Andacht Heute

Prüfe, ob es von Gott kommt

Verachtet prophetische Aussagen nicht, prüft aber alles und behaltet das Gute! Meidet das Böse in jeder Gestalt!
1. Thessalonicher 5,20-22

Die evangelische Jahreslosung für das Jahr 2025 lautete: „Prüft alles und behaltet das Gute!” In dieser verkürzten Form könnte man leicht übersehen, dass sich dieses Bibelwort auf die prophetische Rede bezieht. In vielen Predigten und Kommentaren wurde das Wort dann so verstanden: „Prüft Nachrichten und Meinungen! Prüft euren Konsum, die Politik und die Medien!” Das ist im Prinzip nicht falsch, aber es entspricht nicht dem, was Paulus meinte. Er forderte zur Prüfung prophetischer Reden auf. Ohne diesen Kontext wird der Vers zu einem allgemeinen Appell an kritisches Denken. „Nehmt an, was gut ist” wird dann moralisierend verstanden. Daraus leitet man ab, dass Gott die gute Sache – oder das, was man dafür hält – unterstützt.

Theologisch ist es nie ganz sauber, wenn man einzelne Bibelworte aus dem Zusammenhang reißt. Wäre es nicht besser, wenn wir mehr bei Paulus blieben und das Prüfen nicht auf alles Politische ausweiten? Dann könnten wir die Verse als Aufforderung verstehen: Wir sollen nicht alles glauben, was als „Wort Gottes“ daherkommt und wachsam sein gegenüber falschen Stimmen! Dann würde uns eher auffallen, wenn Bibelworte als schöne Illustrationen eigener Sichtweisen herhalten müssen, statt sie als das zu nehmen, was sie sind: vollkommen eigenständige Mitteilungen Gottes an uns. Paulus ruft uns nicht zu allgemeiner Skepsis auf, sondern zu geistlicher Unterscheidung. Wir sollen offen bleiben für das Reden Gottes und zugleich wachsam gegenüber Stimmen sein, die nur so tun, als kämen sie von ihm.

Wie wir über andere Menschen reden

Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!
2. Mose 20,16

    „‚Du sollst nicht lügen‘ – so haben wir es als Kinder gelernt. Und das stimmt ja auch. Aber als Erwachsene merken wir: Die gefährlichsten Unwahrheiten sind oft nicht die offenen Lügen, sondern die schnellen Urteile, die halben Wahrheiten und die Etiketten, die wir anderen aufkleben.

    Heute leben wir in einer Zeit der starken und schneidenden Worte. In den sozialen Medien, in politischen Debatten und in Alltagsgesprächen begegnen uns Begriffe wie ‚Tagträumer‘, ‚Illusionisten‘, ‚Rassisten‘ oder ‚Faschisten‘. Wenn wir Menschen mit solchen Etiketten belegen, reduzieren wir sie auf eine einzige Eigenschaft. Damit verletzen wir das Gebot, denn wir urteilen über den anderen in einer Weise, die ihm schaden soll, und die in ihrer Pauschalisierung nicht der Wahrheit entspricht.

    Es reicht nicht aus, wenn wir selbst auf verletzende Pauschalbegriffe verzichten. Wir sollten auch aufmerksam zuhören, wenn solche Worte in unserer Umgebung oder in den Medien fallen. Wo Sprache Menschen herabsetzt oder verzeichnet, dürfen wir freundlich, aber klar widersprechen. Christlicher Glaube bedeutet nicht, dass wir allem zustimmen und uns nicht äußern müssen. Die Weisheit der Bibel macht uns aufmerksamer für das, was um uns geschieht, und sprachkritischer. Der Heilige Geist ermutigt uns, für eine Sprache einzutreten, die der Wahrheit verpflichtet ist, die Menschenwürde achtet und für einen friedlichen Austausch geeignet ist.

    Ein befreiender Blickwechsel

    Ihr selbst könnt bezeugen, dass ich sagte: Ich bin nicht der Messias; ich bin nur als sein Wegbereiter vor ihm hergesandt.”
    Johannes 3,28

    Die Anhänger von Johannes dem Täufer waren irritiert, weil Jesus öffentlich aufgetreten war und sich nun viele Menschen von ihm taufen ließen. Johannes wies darauf hin, dass sein Auftrag immer auf Jesus ausgerichtet gewesen war. Sein Dienst hatte sich erfüllt, nun stand Jesus im Mittelpunkt. Er war nur der Vorläufer. Von ihm stammen die Worte: „Er muss immer größer werden und ich immer geringer.”

    Die Jünger des Johannes erlebten, was wir Christen heute auch noch kennen: Man vergleicht. Man misst. Man schaut, wer mehr Zulauf hat, wer mehr Anerkennung bekommt, wessen Dienst „erfolgreicher“ wirkt. Eifersucht entsteht, wenn wir vergessen, dass jede Gabe ein Geschenk und jeder Dienst ein Auftrag ist – und kein Wettbewerb. Johannes zeigt uns einen anderen Weg: Nicht ich bin das Zentrum. Nicht meine Leistung entscheidet über den Wert meines Dienstes. Sondern: Christus allein. Wenn er größer wird, wenn Menschen zu ihm finden und sein Licht heller wird, dann erfüllt sich unser Auftrag – egal, durch wen Gott gerade wirkt. Das nimmt uns den Druck und befreit uns von der Angst, übersehen zu werden, weil andere mehr Glanz ausstrahlen. Es geht nicht um uns. Es geht um Christus. Wir dürfen unseren Dienst mit Freude und Treue tun, ohne um Aufmerksamkeit kämpfen und im Rampenlicht stehen zu müssen.