Andacht Heute

Jesus gibt sich hin

Im Matthäus-Evangelium lässt sich der Gründonnerstag in den Versen Mt 26,17–46 nachlesen, die mit dem Abendmahl beginnen. Es folgt der Lobgesang und der Gang zum Ölberg. Dann kommte es zur Ankündigung der Verleugnung und zum Ringen Jesu im Garten Gethsemane. Es liegt nahe, diesen ergreifenden Teil gerade heute wieder zu lesen:

Vorbereitungen zum Passamahl
17 Am ersten Tag der Festwoche, während der ungesäuertes Brot gegessen wird, kamen die Jünger zu Jesus und fragten: »Wo sollen wir für dich das Passamahl vorbereiten?« 18 Er antwortete: »Geht zu einem Mann in der Stadt – er nannte ihnen den Namen – und richtet ihm aus: ›Unser Lehrer sagt: Die Stunde meines Todes ist nah. Bei dir will ich mit meinen Jüngern das Passamahl feiern.‹« 19 Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Passamahl vor.

Jesus feiert mit den Zwölf das Abschiedsmahl
20 Als es Abend geworden war, setzte sich Jesus mit den Zwölf zu Tisch. 21 Während der Mahlzeit sagte er: »Ich versichere euch: Einer von euch wird mich verraten.« 22 Sie waren bestürzt, und einer nach dem andern fragte ihn: »Du meinst doch nicht mich, Herr?« 23 Jesus antwortete: »Der soeben mit mir das Brot in die Schüssel getaucht hat, der ist es, der wird mich verraten. 24 Der Menschensohn muss zwar sterben, wie es in den Heiligen Schriften angekündigt ist. Aber wehe dem Menschen, der den Menschensohn verrät! Er wäre besser nie geboren worden!« 25 Da fragte Judas, der ihn verraten wollte: »Du meinst doch nicht etwa mich, Rabbi?« »Doch«, antwortete Jesus, »dich!« 26 Während der Mahlzeit nahm Jesus ein Brot, sprach das Segensgebet darüber, brach es in Stücke und gab es seinen Jüngern mit den Worten: »Nehmt und esst, das ist mein Leib!« 27 Dann nahm er den Becher, sprach darüber das Dankgebet, gab ihnen auch den und sagte: »Trinkt alle daraus; 28 das ist mein Blut, das für alle Menschen vergossen wird zur Vergebung ihrer Schuld. Mit ihm wird der Bund in Kraft gesetzt, den Gott jetzt mit den Menschen schließt. 29 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis ich ihn neu mit euch trinken werde, wenn mein Vater sein Werk vollendet hat!« 30 Dann sangen sie die Dankpsalmen und gingen hinaus zum Ölberg.

Jesus sagt das Versagen von Petrus voraus
31 Unterwegs sagte Jesus zu ihnen: »Heute Nacht werdet ihr alle an mir irrewerden, denn es heißt: ›Ich werde den Hirten töten und die Schafe der Herde werden auseinanderlaufen.‹ 32 Aber wenn ich vom Tod auferweckt worden bin, werde ich euch vorausgehen nach Galiläa.« 33 Petrus widersprach ihm: »Selbst wenn alle andern an dir irrewerden – ich niemals!« 34 Jesus antwortete: »Ich versichere dir: In dieser Nacht, bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen und behaupten, dass du mich nicht kennst.« 35 Da sagte Petrus: »Und wenn ich mit dir sterben müsste, ich werde dich ganz bestimmt nicht verleugnen!« Das Gleiche sagten auch alle anderen Jünger.

Jesus betet im Garten Getsemani
36 Dann kam Jesus mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das Getsemani hieß. Er sagte zu ihnen: »Setzt euch hier! Ich gehe dort hinüber, um zu beten.« 37 Petrus und die beiden Söhne von Zebedäus nahm er mit. Angst und tiefe Traurigkeit befielen ihn, 38 und er sagte zu ihnen: »Ich bin so bedrückt, ich bin mit meiner Kraft am Ende. Bleibt hier und wacht mit mir!« 39 Dann ging er noch ein paar Schritte weiter, warf sich nieder, das Gesicht zur Erde, und betete: »Mein Vater, wenn es möglich ist, erspare es mir, diesen Kelch trinken zu müssen! Aber es soll geschehen, was du willst, nicht was ich will.« 40 Dann kehrte er zu den Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: »Konntet ihr nicht eine einzige Stunde mit mir wach bleiben? 41 Bleibt wach und betet, damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt. Der Geist in euch ist willig, aber eure menschliche Natur ist schwach.« 42 Noch einmal ging Jesus weg und betete: »Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann geschehe dein Wille!« 43 Als er zurückkam, schliefen sie wieder; die Augen waren ihnen zugefallen. 44 Zum dritten Mal ging Jesus ein Stück weit weg und betete noch einmal mit den gleichen Worten. 45 Als er dann zu den Jüngern zurückkam, sagte er: »Schlaft ihr denn immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist da; jetzt wird der Menschensohn an die Menschen, die Sünder, ausgeliefert. 46 Steht auf, wir wollen gehen. Er ist schon da, der mich verrät!«

