Andacht Heute

Das Evangelium in aller Kürze

Denn das steht unumstößlich fest, darauf dürfen wir vertrauen: Jesus Christus ist in diese Welt gekommen, um uns gottlose Menschen zu retten. Ich selbst bin der Schlimmste von ihnen. Doch gerade deshalb war Gott mit mir ganz besonders barmherzig. An mir wollte Jesus Christus zeigen, wie groß seine Geduld mit uns Menschen ist. An meinem Beispiel soll jeder erkennen, dass wirklich alle durch den Glauben an Christus ewiges Leben finden können.
1. Timotheus 1,15-16

Ich habe an dieser Stelle schon öfter geäußert, dass ich kein Freund langatmiger Ausführungen bin, seien es Reden, Predigten, Abhandlungen, in denen man Leser und Zuhörer ermüdet. Ich bin ein Freund der kurzen Form und mag es, wenn Gedanken klar und zügig formuliert werden. Soweit es geht, versuche ich dies auch in meinen Kurzandachten umzusetzen. Der Apostel Paulus ist mir hier ein echtes Vorbild. Er bevorzugt kurze, klare Aussagen und kommt gern direkt zum Punkt. Sein Brief an Timotheus ist ein Musterbeispiel dafür.

Gleich zu Anfang bekennt er, dass er ein schlimmer Christenverfolger gewesen ist. Er bezeichnet sich selbst als den größten Sünder. Es macht ihn authentisch und glaubwürdig, wenn er darauf hinweist, dass er selbst das beste Beispiel eines gefallenen Menschen ist, dem trotz aller Verfehlungen die Barmherzigkeit Gottes zuteil geworden ist. Christus wollte an ihm als Erstem seine Geduld zeigen. Paulus wird so zum Vorbild für alle späteren Gläubigen. Er versteht sich selbst als lebendiges Beispiel dafür, dass niemand zu weit weg ist, um gerettet zu werden. Das zeigt: Niemand ist „zu schlecht“ für Christus. Das ist ein Trost für Menschen, die sich selbst aufgegeben haben. Gottes Gnade ist größer als jede Schuld.

Dieser kleine Abschnitt aus dem Timotheusbrief stellt eine Kurzform des Evangeliums dar:

  • Christus rettet Sünder.
  • Paulus ist das Paradebeispiel dafür.
  • Gottes Geduld ist größer als jede Schuld.
  • Die Verkündigung soll diese Gnade sichtbar machen – durch Worte und durch das eigene Leben.

Zu welchem „Kirchentyp“ gehörst Du?

Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast!
Psalm 139,14

Die EKD (2024/25) und die evang. Landeskirche Nord (2023) haben unabhängig voneinander vom Institut aserto Befragungen durchführen lassen. Daraus wurden Typologien der Kirchenmitglieder entwickelt. Bei der Studie für die EKD kam man zu folgender Einteilung:

Religiös-Verbundene (13%)
Gesellschaftlich-Verantwortungsbewusste (19%)
Modern-Pragmatische (11%)
Ereignisorientiert-Empfindsame (15%)
Gesetzt-Zurückhaltende (21%)
Gleichgültig-Distanzierte (21%)

Warum wird so etwas gemacht? Offensichtlich versucht die Kirche verzweifelt, ohne Kosten zu scheuen, dem grassierenden Mitgliederschwund zu begegnen. Man will sich mehr auf die Bedürfnisse der Menschen einstellen und entsprechende Angebote bereitstellen. Dafür wird eine künstliche Typologie erzeugt, um herauszufinden, wie „Evangelische ticken” (MIDI-Magazin). Dies ist bereits vom Ansatz her falsch. Trotz aller Beteuerungen, man habe nur eine Orientierungshilfe schaffen wollen, keinesfalls ein Schubladensystem, wird die Kommunikation damit nur noch mehr erschwert. Denn dabei wird der einzelne Mensch mit seiner ganz individuellen Lebensgeschichte aus dem Blick verloren. Die Gefahr ist groß, dass man ihn in Kategorien einordnet, die er selbst nie wählen würde, wodurch ein „Wir wissen schon, wie du tickst“-Effekt entsteht. Indem man den Menschen zu einem Muster reduziert, entfernt man sich weit vom christlichen Menschenbild, das von Einmaligkeit, Unverwechselbarkeit, Freiheit und Würde geprägt ist.

Hoffnung auf Frieden

Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Matthäus 5,9

In einem alten Text heißt es: „Im Krieg hofft man auf Frieden; im Frieden soll man den Krieg nicht vergessen.“ Eine nüchterne Weisheit, die uns daran erinnert, dass Frieden kostbar, aber nicht selbstverständlich ist. Das erleben wir heute wieder sehr deutlich. Frieden ist nicht einfach „da“. Er muss gepflegt, geschützt und geübt werden – im Großen wie im Kleinen. In dem Vers aus der Bergpredigt sagt Jesus nicht, dass wir den Frieden genießen sollen. Wir sollen ihn „stiften”, und damit ist Frieden eine Tat.

Christliche Wachsamkeit ist etwas anderes als Misstrauen. Sie bedeutet, aufmerksam zu sein für das, was um uns geschieht. Dies bedeutet Hinschauen: Wo braucht jemand Frieden? Wo braucht jemand ein Wort, ein Ohr, eine Hand – in meiner Familie, in meiner Gemeinde, in meiner Nachbarschaft? Und inmitten all dieser Überlegungen steht ein weiteres Wort Jesu: „Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt.“ Es ist kein politischer Friede, kein Friede durch Waffenstillstand oder Schweigen. Es ist ein Friede, der im Herzen beginnt. Ein Friede, der trägt, wenn die Welt wankt. Ein Friede, der uns befähigt, selbst Frieden zu stiften.

Gebet:
HERR, schenke uns deinen Frieden – und mach uns zu Menschen, die Frieden bringen. Amen.