Andacht Heute

Barockes Lebensgefühl

Wohl dem … der seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht.
Psalm 1,1-3

Betrachtet man den Barock, so ist uns diese Zeit vor der Aufklärung im 18. Jahrhundert heute in vielem fremd. Die Kirche war die anerkannte zentrale Autorität für Wahrheit und Moral. Es gab feste Hierarchien und der Adel sowie der Klerus dominierten. Um sich in das Weltbild des Barocks einzuarbeiten, benötigt man heute etwas Zeit. Hat man die beiden wesentlichen Motive erfasst, ist der Zugang zu dieser uns heute fremden Welt deutlich leichter. Das eine ist die Vanitas („Alles ist eitel”) und damit die Erkenntnis, dass nichts bleibt, alles im Fluss ist und Besitz, Ruhm und Schönheit zerfallen. Gleichsam als Gegengewicht dient das Motiv des „Carpe diem”, also die bewusste Nutzung des Tages. Wenn schon alles vergänglich ist, sollten wir die uns zur Verfügung stehende Zeit gestalten und sie mit Sinn erfüllen.

Die Beschäftigung mit der Bibel ist niemals vergeudete Zeit. Sie hilft uns, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Sie führt uns in eine Beziehung zum lebendigen Gott. Viele biblische Texte sind in Krisenzeiten entstanden. Ihre Verfasser kannten Angst, Verlust, Schuld und Erschöpfung – und sprachen trotzdem von Hoffnung. Diese Hoffnung ist nicht oberflächlich, sondern basiert auf der Erfahrung, dass Gott treu bleibt, auch wenn alles wankt.

Ein sehr sanfter Film

Entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt…Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen.
Josua 24,15

Der franz. Film „Bleib bei uns“ ist eine warmherzige, charmante Komödie von Gad Elmaleh, in der er seine persönliche Geschichte schildert. Darin will er als 50jähriger zum Katholizismus konvertieren, ein Vorhaben, das in seiner jüdischen Familie für große Unruhe sorgt. Dabei spielt Elmaleh sich selbst, ebenso treten seine echten Eltern und seine Schwester auf. So entsteht ein authentischer Familienkonflikt, bei dem die unterschiedlichen Religionen mit einem wohlwollenden Augenzwinkern kritisch beleuchtet werden. Der Film ist eine Komödie und bleibt eher an der Oberfläche. Eine klare Positionierung wird man hier vergeblich finden. Jeder will es dem anderen Recht machen und gerade Elmaleh ist sehr bemüht, seine Familie nicht zu verletzen. Seine Verehrung der Gottesmutter Mariens hat groteske Züge und wird am Ende durch die Liebe zu seiner leiblichen Mutter verdrängt.

Es geht im ganzen Film eher um eingeübte Rituale und religiöse Äußerlichkeiten. Was fehlt, ist eine echte Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten, wohl weil der Regisseur selbst eine indifferente Haltung einnimmt und sein Ziel es war, für religiöse Toleranz zu werben. Ich fürchte, dass hier so mancher Zuseher in seiner Unentschlossenheit dem Glauben gegenüber noch bestärkt wird. Das genaue Gegenteil von dem, was in der Bibel steht. Darin wird eben nicht eine allseits tolerante Haltung beschrieben. Der Mensch soll nicht nur zum Schein religiös leben, sondern sich bewusst für den Glauben entscheiden, indem er dem HERRN vertraut und ihm Folge leistet.

Gute Nachricht mit Augenzwinkern

Hilf uns, deinen Dienern, deine Botschaft mutig und offen zu verkünden.
Apostelgeschichte 4,29

Mit diesem Mut zur Verkündigung ist nicht mehr Lautstärke gemeint. Oft sind es gerade die leisen Töne, die bei anderen Menschen im Gedächtnis bleiben. Wenn wir freundlich und humorvoll christliche Gedanken in ein Alltagsgespräch einflechten, wird das mehr geschätzt als schulmeisterliches Zitieren von Bibeltexten. Für eine gute Unterhaltung ist es außerdem nicht förderlich, sich als absolut tadellosen Vorzeigechristen darzustellen. Das kann beim Gegenüber ein Gefühl der Unterlegenheit erzeugen, das wiederum eine Abwehrreaktion auslösen kann.

Wir dürfen die Verkündigung nicht als „Leistung” verstehen, die wir erbringen müssen. Wenn wir Gott um die richtigen Worte bitten, wird er uns den erforderlichen Mut als natürliche Frucht schenken. Er wird sich im richtigen Moment zeigen, ohne dass wir uns einen Ruck geben und uns etwas vornehmen müssen. Wir werden es durch innere Gelassenheit, durch konkrete Worte, die uns zufallen, und durch unsere Handlungen spüren.

Wir müssen bei unserem Dienst für die Frohe Botschaft auch keinesfalls perfekt sein. Gestern waren wir Zuhörer bei einem Podiumsgespräch, an dem der bayerische Kabarettist Martin Frank im Mittelpunkt stand. Bei ihm ist gerade das Unperfekte ein Schlüssel seines Erfolgs. Er erzählt humorvoll davon, wie oft er gescheitert ist, in verschiedenen Berufen Fuß zu fassen, und was ihm im Alltag alles nicht gelingt. Das macht ihn sympathisch und kommt beim Publikum gut an, weil jeder sieht: Hier ist einer, der offen mit seinen Unzulänglichkeiten umgeht. Man kann als Christ von ihm lernen, dass eine Prise Selbstironie nie schaden kann. Das ist eine Form von Demut, die uns nicht klein macht, sondern frei. Auf diese Weise kann man seine Erlebnisse mit dem Glauben leichter in ein Gespräch einflechten und so zur Verkündigung der Botschaft beitragen.