Sinnerfüllend oder sinnlich?

Schaff uns Beistand in der Not; denn Menschenhilfe ist nichts nütze.
Psalm 60,13

Der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.
2. Thessalonicher 3,3

Wer denkt nicht manchmal darüber nach, ob es der letzte Sommer ist, der jetzt kommt und Jesus bald Gericht hält oder wir sterben werden? Der letzte Sommer, das wäre ein guter Titel und vermutlich gibt es ihn schon. Meist geht es in den Filmen und Büchern um Liebesgeschichten aber nie um Bekehrung.

Gerade findet in Klagenfurt die jährliche Lesung statt, die mit dem Ingeborg Bachmann-Preis ausgezeichnet wird. Ich habe die Schweizer Autorin Julia Weber gehört. Ihr Text sprach mich auf eine merkwürdige Weise an. Die Autorin schreibt von Dingen, Momenten, Gefühlen als wäre sie mit allem verschmolzen. Die gleichbleibende Stimme von Julia Weber unterstrich den Text. Kritiker haben sich widersprüchlich geäußert. Einer sagte, dass er sich diesen Text merken würde – ich auch.

Auf unserem Lebensweg mag es viele Menschen geben, die uns beeindrucken, doch nützen sie uns nichts, wenn sie uns nur in eine sonderbare Sinnlichkeit verführen. Deswegen ist auch der Bibel-Text heute wieder richtungsweisend: Gott ist Beistand in der Not.

Eine Antwort auf „Sinnerfüllend oder sinnlich?“

  1. Wir erleben gerade herrliche Sommertage. Es ist heiß und wir fühlen uns wieder wie in der Kindheit und Jugend, als wir noch unbeschwert das Leben in der Natur genossen haben. Aber es ist heiß, sehr heiß, und da tut es gut, wenn man sich in die kühlenden Räume der Wohnung zurückziehen kann. Da kam es uns gestern gelegen, die Live-Übertrag der Klagenfurter Literaturtage verfolgen zu können.

    Der erste Text von Julia Weber hat auch bei mir einen Eindruck hinterlassen. Obwohl darin eine erotische Geschichte erzählt wird, stand bei ihm nicht die Sinnlichkeit in ihrer eingeschränkten Form von besitzergreifender Begierde im Vordergrund. Es wird darin eher geschildert, wie mit der Öffnung der Sinne, das Schöne und Anregende zum Vorschein kommt. Der Protagonistin gehen auf einem Male die Augen auf und sie ist überwältigt von der Fülle an Eindrücken, die sie plötzlich wahrnehmen kann. Sie erlebt eine Befreiung, ohne mehr auf die einschränkende Umwelt zu achten, wenn sie vor allen Augen ihr Gesicht in eine Torte fallen lässt. So etwas kann literarisch dargestellt werden, wie es Julia Weber meisterhaft getan hat, es ist aber keine Erweckungsgeschichte im herkömmlichen Sinne. Eine Prostituierte ist nun mal kein Engel, der einem Menschen Einblick in die Welt des immerwährenden Glanzes gibt. Echte Erweckung kann uns nur aus dem tiefen Glauben heraus erwachsen. Wer so erwacht aus seinem gewöhnlichen Leben, der sieht die Welt mit anderen Augen.

    Ludwig Börne schrieb: „Sinnlich beginnt der Mensch, dann denkt er, endlich glaubt er.“

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