Nachfolge ohne Halbherzigkeit
Wieder ein anderer sagte zu Jesus: »Ich will mit dir kommen, Herr. Erlaube mir aber, mich vorher noch von meiner Familie zu verabschieden.« Ihm antwortete Jesus: »Wer beim Pflügen nach hinten schaut, den kann Gott in seinem Reich nicht brauchen.«
Lukas 9,61-62
Wenn man dies liest, könnte man auf die Idee kommen, dass Jesus dazu auffordert, sämtliche familiäre Bindungen aufzugeben, wenn man ihm nachfolgen will. Dagegen spricht jedoch eine andere Stelle im Markusevangelium (7,9-13), in der er die Pharisäer tadelt, weil sie bei ihrem frommen Tun ihre Eltern vernachlässigen. In 1. Tim 5,8 steht außerdem: Wer sich aber weigert, seine Angehörigen zu versorgen – vor allem die eigenen Familienmitglieder –, der verleugnet damit den Glauben. In der Nachfolge muss es also um etwas anderes gehen als um radikalen Beziehungsabbruch.
Betrachten wir das Bild vom Pflügen genauer: Wer damals pflügte, musste nach vorne schauen, sonst wurde die Furche krumm. Nachfolge erfordert daher Konzentration auf das Wesentliche und Entschlossenheit im Handeln. Wer sich immer umschaut, verfehlt die gerade Richtung. Er wird ständig daran denken, was seine Verwandten und Bekannten über ihn denken, und ob er mit seinem Glauben seine weltlichen Ziele gefährdet. Er muss nicht seine Familie aufgeben, sondern seinen Anspruch, Jesus nur zu folgen, „wenn es passt”, seine Haltung, dass andere Verpflichtungen Vorrang haben, sowie die Idee, man könne gleichzeitig vorwärts und rückwärts schauen. Wer dazu nicht bereit ist, dessen Feld und die von ihm gezogenen Furchen werden am Ende so aussehen wie die Wirrnis seiner Gedanken. Der Herr wird aber nur Arbeiter gebrauchen können, die ihren Auftrag treu und gerade erfüllen, damit am Ende eine gute Ernte herauskommt. Wir erkennen daraus: Nachfolge duldet keinen Aufschub. Wer Jesus folgt, darf nicht ständig zurückschauen. Die Familie wird nicht abgewertet, sie darf nur nicht zur Ausrede werden.