Andacht Heute

Zwischen Pflicht und Hingabe

Jesus aber sprach zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
Markus 1217

Damit widerspricht Jesus der Haltung, dass man sich einfach entziehen darf, wenn einem etwas ungerecht erscheint in seinem Land. Fragen wir uns einmal, was passieren würde, wenn jeder nach seinem eigenen Gefühl entscheiden dürfte, ob er den Staat unterstützt oder boykottiert. Unser Gemeinwesen würde mit ziemlicher Sicherheit zerbrechen. Jesus sagt, dass ein Staat nur bestehen kann, wenn Menschen ihren Beitrag leisten. Er spricht hier jedoch nicht von blindem Gehorsam. Bei einem Staat, der kriminell handelt und Menschen zu Verbrechen zwingt, wie im Dritten Reich, muss Widerstand möglich sein. In einem demokratischen Staat muss ich jedoch meinen Teil zum Gemeinwohl beitragen, auch wenn ich mit vielen Dingen nicht einverstanden bin. Beispielsweise damit, dass unser Staat für Gender-Projekte als Entwicklungshilfe jährlich 612 Millionen Euro ausgibt.

Jesus erinnert uns auch daran, dass es eine zweite Ebene gibt. Es gibt noch etwas, das nicht dem Staat gehört. Es gehört Gott. Unser volles Vertrauen gehört allein ihm.

Gebet
HERR, führe uns in allem, was wir tun, damit wir unsere Pflicht erfüllen im Alltag und gleichzeitg dir dienen. Amen.

Weisheit ist mehr, als sich Recht verschaffen

Doch der Vorteil der Weisheit ist, dass sie einen am Leben erhält.
Prediger 7,12

In einem rechtlichen Verfahren hatte ich einmal das volle Recht, den gesamten Betrag einzufordern, der mir zustand. Juristisch wäre das korrekt gewesen. Mein Anwalt sagte: „Da könnte man das Ganze holen.“ Ich habe mich jedoch mit dem zufrieden gegeben, was die Gegenpartei angeboten hat, weil jeder weitere Schritt Zeit gekostet hätte und ein langer Streit Kraft und Energie kostet. Ein Sieg vor Gericht bedeutet nicht automatisch Frieden.

In der Bibel ist Weisheit nie bloße Intelligenz. Sie ist die Fähigkeit, die weiteren Folgen des eigenen Handelns zu sehen. Sie ist die Kunst, nicht alles zu tun, was man tun dürfte. Sie ist die Freiheit, auf Recht zu verzichten, wenn das Beharren darauf uns selbst schaden würde. Eine so verstandene Weisheit schützt uns vor unnötigen Kämpfen, verletzenden Worten und endlosen Auseinandersetzungen.
Sie schützt uns auch manchmal vor uns selbst. Weisheit ist ein Geschenk Gottes. Sie führt uns nicht in Kämpfe hinein, sondern heraus. Sie gibt unserem Leben heute und auch morgen bei den Entscheidungen, die wir treffen, Sinn.

Gebet
HERR, schenke mir Weisheit, die mir Frieden gibt und mich schützt. Lass mich erkennen, wenn ich loslassen darf, und eine Sache dir überlassen kann. Amen.

Was trägt – und was nur klingt

Prüft alles und behaltet das Gute.
1. Thessalonicher 5,21

    Manchmal lesen wir Texte, die freundlich und fromm klingen, oft auch tröstlich gemeint sind. Und doch bleibt nach dem letzten Satz nichts übrig. Kein Gedanke, der weiterführt. Kein Impuls, der etwas in uns bewegt.

    Ein Beispiel: „Gott ist immer da. Er hält dich fest. Er trägt dich durch alle Höhen und Tiefen. Vertraue einfach auf ihn, und du wirst sehen, wie er dich segnet. Seine Liebe ist groß, und er hat einen wunderbaren Plan für dein Leben.“

    Das klingt zwar schön, trägt aber nicht. Hier wird keine konkrete Situation benannt. Es ist nur eine Sammlung christlicher Allgemeinplätze, also Floskeln, die niemanden herausfordern. Paulus rät uns, das Gelesene oder Gehörte zu prüfen und das Brauchbare zu behalten. Es lohnt sich also, sich nach dem Lesen einer Andacht, eines Erbauungsbuches oder eines Kommentars zur Bibel die folgenden Fragen zu stellen: Was hat mich hier berührt? Was nehme ich konkret mit? War es nur ein netter Klang ohne Inhalt? Das Gute zu behalten, heißt das Wertlose loslassen und das Wertvolle bewahren.

    Gebet
    HERR, hilf mir. Ich möchte unterscheiden. Ich möchte Worte unterscheiden, die nur klingen. Und Worte, die wach machen. Worte, die aufrichten. Und Worte, die hinführen zu dir. Amen.