Andacht Heute

Tertullians Ruf zur Klarheit

„Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Matthäus 28,19

Tertullian (ca. 160–220) zählt zu den ersten Stimmen der Kirche, die mit ungewöhnlicher Klarheit und Mut gesprochen haben. Er war weder Bischof noch Kirchenvater im klassischen Sinn, sondern ein Laie, der die Schrift ernst nahm und sie gegen alle philosophischen und kulturellen Strömungen seiner Zeit verteidigte. Bis heute prägen seine kompromisslose Schriftorientierung, die das Evangelium über alle menschlichen Spekulationen stellte, und seine frühe Formulierung der Trinität, durch die das Geheimnis des dreieinen Gottes erstmals klar und verteidigbar hervortrat.

Die meisten Christen bekennen sich zur Trinität (u.a. in den Glaubensbekenntnissen), doch viele verstehen sie nur bruchstückhaft. Es gibt auch heute noch viele falsche Vorstellungen davon. Beim Modalismus ist Gott eine einzige Person, die sich in verschiedenen „Modi“ oder Rollen zeigt: manchmal als Vater, manchmal als Sohn, manchmal als Heiliger Geist. Dies führt zu Vorstellungen wie: „Gott hat sich im Alten Testament als Vater, im Neuen Testament als Sohn und nach Pfingsten als Heiliger Geist gezeigt.“ Auch Vergleiche wie „Die Trinität ist wie Wasser: Eis, Dampf, Flüssigkeit“ sind nichts anderes als Modalismus in naturwissenschaftlicher Form. Eine weitere Form der Unklarheit ist die emotionale: Viele Christen empfinden den Vater als streng, den Sohn als freundlich und den Geist als mysteriös. Oder sie stellen sich den Vater als den eigentlichen Gott vor, während der Sohn und der Heilige Geist demnach weniger göttlich wären. All dies sind menschliche Versuche, sich einen eigenen Reim auf die Trinität zu machen. Sie orientieren sich jedoch nicht an der Bibel und verkennen die Einheit im Wesen und der Dreiheit in den Personen.

Tertullian erinnert uns daran, dass der christliche Glaube nicht aus menschlicher Klugheit entsteht, sondern aus Gottes Offenbarung. Und dass die Kirche nur dann klar bleibt, wenn sie sich an die Schrift hält und den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist gemeinsam bekennt und anerkennt, dass Gott in seinem Wesen eine Einheit ist und als Dreiheit in den Personen existiert.

Gebet:
HERR, wir danken dir für Tertullian, dessen Liebe zur Schrift und dessen Bekenntnis zur Dreieinigkeit uns bis heute stärken. Schenke uns dazu die nötige Klarheit, die aus deinen Worten in der Schrift kommt. Amen.

Kanon, Tiefe, Christus: Das Erbe des Origines

„Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz.“
Psalm 119,18“

Der Kirchenvater Origines (ca. 185–254) war der Erste, der die Bibel systematisch auslegte. Er tat etwas, das uns heute selbstverständlich erscheint: Er verglich verschiedene Handschriften. Er machte sich Gedanken über den Kanon, also über die Schriften, die später von den jeweiligen Kirchen als verbindliche Grundlagen des Glaubens anerkannt wurden. Er unterschied zwischen wörtlicher, historischer und geistlicher Auslegung. Er suchte nach dem tieferen Sinn, der Christus sichtbar macht. Damit legte er Grundlagen, die heute in Predigten, in der Bibelarbeit und in der theologischen Ausbildung wiederzufinden sind.

Origines erinnert uns daran, dass die Bibel nicht nur wie ein Sachbuch gelesen, sondern durchdrungen werden will. Die Bibel ist ein lebendiges Buch. Sie hat eine Tiefe, die wir nur entdecken, wenn wir uns Zeit nehmen. Neben der historischen Ebene und ihrer geistigen Tiefe spricht sie uns ganz persönlich an. Und sie führt uns immer zu Christus.

Gebet
HERR Jesus Christus, lass uns freudig und aufmerksam in deinem Wort suchen, um das zu finden, was unserem Leben den tieferen Sinn schenkt. Amen.

Die Bibel ist kein Rätselbuch

Jesus antwortete: „Ich habe in aller Öffentlichkeit zu den Menschen gesprochen. Niemals habe ich etwas im Geheimen gelehrt, sondern immer in den Synagogen und im Tempel, wo es jeder hören konnte.“
Johannes 18,20

Irenäus von Lyon lebte vermutlich zwischen 130 und 200 nach Christus, stammte aus Smyrna und war Bischof von Lyon. Als einer der frühen Kirchenväter gilt er als bedeutender Theologe. In seinen Schriften wandte er sich gegen damals kursierende Irrlehren, vor allem gegen die Gnosis. Diese unterschied zwischen einem hohen, reinen Gott und einem niedrigen Schöpfergott, der für die materielle Welt verantwortlich sei. Erlösung komme laut dieser Lehre durch Erkenntnis, nicht durch Kreuz und Auferstehung.

Irenäus betonte, dass es nur einen Gott gibt und dass er durch eine einzige Heilsgeschichte führt. In der evangelischen Theologie wurde seine Sichtweise zu einem entscheidenden Grundsatzpunkt, der die kanonische Einheit der Bibel betont. Danach gehören Altes und Neues Testament zusammen. Den Höhepunkt, auf den alles zuläuft, bildet Jesus Christus. Er ist der Schlüssel der gesamten Bibel. Durch ihn wird der unsichtbare Vater sichtbar. Die Bibel ist ein zusammenhängendes Zeugnis von Gottes Weg mit der Menschheit. Irenäus ist der erste christliche Autor, der alle vier Evangelien ausdrücklich als göttlich inspiriert hervorhebt. Damit waren sie schon früh anerkannt und wurden gegen Verfälschungen verteidigt.

Für uns heutige Christen bedeutet die klare Abgrenzung zu gnostischen Richtungen, dass unser Glaube öffentlich ist und keine Geheimwissenschaft darstellt. Er ist für alle zugänglich und muss nicht durch esoterisches Spezialistentum erworben werden. Niemand muss sich „hochlernen“, um Gott zu finden. Unsere Erlösung kommt durch Christus, nicht durch intellektuelle Erkenntnis. Die Gnosis betrachtete die Welt als Fehler oder Gefängnis. Unser Glaube sagt, dass die Welt gut geschaffen, der Mensch gewollt und der Körper wertvoll ist. Von uns wird keine Weltflucht verlangt, wir dürfen unser Leben und unsere Welt bejahen.

Gebet
HERR Jesus Christus, wir danken dir, dass du dich nicht im Verborgenen hältst, sondern dich uns offen zeigst. Bewahre uns vor allem, was uns von dir wegzieht. Amen.