Zwischen Auftrag und Vorwurf
„Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker … und lehrt sie halten alles, was ich euch geboten habe.“
Matthäus 28,19–20
In einer Welt, die oft laut gegen den Glauben auftritt, stehen Christen heute zwischen zwei Spannungsfeldern: dem Missionsbefehl Jesu und dem Vorwurf des Fundamentalismus. Als Christ kann man heute erleben, dass man vielfach auf eine Abwehrhaltung trifft, d.h. auf Menschen, die sich ausdrücklich nicht auf Glaubensgespräche einlassen wollen und jede religiöse Deutung zurückweisen. Wie kann man darauf reagieren, ohne sich verbiegen zu müssen?
Ich denke, dass Christen nicht durch Druck überzeugen sollten, sondern durch ein Leben, bei dem das Evangelium sichtbar wird. Freundlichkeit, Demut, Menschlichkeit und Mitgefühl sind die stärksten Gegenargumente gegen den Vorwurf der Engstirnigkeit oder des Fanatismus. Ein Christ, der weltlichen Diskursen nicht aus dem Weg geht, dabei aber ruhig und dem Gegenüber respektvoll bleibt, entzieht den üblichen Klischees den Boden.
Jesus ermuntert uns mit den Worten: „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ (Matth. 5,16) In dieser Haltung entsteht ein gangbarer Weg zwischen den Extremen: Nicht schweigen aus Angst vor dem Fundamentalismusvorwurf. Und nicht hektisch und laut werden aus Angst, den Missionsbefehl zu verpassen. Sondern: Christus ehren und auf ihn verweisen durch ein glaubwürdiges Leben, durch Wissen und durch Liebe. Ich allein kann es nicht schaffen, meine Mitmenschen zu überzeugen, und ich bin auch nicht für jeden Ausgang eines Gesprächs verantwortlich. Aber ich darf sicher sein, dass der Heilige Geist wirkt. So zeigen wir Christus, und nicht uns selbst. So lassen wir sein Licht leuchten.
Gebet
HERR Jesus Christus, führe uns zwischen Auftrag und Vorwurf hindurch auf Deinem Weg der Wahrheit und der Liebe. Amen