Andacht Heute

Die Kunst der ehrlichen Worte

Die Schläge des Freundes meinen es gut; aber die Küsse des Hassers sind trügerisch.
Sprüche 27,6

Der Vers stellt einen Kontrast her zwischen den ehrlichen, manchmal schmerzhaften Worten eines Freundes und den Schmeicheleien eines Menschen, der es nicht gut mit einem meint. Ich entnehme dem Vers nicht, dass man in jedem Fall den Freund oder Mitmenschen mit der Wahrheit hart konfrontieren sollte, ohne Rücksicht darauf, wie dies bei der anderen Person ankommt. Es kommt schon auch darauf an, ihn nicht zu verletzen und gegen sich aufzubringen. Wir sollten immer bedenken, dass wir es mit Gefühlen zu tun haben. Was nützt die ganze Weisheit, die wir durch unsere außenstehende Betrachtung leichter ins Spiel bringen können, wenn wir nicht erkennen, dass der Betroffene schwer davon betroffen ist? Wir tun uns leicht, kluge Ratschläge zu geben, weil wir uns nicht persönlich in einem schweren Konflikt befinden. Der Vers sollte uns nicht dazu verführen, zu sagen: „Sag einfach die Wahrheit, egal wie hart sie sein mag.“ Liebe ohne Wahrheit geht nicht. Wahrheit ohne Liebe kann jedoch den anderen völlig blockieren. Bleiben wir also ehrlich, aber nicht verletzend. Klar, aber nicht gefühlskalt. Freundlich, aber nicht feige und ausweichend. Es ist eine Kunst, hier die Balance zu finden. Helfen kann uns dabei die Frage: „Wie sage ich es so, dass der andere es hören kann?”

Wir können uns ein Beispiel an Jesus nehmen, der nie gesagt hat: „Ich sage dir die Wahrheit, und wenn sie dich zerstört, ist das dein Problem.“ Dagegen stammt von ihm der Satz: „Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab.“ (Mt 11,29)

Gebet
HERR, lehre uns, ehrlich zu sein, ohne zu verletzen, und mutig zu sein, ohne hart zu werden.