Andacht Heute

Ein Tag zum Besinnen

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.
Psalm 37,5

Es gibt Tage, da wird einem bewusst, dass man innehalten sollte. Ein Feiertag wie der Ostermontag könnte so einer sein. Da wird so manches angeboten, was auf den ersten Blick attraktiv erscheint: Brauchtum, Bergausflüge, Konzerte, Theaterveranstaltungen. Man könnte aber an so einem Tag auch zu Hause bleiben und seine Gedanken sortieren. In den Online-Veranstaltungskalender unserer Region habe ich schon geblickt. Also habe ich mir die Frage nach dem, was ich heute tun könnte, schon gestellt. Das ist die Ebene der Möglichkeiten. Sie ist meist groß, bunt, übervoll. Hier liegt auch die Gefahr des Aktionismus: „Ich könnte noch… ich sollte noch… man müsste eigentlich…“ Dann kam die Frage in mir auf, was ich wirklich möchte. Das ist die Ebene der inneren Resonanz. Sie zeigt mir, wo meine Freude und Sehnsucht heute liegen. Sie ist wichtig, da sie verhindert, dass wir gegen unsere innere Natur handeln.

Die dritte Ebene wird mir durch die Frage eröffnet: Was will Gott heute von mir? Oft ist sie leiser als die beiden anderen. Wenn wir uns die dafür nötige Zeit und Aufmerksamkeit nehmen, dann zeigt sich uns hier erstaunlich zuverlässig, was heute dran ist. Manchmal ist Gottes Wille ein Tun. Manchmal ein Lassen. Manchmal ein Warten. Manchmal ein schlichtes Dasein. So ist an einem Tag wie diesem geistliche Unterscheidung möglich: Ich tue heute nicht das, was ich könnte, nicht einmal das, was ich möchte, sondern das, was Gott in mir wachsen lassen will.

Gebet
HERR, du kennst meine Wege und meine Gedanken. Schenke mir ein waches Herz, das unterscheiden kann zwischen dem, was möglich ist, und dem, was heute wirklich dran ist. Lass mich hören, was dein Geist mir sagt, und gib mir Mut für ein klares Ja und Frieden für ein gutes Nein.

Die Gewissheit der Auferstehung Jesu

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“
Johannes 11,25-26

Da schreibt heute der evangelische Pfarrer, Theologe und Autor Achijah Zorn ein „Vorwort zum Sonntag“ mit dem Titel „Glaube hat Gründe“. Darin spricht er davon, dass der christliche Glaube keineswegs blind ist, sondern sich intellektuell, bei ihm selbst auch persönlich-existenziell belegen lässt. In den Kommentaren erfährt er viel Dank und Zuspruch für seinen Artikel. Es melden sich aber auch Skeptiker zu Wort. Sie bezeichnen Jesus als Lügner und kleinen Wanderprediger und seine Auferstehung als nicht bewiesen. Sollen sie doch. Ihr Besserwissertum und ihre Wichtigtuerei werden keinen Bestand haben und in sich zusammenfallen. Echter Glaube ist nicht eine Möglichkeit des Denkens unter anderen, sondern gründet sich auf Gewissheit. In einem der Kommentare wird Paul Gerhardt zitiert: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, das soll mir niemand nehmen!“

Volk – ein problematischer Begriff?

Lobt den HERRN, alle Völker! Rühmt ihn, ihr Nationen alle!
Psalm 117,1

Im hebräischen Urtext wird hier das Wort „goj” für „Volk” verwendet. Ich habe in der Genfer Studienbibel nachgeschlagen. Dort heißt es, dass „im Alten Testament mit goj fast immer nicht israelitische Völker im Gegensatz zu Israel bezeichnet werden”. „Sie sind unbeschnitten (Jer 9,25), gottlos (5 Mo 9,4f), begehen Gräuel (5 Mo 18,9; 2 Chr 33,2) und dienen anderen Göttern (2 Kön 17,29).” Aus dieser Worterklärung entsteht jedoch leicht der falsche Eindruck, der Begriff „goj” sei immer negativ besetzt. Zwar waren zur alttestamentlichen Zeit die meisten Völker unbeschnitten, dienten anderen Göttern, begingen Gräueltaten aus ihrem Kult heraus und standen in Feindschaft mit Israel. Das mag historisch zutreffend sein. Das Wort „goj” für „Volk” ist aber ursprünglich ein neutraler Begriff und nicht gleichbedeutend mit den genannten Beispielen. Es gibt auch einige Stellen im AT, in denen das israelische Volk mit goj bezeichnet wird (2Mo 19,6, 5Mo 4,6). Wenn andere Völker in vielen Texten negativ beschrieben werden, dann geschieht das allein durch den verwendeten Kontext. Wenn wir heute das Wort ‚Volk‘ hören, schwingen oft politische oder historische Assoziationen mit. Die Bibel meint jedoch etwas anderes. Wenn in ihr von „Völkern” die Rede ist, sind damit ganz einfach menschliche Gemeinschaften gemeint, die durch ihre Geschichte, ihre Kultur oder ihre Lebensweise zusammengehören. Der Begriff wird keinesfalls abwertend oder ausgrenzend verwendet.

Würde man den obigen Vers als Befehl deuten, im Sinne von „Ihr Gottlosen und Gräuel Begehenden, lobt den Herrn!”, wäre das eine Fehlinterpretation. Er ist eindeutig als freundliche Einladung an alle Völker zu verstehen: „Kommt alle und lobt den HERRN!”

_________________________________________________________________

https://youtu.be/oZmtzwmo4HY?si=d_4TApm9rTBkNWMs