Andacht Heute

Hoffnung auf Frieden

Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Matthäus 5,9

In einem alten Text heißt es: „Im Krieg hofft man auf Frieden; im Frieden soll man den Krieg nicht vergessen.“ Eine nüchterne Weisheit, die uns daran erinnert, dass Frieden kostbar, aber nicht selbstverständlich ist. Das erleben wir heute wieder sehr deutlich. Frieden ist nicht einfach „da“. Er muss gepflegt, geschützt und geübt werden – im Großen wie im Kleinen. In dem Vers aus der Bergpredigt sagt Jesus nicht, dass wir den Frieden genießen sollen. Wir sollen ihn „stiften”, und damit ist Frieden eine Tat.

Christliche Wachsamkeit ist etwas anderes als Misstrauen. Sie bedeutet, aufmerksam zu sein für das, was um uns geschieht. Dies bedeutet Hinschauen: Wo braucht jemand Frieden? Wo braucht jemand ein Wort, ein Ohr, eine Hand – in meiner Familie, in meiner Gemeinde, in meiner Nachbarschaft? Und inmitten all dieser Überlegungen steht ein weiteres Wort Jesu: „Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt.“ Es ist kein politischer Friede, kein Friede durch Waffenstillstand oder Schweigen. Es ist ein Friede, der im Herzen beginnt. Ein Friede, der trägt, wenn die Welt wankt. Ein Friede, der uns befähigt, selbst Frieden zu stiften.

Gebet:
HERR, schenke uns deinen Frieden – und mach uns zu Menschen, die Frieden bringen. Amen.

Gott sorgt für Wege, wo wir Mauern sehen

Jesus aber blickte sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott! Denn bei Gott sind alle Dinge möglich.
Markus 10,27

Die Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass Menschen scheinbar Unmögliches geschafft haben. Ich denke dabei zum Beispiel an die deutsche Wiedervereinigung. Jahrzehntelang schien alles festgefahren. Die Teilung war für viele Menschen ein unverrückbarer Zustand. Politikwissenschaftler, Historiker und Diplomaten gingen fast ausnahmslos davon aus, dass die Mauer noch sehr lange stehen würde. Doch die Ereignisse von 1989/90 zeigten, wie schnell sich politische Realitäten ändern können.

Jesus wies darauf hin, dass Gott Wege öffnen kann, wo Menschen keine sehen. Das „Unmögliche“ ist oft nur das, was wir uns nicht vorstellen können. Wir können daraus lernen, nicht vorschnell zu kapitulieren. Wenn wir Gott darum bitten, schenkt er uns neue Perspektiven und Kraft zum Handeln. Wenn wir blockiert sind, schauen wir meist nur noch auf das Problem. Gott öffnet unseren Blick – manchmal durch ein Wort, durch einen anderen Menschen oder durch eine überraschende Wendung. Wenn wir in unserem Denken feststecken, muss das nicht das Ende der Geschichte sein. Gottes Wege sind selten spektakulär, aber immer überraschend passend.

Gebet:
HERR, öffne mir die Augen für das, was möglich ist. Gib mir Mut, das Schwierige anzupacken, und schenke mir Vertrauen, dass du uns führst. Amen.

Die Gerechtigkeit Gottes

Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.
Daniel 9,7

Der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Matthäus 25,45

Die heutigen Losungsverse werfen die Frage auf, welcher Zusammenhang zwischen ihnen bestehen soll. Zur Erinnerung: Der erste Vers stammt aus dem Alten Testament und wird ausgelost, der zweite stammt aus dem Neuen Testament und wird von einem Redaktionsteam ausgewählt. Dieser sogenannte „Lehrtext” wird nach verschiedenen Kriterien ausgesucht. Das augenscheinlich wichtigste Kriterium ist dabei die inhaltliche Beziehung zur Losung. In Daniel 9,7 geht es um die Schuld Israels, die in einem Bußgebet im Exil ausgedrückt wird. In Matthäus 25,45 wird in der Endzeitrede Jesu das Verhalten des Einzelnen gegenüber Bedürftigen thematisiert. Zwischen beiden Bibelstellen besteht demnach weder inhaltlich noch theologisch ein Zusammenhang. Die Frage, weshalb diese Auswahl getroffen wurde, ist also berechtigt.

Ich habe nur eine Erklärung gefunden: In beiden Versen geht es um Gerechtigkeit, also um ein zentrales gesellschaftliches Thema unserer Zeit. Der Begriff der Gerechtigkeit spielt heute in vielen Bereichen eine herausragende Rolle: soziale Gerechtigkeit (Chancengleichheit, Löhne, Renten, Bildung usw.) und Klimagerechtigkeit. In den beiden Texten hat Gerechtigkeit jedoch eine andere, zugleich jeweils eine völlig unterschiedliche Bedeutung. In Daniel zeigt sich Gottes Gerechtigkeit in Gericht und Erbarmen für das Verhalten eines ganzen Volkes gegenüber Gott, bei Matthäus dagegen im Maßstab der Nächstenliebe im Verhalten zwischen einzelnen Menschen. Man sollte sich hüten, in der Bibel nach Belegstellen für die eigene politische Agenda zu suchen. Lassen wir das Wort Gottes doch einfach aus seiner reinen Kraft auf uns wirken. Gott ist viel gerechter, als wir uns das mit unserem menschlichen Verstand vorstellen können.