Andacht Heute

Gottes Erbarmen mit uns

Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen.
Jesaja 57,16

Jesaja 57 ist ein Kapitel, das die Untreue Israels (Untreue, Götzendienst, moralische Verwilderung) schonungslos offenlegt. Aber mitten hinein spricht Gott eine unerwartete, hoffnungsfrohe Zusage: Er wird an seinem Zorn nicht festhalten, weil der Mensch sonst zugrunde gehen würde. Für mich heißt das: Auch wenn ich versage, mich verrenne, mich entferne – Gott hält seinen Zorn zurück, damit ich nicht zerbreche. Er lässt mir Raum zum Atmen, Raum zum Heimkommen.

Gebet
HERR, danke, dass du uns nicht fallen lässt, wenn wir straucheln. Amen.

Was hat der HERR gesagt?

Siehe, ich komme über diejenigen, spricht der HERR, die Lügenträume weissagen und sie erzählen und mit ihren Lügen und ihrem leichtfertigen Geschwätz mein Volk irreführen, während ich sie doch nicht gesandt und ihnen nichts befohlen habe, und sie diesem Volk auch gar nichts nützen!, spricht der HERR. Und wenn dich dieses Volk oder ein Prophet oder ein Priester fragen sollten: „Was ist die Last des HERRN?“, so sollst du ihnen antworten: „Was die Last ist? Ich will euch abwerfen!, spricht der HERR.“
Jeremia 23,32-33

In der politischen Debatte, im Journalismus, in den sozialen Medien – überall entstehen heute Worte, die nicht mehr klären, sondern aufheizen. Die aktuelle Diskussion über den Aufstieg der AfD zeigt das deutlich: Schlagzeilen werden dramatischer, Kommentare schriller, Warnungen lauter. Dadurch entsteht ein Ton, der nicht mehr nüchtern beschreibt, sondern Angst erzeugen soll. Die Sprache wird schwer, sie wird zur „Last“.

Jeremia 23 spricht genau in eine solche Situation hinein. Damals waren es die falschen Propheten, die mit großen Worten Eindruck machten. Sie sprachen von „Lasten des Herrn“, als hätten sie besondere, dramatische Offenbarungen. Sie erzeugten Druck, Angst, religiöse Schwere und verdrehten damit Gottes Wort. Gott widerspricht dem und ruft zur Reinigung der Sprache auf und damit zu: Nicht übertreiben. Nicht dramatisieren. Nicht mit religiösen oder politischen Floskeln Eindruck schinden. Nicht Lasten erzeugen, wo Gott Klarheit schenkt. Seine Sprache ist nicht manipulativ, sondern nüchtern, wahrhaftig und hilfreich.

Gebet
HERR, reinige auch meine Sprache. Bewahre mich vor Worten, die schwer machen, verwirren oder manipulieren. Schenke mir eine nüchterne, klare Stimme, die fragt: Was hast du gesagt? Was willst du wirklich von mir? Amen.

Hoffnung, die allein von Gott kommt

Führe mich heraus aus diesem Gefängnis, damit ich deinen Namen preise. Die nach deinem Willen leben, werden sich freudig um mich scharen, wenn du mir Gutes erwiesen hast.
Psalm 142,8

Vielleicht kennst du das: Du bist von einer Sache tief in deinem Herzen überzeugt. Du willst beispielsweise warnen vor einer Fehlentwicklung. Aber du fühlst dich wie der einsame Rufer in der Wüste, allein und von vielen unverstanden. Helfer und Unterstützer sind nirgends zu sehen. Du sehnst dich nach einem Wort der Unterstützung, nach einem Zeichen, dass jemand hinter dir steht, doch es kommt nichts. David sagt zuvor im Psalm: „Niemand nimmt sich meiner an.“ So ist die Lage – eine reine Bestandsaufnahme ohne Verbitterung.

Psalm 142 ist ein Gebet aus der Höhle, aus der Enge, aus der Einsamkeit. Und doch endet dieser Psalm mit dem obigen Vers, einem Satz, der wie ein Lichtstrahl durch einen schmalen Spalt fällt. Plötzlich wächst die Zuversicht, dass sich alles wenden wird. Für uns bedeutet dies: Gott sieht dich, bevor Menschen dich sehen. Gott stärkt dich, bevor andere es tun. Gott führt dich aus der Höhle heraus. Und wenn Gott dir Gutes tut, wird dies auch für andere nicht verborgen bleiben.

Gebet
HERR, führe mich aus dem Kerker meiner Enge, damit ich deinen Namen preise und Hoffnung weitergeben kann. Amen.