Andacht Heute

Weisheit ist mehr, als sich Recht verschaffen

Doch der Vorteil der Weisheit ist, dass sie einen am Leben erhält.
Prediger 7,12

In einem rechtlichen Verfahren hatte ich einmal das volle Recht, den gesamten Betrag einzufordern, der mir zustand. Juristisch wäre das korrekt gewesen. Mein Anwalt sagte: „Da könnte man das Ganze holen.“ Ich habe mich jedoch mit dem zufrieden gegeben, was die Gegenpartei angeboten hat, weil jeder weitere Schritt Zeit gekostet hätte und ein langer Streit Kraft und Energie kostet. Ein Sieg vor Gericht bedeutet nicht automatisch Frieden.

In der Bibel ist Weisheit nie bloße Intelligenz. Sie ist die Fähigkeit, die weiteren Folgen des eigenen Handelns zu sehen. Sie ist die Kunst, nicht alles zu tun, was man tun dürfte. Sie ist die Freiheit, auf Recht zu verzichten, wenn das Beharren darauf uns selbst schaden würde. Eine so verstandene Weisheit schützt uns vor unnötigen Kämpfen, verletzenden Worten und endlosen Auseinandersetzungen.
Sie schützt uns auch manchmal vor uns selbst. Weisheit ist ein Geschenk Gottes. Sie führt uns nicht in Kämpfe hinein, sondern heraus. Sie gibt unserem Leben heute und auch morgen bei den Entscheidungen, die wir treffen, Sinn.

Gebet
HERR, schenke mir Weisheit, die mir Frieden gibt und mich schützt. Lass mich erkennen, wenn ich loslassen darf, und eine Sache dir überlassen kann. Amen.

Was trägt – und was nur klingt

Prüft alles und behaltet das Gute.
1. Thessalonicher 5,21

    Manchmal lesen wir Texte, die freundlich und fromm klingen, oft auch tröstlich gemeint sind. Und doch bleibt nach dem letzten Satz nichts übrig. Kein Gedanke, der weiterführt. Kein Impuls, der etwas in uns bewegt.

    Ein Beispiel: „Gott ist immer da. Er hält dich fest. Er trägt dich durch alle Höhen und Tiefen. Vertraue einfach auf ihn, und du wirst sehen, wie er dich segnet. Seine Liebe ist groß, und er hat einen wunderbaren Plan für dein Leben.“

    Das klingt zwar schön, trägt aber nicht. Hier wird keine konkrete Situation benannt. Es ist nur eine Sammlung christlicher Allgemeinplätze, also Floskeln, die niemanden herausfordern. Paulus rät uns, das Gelesene oder Gehörte zu prüfen und das Brauchbare zu behalten. Es lohnt sich also, sich nach dem Lesen einer Andacht, eines Erbauungsbuches oder eines Kommentars zur Bibel die folgenden Fragen zu stellen: Was hat mich hier berührt? Was nehme ich konkret mit? War es nur ein netter Klang ohne Inhalt? Das Gute zu behalten, heißt das Wertlose loslassen und das Wertvolle bewahren.

    Gebet
    HERR, hilf mir. Ich möchte unterscheiden. Ich möchte Worte unterscheiden, die nur klingen. Und Worte, die wach machen. Worte, die aufrichten. Und Worte, die hinführen zu dir. Amen.

    Müssen wir immer Gutes tun?

    Zur Freiheit hat uns Christus befreit.
    Galater 5,1

    Gestern habe ich geschrieben, dass wir Gutes tun sollen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. In Sprüche 3,27 heißt es: „Versage keinem das Gute, wenn es in deiner Macht steht, es zu tun.“ Heißt das, dass man immer jedem helfen muss, egal wie er sich verhält? Ich kenne Fälle, in denen sich Atheisten auf die Hilfsbereitschaft der Christen berufen, da diese ihrer Meinung nach dazu verpflichtet seien. Es gibt Menschen, die erwarten, dass Christen immer freundlich, immer hilfsbereit und immer geduldig sind – und berufen sich dabei auf die Bibel. Doch die Bibel ruft uns nicht dazu auf, uns von anderen definieren zu lassen, was „gut” sei. Unser Maßstab ist nicht die Erwartung der Menschen, sondern der Wille Gottes. Christen tun Gutes nicht, weil andere es von ihnen verlangen, sondern weil Christus sie innerlich erneuert hat. Wer uns zum Gutsein drängen will, macht aus dem Evangelium ein Gesetz. Aber das Gute wächst aus Freiheit, nicht aus Druck. Wir sind nicht verpflichtet, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir sind verpflichtet, Christus nachzufolgen. Der obige Vers ist ein Gegengift gegen den moralischen Druck von außen. Niemand darf Christen mit der Bibel moralisch erpressen.

    HERR Jesus Christus, du hast uns zur Freiheit berufen und nicht zur Menschenfurcht. Bewahre uns davor, uns von Erwartungen anderer bestimmen zu lassen. Amen.