Andacht Heute

Warum stellen viele Menschen keine Fragen wie Gideon?

Er aber sprach zu ihm: Wenn ich denn Gnade vor dir gefunden habe, so gib mir ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet.
Richter 6,17

In Richter 6 wird erzählt, wie Gott den verängstigten und unscheinbaren Gideon beruft, um Israel aus der Unterdrückung durch die Midianiter zu retten, und wie er ihn Schritt für Schritt in diese Aufgabe hineinführt – trotz Gideons Zweifel, Angst und Schwäche. Israel lebt wieder in Abkehr von Gott. Die Midianiter überfallen das Land jedes Jahr, rauben Ernten und Vieh. Der Engel des HERRN spricht Gideon an, der sich ängstlich versteckt hat, und erteilt ihm den Auftrag. Gideon ist sich nicht sicher: „Ist das wirklich Gott – oder nur meine eigene Stimme?” Er bittet um ein Zeichen. Wir sehen: Gideon zweifelt nicht an Gott, sondern an sich selbst. Er spürt: Wenn Gott wirklich zu mir spricht, dann kann ich gehen. Aber wenn ich mich täusche, gehe ich unter. Gott antwortet mit Feuer vom Felsen.

Ich frage mich, warum so viele Menschen nicht so weit sind wie Gideon. Sie kommen gar nicht erst auf den Gedanken, dass Gott es ist, der alles trägt. Im Gegensatz zu Gideon rechnen sie nicht mit einem persönlichen Gott. Sie leben in einem geschlossenen Weltbild und meinen: Alles ist Zufall. Alles ist Schicksal. Alles ist Natur. Alles ist ohne Gott erklärbar. Gideon fragt, warum das Unglück über das Volk gekommen ist (V. 13). Er nimmt das Leben also ernst genug, um es vor Gott zu deuten. Viele Menschen stellen dieselbe Frage, jedoch ohne Adressaten: „Warum ist die Welt so?“ oder „Warum passiert mir das?“. Sie erwarten keine Antwort, sie rechnen nicht mit einer Stimme.

Wie könnten wir diesen Menschen helfen? Wir könnten sie ermutigen, ihre Klagen auszusprechen, und ihnen dabei zuhören. Wir könnten sie einladen, diese Frage an Gott zu richten, statt sie ins Leere zu stellen. Wir könnten von den Momenten erzählen, in denen Gott in unserem Leben eingegriffen hat. Da Gott große Geduld mit uns hatte, sollten wir sie auch mit zweifelnden Menschen haben.

Die Liebe – nüchtern betrachtet

Wer sagt, dass er im Licht ist, und doch seinen Bruder hasst, der ist noch immer in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und nichts Anstößiges ist in ihm.
1. Johannes 2,9–10

Ich beobachte derzeit einen Prozess innerhalb der evangelischen Kirche, der mir große Sorgen bereitet. Das betrifft auch unsere Kirchengemeinde, da wir in einen größeren Verbund, eine sogenannte Regionalgemeinde, aufgehen sollen. Die Gefahr dabei ist, dass die Gemeinde vor Ort nur noch umsetzen muss, was von oben angeordnet wird. Die Folge wird sein, dass sich die Ehrenamtlichen zurückziehen und das geistliche Leben in den Gemeinden zum Erliegen kommt. Ich sehe Technokratie, Zentralisierung, Verlust von Nähe und von Gemeinde. Und ich frage mich: Wie soll ich da noch die Liebe leben, von der Johannes spricht?

Ich will den Vers nüchtern betrachten. Ich sehe: Johannes ruft zur Liebe auf, nicht zur Naivität. Liebe bedeutet nicht, alles gutheißen, schlucken, mittragen und Konflikte vermeiden. Bei aller Aufforderung zur Liebe dürfen wir nicht zusehen und schweigen, wenn uns etwas auffällt. Wir dürfen sagen: „Hier ist eine gefährliche Entwicklung im Gange.“ Johannes meint nicht: „Hab immer warme Gefühle für alle kirchlichen Entscheidungsträger.“ Er meint allerdings, dass wir nicht zulassen sollen, dass Bitterkeit unser Herz frisst. Wir sollen also nicht verachten, nicht hassen und nicht zynisch werden. Wir sollen klar sehen, aber ohne zu verbittern. Liebe heißt auch, für etwas zu kämpfen, das anderen dient. Wenn ich für die Ortsgemeinde einstehe, für Nähe, Verlässlichkeit und geistliche Präsenz, dann ist das ein Akt der Liebe. Nicht gegen Menschen, sondern für die Gemeinde, für die Schwachen, für diejenigen, die Nähe brauchen. Liebe ist manchmal Widerstand.

Gebet
HERR Jesus, gib mir Klarheit, wo ich widersprechen muss, und Sanftmut, wo ich mich selbst zurücknehmen soll.
Gib mir Mut, für das einzustehen, was deiner Gemeinde dient, und Frieden, wo ich Grenzen akzeptieren muss.

Gott warnt – aber wer hört?

»Mich sollst du fürchten; nimm doch Züchtigung an!«
Zefanja 3,7

Zefanja 3 beginnt mit der Klage über die moralische und geistliche Verkommenheit Jerusalems. Alle haben versagt: Führer, Richter, Propheten, Priester. Gott handelt gerecht und sichtbar, aber das Volk reagiert nicht. Die Geschichte der zerstörten Völker sollte eine Warnung sein. Dann kommt die zentrale Aussage in Zefanja 3,7: Ich sprach: »Mich sollst du fürchten; nimm doch Züchtigung an!« — dann würde ihre Wohnung nicht vertilgt, so wie ich es über sie beschlossen habe; aber sie haben trotzdem beharrlich alles Böse getan. Gott spricht wie ein Vater, der sagt: »Ich dachte, jetzt versteht ihr es. Jetzt kehrt ihr um.« Statt Umkehr passiert das Gegenteil. Hier wird erklärt, warum das Gericht kommen muss.

Die Warnung aus Zefanja gilt noch heute: Gott handelt, warnt, wirbt – aber Menschen hören oft erst, wenn alles zusammenbricht. Wenn sich die Menschen ganz von Gott abwenden, weil sie meinen, dass sie alle Warnungen ignorieren können, dann wird dies nicht ungeahndet bleiben. Das Gericht Gottes wird sie treffen. Hoffnung besteht für alle, die sich dem Herrn zugewandt haben:
»Und ich will in deiner Mitte ein demütiges und geringes Volk übrig lassen; das wird auf den Namen des HERRN vertrauen.«
Zefanja 3,12