Andacht Heute

Gegen die Erschöpfung

Jünglinge ermüden und ermatten, und junge Männer straucheln und stürzen. Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft.
Jesaja 40,30-31

Viele Menschen, gerade auch jüngere, kaufen Magnesium gegen Müdigkeit, Vitamin D gegen Erschöpfung, Ginseng für mehr Energie und Koffein in allen Varianten. Als Apotheker im Ruhestand habe ich solche Mittel zur Leistungssteigerung im Berufsleben nie aktiv beworben und deren angeblichen Nutzen bei Kundenanfragen immer relativiert. Jetzt sehe ich, dass die Umsätze im Bereich Energetika und Nahrungsergänzung seit Jahren infolge des großen Werbeaufwands ständig steigen. Der Markt boomt und es werden Unsummen für wertlose Mittel ausgegeben. Wir sind inzwischen eine Gesellschaft, die müde und erschöpft ist und versucht, diese Kraftlosigkeit irgendwie zu kompensieren, um zu funktionieren.

In unserem Bibelwort sehen wir, dass auch die Jungen und Starken einbrechen. Auch diejenigen, die eigentlich genug Kraft haben sollten. Doch dann folgt der Satz, der alles wieder ins Lot bringt: Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft. Es nützt nichts, noch mehr im Hamsterrad zu laufen, sich noch mehr anzustrengen oder auf zweifelhafte Mittel zu hoffen. Nur wer sich an Gott hält, dem wird die nötige Kraft zuteil, die er braucht. Die tiefste Kraftquelle liegt nicht in uns, sondern bei Gott. Er ist der, der uns trägt, wenn wir nicht mehr können.

HERR, du siehst, wenn wir müde sind und deine Hilfe brauchen. Wir vertrauen auf dich, dass du uns neue Kraft schenkst. Amen.

Freiheit aus Genügsamkeit

Gott aber ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluss zu spenden, sodass ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk, wie geschrieben steht: „Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit”.
2.Korinther 9,8-9

Im Griechischen steht für „Genüge” das Wort „autarkeia”. Wenn wir heute von Autarkie sprechen, ist damit die Fähigkeit von Staaten und Systemen gemeint, sich selbst zu versorgen und unabhängig zu sein. Bei den Stoikern bezeichnete dagegen der Begriff die Fähigkeit, unabhängig von Besitz, Anerkennung oder Umständen glücklich zu sein. Aristoteles verstand darunter einen Zustand, der das Leben „vollständig“ macht – nicht absolute Unabhängigkeit, sondern eine erfüllte, genügsame Lebensform.

Im Neuen Testament bezeichnet autarkeia eine Genügsamkeit, die aus Gott kommt und nicht aus uns selbst. Es ist eine Haltung, die uns frei macht von Gier, Angst und dem Vergleichen. Diese Fähigkeit macht uns zufrieden. Sie befähigt uns auch, andere daran teilhaben zu lassen. Genügsamkeit bedeutet nicht, dass ich mir selbst genug bin, sondern dass mir Gottes Gnade genug ist. Sie macht uns frei, weil Christus unsere Mitte ist.

HERR, gib mir die innere Ruhe und lehre mich Genügsamkeit. Mach mich frei, dankbar und bereit zu teilen, weil ich in Dir alles habe, was ich brauche. Amen.

Wozu wir Kirche sind

„Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit.“
Matthäus 6,33

In vielen Sitzungen und Gesprächen unserer Kirche geht’s heute um Strukturen: Stellenpläne, Zuständigkeiten, Fusionen. Viele davon sind wichtig, aber es gibt auch einen Haken: Das Wesentliche wird immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Der parochiale Grundauftrag erinnert uns daran, was Kirche im Kern ist: Gottes Nähe vor Ort. Er verpflichtet die evangelische Kirche, an jedem Ort, an dem evangelische Christinnen und Christen leben, verlässlich Gottesdienst, Seelsorge und kirchliches Leben zu ermöglichen – persönlich, erreichbar und ortsbezogen. Gottesdienst, Seelsorge, Begleitung, Trost, Hoffnung – vor Ort, erreichbar und persönlich. Nicht abstrakt, nicht zentralisiert, nicht nur digital. Dieser Auftrag ist der Wesenskern der evangelischen Kirche seit der Reformation. Organisation ist nötig. Aber sie darf nicht das Eigentliche verschlingen. Strukturen können helfen – aber sie dürfen nicht bestimmen, was das Wichtigste ist. Jesus sagt: „Suchet zuerst das Reich Gottes.“

Gebet
HERR, unser Gott, bewahre uns davor, uns in Strukturen zu verlieren. Schenke uns einen klaren Blick für das, was du uns aufgetragen hast: Menschen zu begleiten und dein Wort zu verkünden. Amen.