Andacht Heute

Gilt das auch für mich?

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.
Sprüche 31,8

Sprüche 31,8 richtet sich an einen König, also an jemanden mit Macht und Verantwortung für die Schwachen. Das wirkt ein wenig „weit weg“ oder sogar elitär. Die Mutter des Königs Lemuel gibt ihm gute Ratschläge. Er solle sich nicht betrinken, seine Kraft nicht bei Frauen vergeuden und sich für die Schwachen einsetzen. Ich frage mich, wie dieser Spruch auch für mich zutreffen kann.

Da hatte ich gestern Abend noch die Erfahrung beim Fußballspiel PSG gegen Bayern München. Ich war so erregt, dass ich es zur Halbzeit nicht mehr ertragen konnte und abgeschaltet habe. Ich habe angefangen nachzudenken, weil ich gemerkt habe, wie leicht ich mich von etwas Nebensächlichem habe ergreifen lassen. Da kämpfen eine Handvoll Millionäre um den Ball. Ich halte zum FC Bayern, obwohl mir klar sein muss, dass es sich um eine moderne Söldnertruppe handelt und nur ganz wenige Spieler aus unserem Bundesland kommen. Da sieht man doch, wie sehr ich mich manipulieren lasse. Wie sehr ich mich über Dinge aufregen kann, die gar nicht zu mir gehören.

An dieser Stelle kommt mir der Spruch wieder in den Sinn. Ich spüre, dass er auch mir etwas zu sagen hat: „Verliere deine Aufmerksamkeit nicht an Nebensachen. Gott ruft dich, sie für die richtigen Dinge zu verwenden.“ Tatsächlich sieht meine Priorisierung wie folgt aus: Gott – Familie – Dienst in der Gemeinde – Tagesthemen. Und ganz am Ende dieser Liste steht der Fußball. Wichtig ist, dass man sich dort Gehör verschafft, wo es sinnvoll und nötig ist. Und nicht bei völlig Nebensächlichem. Am Ende denke ich an das Spiel von gestern. Ich weiß immer noch nicht, wie es am Ende ausgegangen ist. Nicht so wichtig!

Die Herausforderung der Zeit

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Psalm 31,16

Die Zeit ist Bedingung des Daseins und zugleich Quelle von Glück und Leid. Der Mensch kann in allen drei Dimensionen der Zeit – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – gelingen oder scheitern. Zeit kann Fülle und Selbstgegenwart ermöglichen, aber auch zur Leere und Entfremdung führen. Mit der Zeit „zurechtzukommen“, sie zu gestalten statt ihr ausgeliefert zu sein, ist eine Hauptaufgabe menschlicher Existenz. Nur wenn wir unseren Tag sinnvoll takten, sind wir in der Lage, unserer Arbeit nachzugehen, Termine einzuhalten und den Tag zu strukturieren. Doch wie groß sind diese Gestaltungsmöglichkeiten wirklich? Wir stoßen an so manche Grenze. Da freuen wir uns auf eine Urlaubsreise und haben schon alles geplant, doch kurz vor der Abfahrt ereilt uns eine starke Erkältung – und alle Pläne sind hinfällig.

Das Leben ist nicht in allem vorhersehbar. Als Christen müssen wir unsere Endlichkeit akzeptieren. In Psalm 90 heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Es kommt nicht auf die Menge unserer Aktivitäten an. Oft ist der richtige Zeitpunkt entscheidend. Er wird uns von Gott geschenkt. Christliche Zeitgestaltung bedeutet nicht, alles zu schaffen, sondern im Vertrauen das Richtige zu tun und den Rest Gott zu überlassen.

Wenn das Denken stolpert

Ich dachte: Ich will weise werden – sie blieb aber ferne von mir.
Prediger 7,23

Es gibt Komiker, die uns mit ihren Pointen zum Lachen bringen. Und dann gibt es Piet Klocke. Seine Kunstfigur, der Professor Hindemitt, ist kein Mann der Pointe, sondern ein Mann des Anakoluths, des abgebrochenen Satzes bzw. des Denkens, das schneller ist als die Sprache. Er beginnt mit „Also … ich wollte nur …“ und landet irgendwo zwischen Erkenntnisdrang, Selbstzweifel und gedanklichem Chaos. Wir lachen, weil wir uns wiedererkennen. Auch uns geschieht es. Wir wollen klare Sätze sprechen. Und dann verhaspeln wir uns.

Das Buch Prediger enthält jede Menge Anakoluthe, wie der obige Vers zeigt: Da sucht einer nach Weisheit, doch sie entgleitet ihm. Er muss entdecken, dass Gott ihm nicht im klaren Satz oder im perfekten Denken begegnet, sondern eher im Ringen und im Eingeständnis seiner Grenzen. Für uns bedeutet dies: Wir müssen nicht alles verstehen, um vor Gott bestehen zu können. Wir dürfen Fragen haben, wir dürfen Sätze abbrechen, wir dürfen über unser eigenes Denken stolpern. Ich denke dabei an unseren Bibelkreis. Dort darf man auch Gedanken äußern, die uns beim Lesen der Bibel durch den Kopf schießen und die wir nicht klar formulieren können. Oft ist ein abgebrochener Satz ehrlicher als ein perfekter. Wir dürfen sicher sein: Auch wenn wir in unserem Denken manchmal stolpern, gibt uns Gott den Halt, den wir brauchen.