Andacht Heute

Wie das Wort lebendig wird

Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete und uns die Schrift öffnete?“
Lukas 24,32

Kleopas und ein weiterer Jünger sind auf dem Weg nach Emmaus. Ein Fremder schließt sich ihnen an, doch sie erkennen nicht, dass es Jesus ist. Unterwegs erklärt er ihnen die Schrift, die Propheten und Mose, alles, was auf den Messias hinweist. Erst später, beim Brotbrechen, erkennen sie ihn und erinnern sich, was passiert ist. Sie begreifen rückblickend, dass Jesus ihnen selbst die Schrift ausgelegt hat. Ihr Herz brannte – ein inneres Feuer, ein Erkennen, ein tiefes Berührtwerden. Die Schrift wurde ihnen „geöffnet“ – sie verstanden plötzlich Zusammenhänge, die vorher verschlossen waren.

Die Jünger merken: Es geht nicht um den Text allein. Die Bibel ist nicht nur Information, sondern Begegnung mit Christus im Text, bei der unser Herz angerührt wird. Die Geschichte spielt sich auf einem Weg ab, also mitten im Alltag. Bibelworte sind nicht an einen Schreibtisch gebunden. Sie erschließen sich im Gespräch. Die Jünger reden miteinander und es wird ihnen klar: Bibelverstehen ist auch ein gemeinschaftlicher Prozess. Im Austausch entstehen Funken, die allein vielleicht nicht aufflammen würden. Die Bibel ist ein Ort der Begegnung. Verstehen ist ein Geschenk Gottes. Unser Herz darf dabei brennen.

Ein Tag zum Besinnen

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.
Psalm 37,5

Es gibt Tage, da wird einem bewusst, dass man innehalten sollte. Ein Feiertag wie der Ostermontag könnte so einer sein. Da wird so manches angeboten, was auf den ersten Blick attraktiv erscheint: Brauchtum, Bergausflüge, Konzerte, Theaterveranstaltungen. Man könnte aber an so einem Tag auch zu Hause bleiben und seine Gedanken sortieren. In den Online-Veranstaltungskalender unserer Region habe ich schon geblickt. Also habe ich mir die Frage nach dem, was ich heute tun könnte, schon gestellt. Das ist die Ebene der Möglichkeiten. Sie ist meist groß, bunt, übervoll. Hier liegt auch die Gefahr des Aktionismus: „Ich könnte noch… ich sollte noch… man müsste eigentlich…“ Dann kam die Frage in mir auf, was ich wirklich möchte. Das ist die Ebene der inneren Resonanz. Sie zeigt mir, wo meine Freude und Sehnsucht heute liegen. Sie ist wichtig, da sie verhindert, dass wir gegen unsere innere Natur handeln.

Die dritte Ebene wird mir durch die Frage eröffnet: Was will Gott heute von mir? Oft ist sie leiser als die beiden anderen. Wenn wir uns die dafür nötige Zeit und Aufmerksamkeit nehmen, dann zeigt sich uns hier erstaunlich zuverlässig, was heute dran ist. Manchmal ist Gottes Wille ein Tun. Manchmal ein Lassen. Manchmal ein Warten. Manchmal ein schlichtes Dasein. So ist an einem Tag wie diesem geistliche Unterscheidung möglich: Ich tue heute nicht das, was ich könnte, nicht einmal das, was ich möchte, sondern das, was Gott in mir wachsen lassen will.

Gebet
HERR, du kennst meine Wege und meine Gedanken. Schenke mir ein waches Herz, das unterscheiden kann zwischen dem, was möglich ist, und dem, was heute wirklich dran ist. Lass mich hören, was dein Geist mir sagt, und gib mir Mut für ein klares Ja und Frieden für ein gutes Nein.

Die Gewissheit der Auferstehung Jesu

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“
Johannes 11,25-26

Da schreibt heute der evangelische Pfarrer, Theologe und Autor Achijah Zorn ein „Vorwort zum Sonntag“ mit dem Titel „Glaube hat Gründe“. Darin spricht er davon, dass der christliche Glaube keineswegs blind ist, sondern sich intellektuell, bei ihm selbst auch persönlich-existenziell belegen lässt. In den Kommentaren erfährt er viel Dank und Zuspruch für seinen Artikel. Es melden sich aber auch Skeptiker zu Wort. Sie bezeichnen Jesus als Lügner und kleinen Wanderprediger und seine Auferstehung als nicht bewiesen. Sollen sie doch. Ihr Besserwissertum und ihre Wichtigtuerei werden keinen Bestand haben und in sich zusammenfallen. Echter Glaube ist nicht eine Möglichkeit des Denkens unter anderen, sondern gründet sich auf Gewissheit. In einem der Kommentare wird Paul Gerhardt zitiert: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, das soll mir niemand nehmen!“