Andacht Heute

Zwei Arten der Torheit

Ein fröhliches Herz tut dem Menschen gut.
Sprüche 17,22

Wir erleben gerade die närrische Zeit, die am 11. November begonnen hat und am Aschermittwoch endet. In vielen Teilen des Landes finden Faschingsumzüge, Maskenbälle und Prunksitzungen statt. Der römische Dichter Horaz (65 – 8 v. Chr.) sagte einmal: „Süß ist es, zur rechten Zeit töricht zu sein.” Damit meinte er, dass der Mensch auch Momente der Entspannung braucht. Humor, Leichtigkeit und Selbstironie gehören zur Weisheit.

Es gibt jedoch auch Torheit, die wirklich dumm ist. Neben der heilsamen Form, die von Humor, Entlastung und Menschlichkeit geprägt ist, gibt es auch eine zerstörerische Form, die mit Realitätsverweigerung, Unbelehrbarkeit, Selbsttäuschung, Starrsinnigkeit und Unbelehrbarkeit verbunden ist. Fatalerweise ist Letzteres nicht selten in der Politik zu finden. Das ist keine neue Erkenntnis. Schon der Geschichtsschreiber Herodot berichtete von den Psyllern, die den Südwind so sehr hassten, dass sie ihn wie einen lebendigen Feind behandelten und gegen ihn kämpften. Leider werden auch heute noch sinnlose Kriege geführt.

Doch denken wir auch einmal daran, in all unseren berechtigten Sorgen Freude beizumischen. Es tut gut, zur rechten Zeit ein wenig „närrisch” zu sein. Erst kürzlich bemerkte ein Glaubensbruder, dass das Wort „Freude” in der Bibel 119 Mal vorkommt.

„Freut euch im Herrn allezeit; und abermals sage ich: Freut euch!“
Philipper 4,4

Spott als Normalzustand

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.
Sprüche 17,5

In den sozialen Netzwerken finden wir heute Spott und Hohn in jeder Dimension. Oft wird in Gruppen über Menschen gelacht, die schwach sind oder sich blamiert haben. Dann ergießt sich ein Shitstorm über die Bedauernswerten, die sich nicht dagegen wehren können. In diesen Medien fehlt zweifellos der Blickkontakt, und damit auch die Hemmungen, jemanden zu verletzen. Man gewöhnt sich an eine Haltung der Schadenfreude und Häme, die im echten Leben niemand gutheißen würde.

Wer dies beobachtet, sollte nicht schweigen. Wir sollten den Mut haben, jemanden zu verteidigen, der verspottet wird. Wenden wir uns dagegen, wenn wir sehen, dass ein Mensch mit Spott und Schadenfreude verletzt wird. Wie wir aus dem Spruch ersehen, wird durch Spott über einen Armen und Schwachen auch Gott selbst verletzt. Niemand muss sich wundern, dass diese Verrohung der menschlichen Beziehungen seine Folgen haben wird.

Übt Recht, erweist einander Liebe und Barmherzigkeit! Unterdrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremden und Armen; und keiner sinne Böses in seinem Herzen gegen den anderen.
Sacharja 7,9-10

Mut zum Bekenntnis

Gebt diesen Glaubensmut jetzt nicht auf! Er wird einmal reich belohnt werden.
Hebräer 10,35

Meist wird hier mit „Zuversicht” (Elberfelder, Schlachter) übersetzt. Das ist nicht ganz falsch, da auch dieser innere Aspekt im griechischen „parresia” steckt. Die Neue Genfer Übersetzung hat sich jedoch für „Glaubensmut” entschieden, weil darin der aktive, öffentliche Charakter des Wortes besser zum Ausdruck kommt. Der Vers ist im Rückblick auf erlittene Verfolgung zu verstehen und ermutigt dazu, am Glauben festzuhalten.

Unwillkürlich fragt man sich beim Lesen dieses Wortes, wie es um die eigene parresia steht. Wie treten wir in der Öffentlichkeit auf? Zwar werden wir wegen unserer Äußerungen zum Glauben nicht verfolgt wie die Evangelisten damals, höchstens belächelt. Dennoch glänzen die wenigsten von uns Christen mit „Glaubensmut, unerschrockenem Bekenntnis und standhaftem Freimut”, wie es im Hebräerbrief gemeint ist. Damit ist die innere Gewissheit gepaart mit äußerem Mut gemeint. Wir sollten uns vornehmen, in Gesprächen dem Thema Glauben nicht auszuweichen. Bei schwierigen Themen kann man sagen: „Ich sehe das aus meinem Glauben heraus so …“. Parresia heißt nun mal: „Ich verstecke meinen Glauben nicht.“ Ehrlich und offen an der Hoffnung auf die Ewigkeit festhalten. Nicht nur innerlich zuversichtlich sein, sondern sich auch öffentlich dazu bekennen – nicht theatralisch und effekthaschend, sondern in ruhigem, bestimmten Ton.