Andacht Heute

Christsein und staatliche Ordnung

Es sind also zwei Gründe, weshalb ihr euch der staatlichen Macht unterordnen müsst: zum einen, weil euch sonst das Urteil Gottes droht, zum andern, weil schon euer Gewissen euch dazu auffordert. Die Vertreter des Staates üben ihren Dienst im Auftrag Gottes aus, deshalb zahlt ihr ja auch Steuern. Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid. Zahlt die Steuern, die man von euch verlangt, ebenso den Zoll. Unterstellt euch der staatlichen Macht und erweist denen, die Anspruch darauf haben, den notwendigen Respekt.
Römer 13,7

Paulus war kein Staatskundler, sondern ein einfacher Vertreter des Glaubens, der seine Meinung abgegeben hat, wie man sich zur Obrigkeit verhalten soll. Dies hat zu unterschiedlichen Interpretationen geführt. Luther vertrat die Ansicht, dass sich Christen grundsätzlich unterordnen sollten. Nur wenn der Staat direkt befiehlt, gegen Gottes Wort zu handeln, ist Ungehorsam erlaubt. Für Calvin ist Widerstand immer dann erlaubt, wenn der Staat nicht gerecht handelt und seinen von Gott gegebenen Auftrag nicht erfüllt. Es gibt noch eine Reihe anderer Interpretationen dieser Verse. Am Ende stehen wir da und sind uns doch nicht sicher, welche wir bevorzugen sollen und wie uns das im Einzelfall helfen kann. Jedenfalls geht es mir so.

Fest steht für mich nur: Paulus ruft hier weder dazu auf, den Staat zu vergötzen, noch dazu, ihn zu zerstören. Unterordnung bedeutet, dass wir die Ordnung aufrechterhalten. Gewissen bedeutet, dass wir prüfen, wo wir Verantwortung übernehmen und uns einmischen müssen. Durch diese beiden Pole bewahrt uns Gott vor einer Zersplitterung der Gesellschaftsordnung, die mit offener Auflehnung gegenüber Institutionen und dem Verlust gemeinsamer Werte verbunden ist. In unserem Staat ist die Teilnahme am demokratischen Prozess erlaubt, und dazu gehört die Kritik an ihm, auch wenn dies bei den Regierenden und vielen Medienvertretern gerade nicht erwünscht erscheint.

Gebet
HERR, schenke unserer Regierung Weisheit, um den von dir erteilten Auftrag erfüllen zu können, wie er geschrieben steht:

Die Staatsgewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes Einzelnen. Wer aber Unrecht tut, muss sie fürchten, denn Gott hat ihr nicht ohne Grund die Macht übertragen, Strafen zu verhängen. Sie handelt im Auftrag Gottes, wenn sie unbestechlich alle bestraft, die Böses tun.
Romer 13,4

Wenn alles wankt: Der Geist bleibt

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Johannes 14,26

„Sie haben in einer völlig chaotischen Situation erstaunlich geordnet reagiert.“ Dieser Satz einer Psychologin zu einer Mutter, deren Tochter seit zehn Jahren jeden Kontakt abgebrochen hat, hat mich beeindruckt. Er beschreibt etwas, das wir alle kennen. Es gibt Momente, in denen unser Leben aus den Fugen gerät. Momente, in denen nichts mehr geordnet erscheint. In denen wir dennoch Schritt für Schritt handeln müssen.

Die Bibel erzählt uns, dass der Geist Gottes mitten in der Unübersichtlichkeit kommt und wirkt. Er ist eine Kraft, die das Chaos nicht beseitigt, uns aber in ihm aufrichten kann. Er nimmt uns nicht alle Stürme, aber er macht uns zu Menschen, die im Sturm nicht untergehen. Er macht uns nicht zu Helden, aber zu Menschen, die mit erhobenem Haupt weitergehen. So können wir, wie jene Mutter, eine Christin, die weiterhin mit offenen Armen auf die Rückkehr ihrer Tochter wartet, in einer chaotischen Situation erstaunlich geordnet reagieren. Nicht, weil wir so stark sind. Sondern weil uns Gottes Geist hält, wenn alles andere ins Wanken gerät.

Was jetzt dran ist

„Alles hat seine Zeit.“
Prediger 3,1

Ich sitze am Schreibtisch. Vor mir im Regal stehen viele Texte, die ich im Laufe der Jahre geschrieben habe. Jeder davon könnte ein Anfang sein. Jeder ruft: „Nimm mich! Schreib weiter!“

Und doch spüre ich: Nicht alles, was möglich ist, ist heute dran. Nicht jeder Gedanke, den ich schon mal gehabt und niedergeschrieben habe, will jetzt gelebt werden. Manches darf warten. Manches darf ruhen wie ein Schatz, der nicht ständig glänzen muss.

Der Prediger sagt: „Alles hat seine Zeit.“ Vielleicht heißt das: Der Augenblick, das Jetzt, hat ein eigenes Recht. Er fragt nicht nach gestern (was ich früher gemacht habe) und nicht nach morgen (was ich in der Zukunft tun soll). Er fragt nur: Was brauchst du heute? Was trägt dich jetzt? Manchmal genügt ein stiller Moment, um die Antwort zu hören.

Gebet:
HERR, schenke mir ein hörendes Herz, das unterscheiden kann, was heute wichtig ist und was warten darf. Segne das, was jetzt dran ist, und behüte alles, was ruhen darf in deiner Zeit. Amen