Gottes Kurs und unsere Antwort

Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er den Siegeskranz des Lebens empfangen, den der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben. 
Jakobus 1,12

Justus Lipsius (1547–1606) war ein flämischer Humanist und der Begründer des Neostoizismus. Er lehrte eine Haltung der „Constantia” (Hauptwerk „De Constantia”, 1584) und damit eine innere Festigkeit angesichts äußerer Unruhe. Im Unterschied zu den antiken Stoikern wie Seneca, bei denen selbst die Götter dem Schicksal unterworfen waren, lieferte Lipsius eine christlich interpretierte Version des Ausgeliefertseins des Menschen. Gott ist allmächtig und lenkt das gesamte Geschehen in seiner Vorsehung. Der Mensch bleibt aber frei und verantwortlich in seinem Handeln. Gott weiß, wie wir handeln werden, aber wir handeln trotzdem selbst. Gott kennt den Weg, aber wir gehen ihn mit eigenen Schritten.

Das ist nicht ganz leicht zu verstehen. Zur Verdeutlichung verwendet Lipsius das Bild eines Schiffes. Dessen Kurs ist von Gott gesetzt, im Sinne eines guten Ziels. Wir sind an Bord und es liegt in unserer Hand, wie wir an Bord leben. Wir können auf dieser Reise murren und sogar die „Reiseleitung” infrage stellen oder einfach dankbar sein für das, was uns begegnet. Es liegt in unserer Hand, ob wir ins Zweifeln geraten oder darauf vertrauen, am Ende in einen sicheren Hafen zu gelangen. Für unseren Glauben bedeutet dies, dass wir zwar den Kurs nicht bestimmen können, aber unsere Einstellung Gott gegenüber. Wir dürfen in Gottes Vorsehung geborgen sein und dennoch menschlich verantwortlich handeln.

Gebet
Danke, HERR, dass wir nicht einem blinden Schicksal ausgeliefert sind und deiner guten Führung vertrauen dürfen. Du bestimmst den Kurs und wir dürfen uns auf das Ziel freuen. Amen

Christsein und staatliche Ordnung

Es sind also zwei Gründe, weshalb ihr euch der staatlichen Macht unterordnen müsst: zum einen, weil euch sonst das Urteil Gottes droht, zum andern, weil schon euer Gewissen euch dazu auffordert. Die Vertreter des Staates üben ihren Dienst im Auftrag Gottes aus, deshalb zahlt ihr ja auch Steuern. Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid. Zahlt die Steuern, die man von euch verlangt, ebenso den Zoll. Unterstellt euch der staatlichen Macht und erweist denen, die Anspruch darauf haben, den notwendigen Respekt.
Römer 13,7

Paulus war kein Staatskundler, sondern ein einfacher Vertreter des Glaubens, der seine Meinung abgegeben hat, wie man sich zur Obrigkeit verhalten soll. Dies hat zu unterschiedlichen Interpretationen geführt. Luther vertrat die Ansicht, dass sich Christen grundsätzlich unterordnen sollten. Nur wenn der Staat direkt befiehlt, gegen Gottes Wort zu handeln, ist Ungehorsam erlaubt. Für Calvin ist Widerstand immer dann erlaubt, wenn der Staat nicht gerecht handelt und seinen von Gott gegebenen Auftrag nicht erfüllt. Es gibt noch eine Reihe anderer Interpretationen dieser Verse. Am Ende stehen wir da und sind uns doch nicht sicher, welche wir bevorzugen sollen und wie uns das im Einzelfall helfen kann. Jedenfalls geht es mir so.

Fest steht für mich nur: Paulus ruft hier weder dazu auf, den Staat zu vergötzen, noch dazu, ihn zu zerstören. Unterordnung bedeutet, dass wir die Ordnung aufrechterhalten. Gewissen bedeutet, dass wir prüfen, wo wir Verantwortung übernehmen und uns einmischen müssen. Durch diese beiden Pole bewahrt uns Gott vor einer Zersplitterung der Gesellschaftsordnung, die mit offener Auflehnung gegenüber Institutionen und dem Verlust gemeinsamer Werte verbunden ist. In unserem Staat ist die Teilnahme am demokratischen Prozess erlaubt, und dazu gehört die Kritik an ihm, auch wenn dies bei den Regierenden und vielen Medienvertretern gerade nicht erwünscht erscheint.

Gebet
HERR, schenke unserer Regierung Weisheit, um den von dir erteilten Auftrag erfüllen zu können, wie er geschrieben steht:

Die Staatsgewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes Einzelnen. Wer aber Unrecht tut, muss sie fürchten, denn Gott hat ihr nicht ohne Grund die Macht übertragen, Strafen zu verhängen. Sie handelt im Auftrag Gottes, wenn sie unbestechlich alle bestraft, die Böses tun.
Romer 13,4