Psalm 9 korrigiert die Machtbesessenen
HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen; lass die Völker vor dir gerichtet werden! Lege, HERR, einen Schrecken auf sie, dass die Völker erkennen, dass sie Menschen sind.
Psalm 9,20-21
Der Psalm 9 stellt die Dinge richtig. Wenn sich Völker über andere erheben, führt das zu Verblendung. Es gibt Machthaber, die ihren Herrschaftsanspruch mit dem Namen einer Religion heiligen und andere Völker unterwerfen wollen. Im Psalm 9 wird jedoch betont, dass Völker Menschen und keine Götter sind. Wenn sich ein Volk als absolut setzt, verliert es jede Fähigkeit zur Selbstkritik und lässt jegliche Demut gegenüber Gott vermissen. Demut würde bedeuten, dass wir erkennen, dass wir Menschen nicht der Maßstab für Gut und Böse sind. Dies steht allein Gott zu. Er ist der Richter aller Nationen.
Erkennt ein Volk, dass es selbst von Gottes Gnade abhängig ist, entsteht eine Haltung, die andere ernst nimmt, anstatt sie abzuwerten. Aus der Demut heraus erkennt es: „Wir sind nicht besser. Wir sind nicht wertvoller. Wir sind anderen nicht moralisch überlegen.“ Demut gegenüber Gott ist das Gegenmittel gegen nationalen Hochmut. Psalm 9 ist ein zutiefst politischer Text. Er entlarvt Überlegenheitsdenken als geistliche Verblendung und ruft die Völker zur von Gott vorgegebenen Wahrheit zurück.