Andacht Heute

Demut statt Generationskritik

Ebenso ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter; ihr alle sollt euch gegenseitig unterordnen und mit Demut bekleiden! Denn „Gott widersteht den Hochmütigen; den Demütigen aber gibt er Gnade“.
1. Petrus 5,5

    Ältere Menschen könnten solche Verse mit einer gewissen Genugtuung lesen. Endlich werden darin auch einmal die Jüngeren ermahnt, das Alter zu ehren. Die Kritik am Verhalten der Jüngeren ist nicht neu. Schon Sokrates (470–399 v. Chr.) sprach dieses Übel an: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

    In 1. Petrus 5,5 geht es jedoch nicht um „Jugendliche”, sondern um Menschen ohne Leitungsfunktion und mit weniger Erfahrung. Mit Alter hat das also nichts zu tun. Es geht vielmehr um Gemeindeordnung, die es gilt aufrecht zu halten. Aber gleich im Folgenden wird diese Aufforderung eingeschränkt: Alle sollen miteinander Demut walten lassen. Keiner sollte seine Autorität missbrauchen, um sich über andere zu erheben – auch die Ältesten nicht. Es geht nicht darum, immer Recht zu behalten. Die Ordnung in den christlichen Gemeinschaften sollte bewahrt werden, aber nicht um jeden Preis. Wer zu bestimmen hat, sollte dies tun dürfen, ohne gleich bei Meinungsunterschieden von Leuten, die keine Verantwortung tragen müssen, angegriffen zu werden. Wichtig ist jedoch, dass gerade in schwierigen Fällen Entscheidungen nicht einfach angeordnet, sondern auch begründet werden. Selbstherrliches, hochmütiges Verhalten fordert Rebellion heraus. Demut, vor allem gegenüber dem Willen Gottes, ist für uns alle geboten.

    Frisches Brot für den Glauben

    Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.
    Epheser 4,29

    Der Nürnberger Barockdichter Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658) schrieb über die literarische Arbeit: „Ein löblicher Poet schreibt stets solche Gedichte, die zu Gottes Ehre beitragen, große Herren und Gelehrte unterhalten, Unverständigen Belehrung bieten, Verständigen zum Nachsinnen anregen, Einfältigen lehren, Betrübte trösten und Fröhlichen Freude bereiten.“

    Wenn man Harsdörffers Satz liest, merkt man, dass für ihn ein Dichter jemand ist, dessen Worte nützen: Sie sollen Gott ehren, Menschen bilden, trösten und erfreuen – nie bloß glänzen, sondern dienen. Wir sehen, dass dies auch für uns Christen gelten sollte. Wir alle sprechen täglich Worte – in der Familie, am Telefon, im Beruf, in der Gemeinde. Und jedes dieser Worte hat eine Wirkung. Sie können aufrichten oder verletzen, Frieden stiften oder Unruhe säen, trösten oder verunsichern.

    Im Vers Epheser 4,29 steht im griechischen Urtext sapros, was mit modrig, ungesund, zersetzend zu übersetzen ist. Wenn es für die Beschreibung von Worten verwendet wird, dann wird daraus „faules Geschwätz“. Solche Worte nähren nicht, sondern schwächen eher den Glauben. Wie schimmelndes Brot, können solche eher krank machen. Das Nahrhafte ist dagegen gut, nützlich und tragfähig. Solche Worte bauen auf, sind notwendig und schenken Gnade.

    Gebet
    Herr, bewahre uns vor modrigen Worten. Mach unsere Sprache frisch wie Brot, das nährt. Lass uns einander nicht das geben, was krank macht, sondern das, was stärkt, trägt und heilt. Amen.

    Lassen wir uns korrigieren!

    Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt und reinigt.
    1. Johannes 1,9

      Der „Nachruf auf meinen Radiergummi” des fränkischen Dichters Gerhard C. Krischker (geboren 1947 in Bamberg) lautet lapidar: „Du hast dich aufgerieben für meine Fehler”. Diese liebevolle Mischung aus Witz und Selbstironie enthält eine tiefe Wahrheit. Ein so unscheinbares Ding wie ein Radiergummi ist ein wichtiges Korrektiv, wenn wir uns vor Augen führen, dass wir unser Leben „mit Bleistift” schreiben. Wir planen, entscheiden, handeln – und manches geht schief. Wir machen Fehler, aber die sind nicht das Problem. Zum Problem werden sie erst, wenn wir sie nicht korrigieren lassen.

      Gott radiert, wenn wir ihn lassen. Das tut er nicht brutal, sondern behutsam und mit großer Geduld. Er löscht nicht uns, sondern das, was uns von ihm trennt. Damit schenkt er uns immer wieder einen neuen Anfang. Um eine Erfahrung reicher dürfen wir die radierte Stelle neu beschriften. Gott ist kein Rotstift, der anstreicht, was falsch ist. Er ist der Radiergummi, der uns die Freiheit gibt, weiterzuschreiben. So wie sich ein Radiergummi auflöst, wenn er unsere Fehler tilgt, so hat sich Christus hingegeben, um das auszuradieren, was uns von Gott trennt. Er ist für unsere Sünden gestorben.

      Gebet
      HERR, du kennst unsere Fehler, unsere Brüche, unsere schiefen Linien. Danke, dass du uns nicht ausradierst, sondern erneuerst. Schenke uns ein reines Herz und einen neuen Geist. Mach uns mutig, Fehler zuzugeben, und demütig, uns korrigieren zu lassen. Und lass uns anderen mit derselben Geduld begegnen, die du mit uns hast.
      Amen.