Andacht Heute

Christlich oder katholisch?

„Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens.“
Epheser 4,3

Ich war früher katholisch, bin aber seit vielen Jahren evangelisch. Wenn ich im Gottesdienst das Apostolische Glaubensbekenntnis spreche, muss ich jedes Mal aufpassen, dass ich bei „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche“ nicht in „heilige katholische Kirche“ verfalle, was mir peinlich wäre. Evangelische Christen sagen „christliche Kirche“, weil sie betonen wollen: Die Kirche ist dort, wo Menschen dem Evangelium vertrauen. Sie ist nicht an eine bestimmte Institution gebunden. Sie ist die Gemeinschaft der Glaubenden.

Katholiken sagen hingegen „heilige katholische Kirche“ – und das hat seinen Grund. Mag sein, dass mit „katholisch” die universale, allgemeine Kirche gemeint ist, wie in Wikipedia dargestellt. Aber denken die Gläubigen daran, wenn sie das Glaubensbekenntnis sprechen? Wenn die katholische Kirche im Glaubensbekenntnis auf der Formulierung „heilige katholische Kirche“ beharrt, dann ist das nicht zufällig. Damit drückt sie ihren Anspruch aus, die einzig wahre Kirche Christi zu sein. Das kann man respektieren oder kritisch sehen, jedenfalls sollte man dies nicht verwässern.

Doch über all diesen Unterschieden steht eine Wahrheit, die größer ist als unsere Worte: Christus baut seine Kirche. Nicht wir. Nicht unsere Konfessionen. Er ruft Menschen in seine Nachfolge, überall auf der Welt. Er verbindet sie durch seinen Geist.

Gebet
HERR Jesus Christus, lass uns mit Freude bekennen, dass wir Teil deines weltweiten Leibes sind. Führe uns zu einem Glauben, der verbindet und nicht trennt. Amen.

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Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen

Aus Gnade – nicht aus uns

Aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit sich niemand rühme.
Epheser 2,8–9

Es gibt Sätze in der Bibel, die zum Fundament des Glaubens wurden. Dazu gehört Epheser 2,8–9. Paulus spricht darin nicht über eine fromme Möglichkeit, sondern über die Mitte des Evangeliums: Gott rettet aus Gnade. Nicht, weil wir es schaffen, sondern weil er uns trägt. Diese Einsicht verbindet zwei große Gestalten der Kirchengeschichte: Augustinus und Martin Luther. Beide haben dieselbe Erkenntnis gewonnen: Der Mensch kann sich nicht zu Gott hinaufarbeiten. Gott kommt zum Menschen hinab.

Augustinus sagte: „Alles Gute in mir ist Gnade.“ Er sah, dass der Mensch innerlich gebrochen, verstrickt und suchend ist, aber dennoch von Gott geliebt wird. Wenn er Gutes tut, dann ist das nicht seine eigene Kraft, sondern das Wirken Gottes in ihm. Luther greift diesen Gedanken auf. Nicht unsere Werke und unsere Frömmigkeit machen uns gerecht, sondern allein die Gnade Gottes.

Bei Paulus heißt es dazu: „Damit sich niemand rühme.“ Gnade nimmt uns den Druck und gleichzeitig den Stolz. Wer aus Gnade lebt, muss sich nicht beweisen. Er hat auch keinen Grund, sich über andere zu erheben, nur weil sie vielleicht noch nicht so weit sind. Gnade macht frei und demütig zugleich.

Was heißt das für uns persönlich? Den inneren Richter, der uns antreibt, Gott zu zeigen, wie gut wir geworden sind, dürfen wir verabschieden. Wir dürfen so kommen, wie wir sind, und so leben, weil Gott uns trägt.

Gebet
Herr, du siehst unsere Mühen, unsere Versuche, dir zu gefallen, unsere Angst, nicht zu genügen. Danke, dass du uns nicht nach unseren Werken ansiehst, sondern nach deiner Gnade. Amen.

Am Ende einer Reihe

Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!
Psalm 150,6

Nach den Andachten der letzten Tage ist jetzt die Zeit gekommen für ein Schlusswort. Ausgegangen bin ich von der Frage, was Dank und Lob miteinander verbindet. Hier nochmal eine Liste der Andachten mit jeweils einem Kurzfazit:

Dankbarkeit beginnt im Inneren (23.09.)
Echter Dank wächst erst dort, wo wir bewusst in unser Inneres hören und Gottes Spuren im eigenen Leben wahrnehmen.

Vergebung und Heilung (24.09.)
Gott heilt Schuld und innere Wunden gemeinsam und befreit uns zu einem Leben ganz aus seiner Gnade.

Wenn Gott uns aus dem Grau herauszieht (25.09.)
Gott holt uns heraus aus dem Gefühl der Sinnlosigkeit und krönt uns neu mit Würde und Wert.

Vom Guten satt, zum Aufbruch bereit (26.09.)
Gott erfüllt uns mit wirklichem Guten und schenkt uns innere Kraft, die selbst im Alter zu neuem Aufbruch befähigt.

Vom Dank zum Lob (27.09.)
Der Weg führt uns vom Erinnern der Wohltaten Gottes hin zum Lob, das sich nach außen ausdrückt.

Das Lob Gottes im Alltag (28.09.)
Das Lob Gottes beginnt schon im einfachen Alltagssatz, bei dem unser Gottvertrauen hörbar wird.

Das erhobene Lob Gottes (29.09.)
Gesang vertieft unser Lob und erhebt unser Sehnen nach oben.

Diese Reihe hat uns durch einen Weg geführt, vom inneren Wahrnehmen der Güte Gottes über Vergebung, Heilung und Erneuerung hin zu einem Dank, aus dem sich das Lob ergibt. Es kann sich im Alltag zeigen und im gemeinsamen Gesang erhobenen werden. Schritt für Schritt wird sichtbar, wie Gott unser Herz weitet, uns aus dem Grau herauszieht, mit Gutem füllt und uns in ein Lob hineinführt, das größer ist als unsere eigenen Worte.

Gebet
Himmlischer Vater, lehre uns, dich zu loben, solange wir sind. Lass unser Leben ein Echo deiner Güte sein, damit wir mit jeder Stimme, jedem Atemzug und jedem Schritt einstimmen in das große Lied deiner Schöpfung. Amen.