken und vertraut darauf, dass Gottes Wahrheit größer ist als beides.

Gebet
HERR Jesus Christus, bewahre mich vor Überheblichkeit und vor dem Glauben, mehr zu wissen oder zu sein, als du mir zugedacht hast. Lass mich nüchtern, besonnen und zugleich voller Vertrauen meinen Weg mit dir gehen. Amen.

Schriftgebundenheit: Der feste Anker im Glauben

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.
Timotheus 3,16

In unserer Zeit wird vieles hinterfragt. Auch bei der Bibellese kann das hilfreich sein, denn echter Glaube braucht keine Angst vor ehrlichen Fragen zu haben. Doch es gibt eine Grenze: Wenn wir die göttliche Autorität der Heiligen Schrift selbst aufgeben, verlieren wir den festen Maßstab unseres Glaubens. Vergessen wir nie: Die Bibel ist nicht einfach eine Sammlung religiöser Gedanken menschlicher Autoren. Sie bezeugt selbst, dass sie von Gott eingegeben ist. Sie ist sein zuverlässiges Wort an uns. Durch sie offenbart Gott seinen Willen, seinen Heilsplan und seinen Sohn Jesus Christus.

Wo die Schrift ihre Autorität verliert, entsteht schnell ein Glaubenschaos. Dann wird jeder Mensch zu seinem eigenen Maßstab. Was gestern noch Wahrheit war, erscheint heute fraglich. Was unbequem ist, wird umgedeutet. Der Mensch steht dann nicht mehr unter dem Wort Gottes, sondern macht sich selbst zum Richter über Gottes Wort. Doch auch wer an die Autorität der Bibel glaubt, muss wachsam bleiben. Nicht jede Auslegung ist richtig. Schon Petrus warnt davor, die Schrift nach eigener Meinung auszulegen. Unsere Gedanken, Wünsche und Vorurteile können dazu führen, dass wir dem Text Dinge aufdrängen, die Gott nie gesagt hat.

Die Kirchenväter wussten um diese Gefahr. Gegen Irrlehren ihrer Zeit riefen sie die Christen immer wieder zurück zum Zeugnis der Apostel und Propheten. Nicht neue Offenbarungen, menschliche Spekulationen oder philosophische Systeme sollten die Gemeinde leiten, sondern das überlieferte Wort Gottes. Schriftgebundenheit bedeutet deshalb nicht Engstirnigkeit, sondern geistliche Sicherheit. Sie bewahrt uns vor dem Irrtum und führt uns immer wieder zu Christus. Mögen wir deshalb mit offenem Herzen und demütigem Geist lernen, der Schrift zu vertrauen, ihre Aussagen ernst zu nehmen und sie nicht unseren Vorstellungen anzupassen. Denn Gottes Wort bleibt wahr, auch dann, wenn menschliche Meinungen kommen und gehen.

Gebet
HERR, wir danken Dir für Dein heiliges Wort. Gib uns Weisheit, damit wir die Schrift treu auslegen und nicht auf Irrwege geraten. Amen.