Andacht Heute

Aufenthaltsorte in der Nähe Gottes

Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend andere sonst. Ich will lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes als dort zu wohnen, wo die Gottlosigkeit herrscht!
Psalm 84,11

Dieser Psalm ist ein Lied der Sehnsucht nach Gottes Nähe. Der Beter beschreibt die Freude und Geborgenheit, die er im Haus Gottes empfindet, und betont, dass wahres Glück und Stärke aus der Gemeinschaft mit Gott erwachsen. Bereits im zweiten Vers heißt es: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!“ Dies ist ein Ausdruck tiefster Liebe und Sehnsucht nach dem Tempel als Ort der Gegenwart Gottes. Der Tempel ist dabei nicht nur ein Gebäude, sondern ein Symbol für die lebendige Gemeinschaft mit Gott. Der Psalm zeigt: Heimat und Glück entstehen dort, wo Gott gegenwärtig ist.

In der Tempelarchitektur waren die „Vorhöfe” der Ort, an dem sich das Volk zum Gebet, zum Opfer und zum Lobpreis versammelte. Die inneren Bereiche des Tempels waren gegliedert in das Heilige für die Priester und das Allerheiligste, das nur den Hohepriestern vorbehalten war. Der Psalm besagt, dass selbst der äußerste Bereich des Tempels wertvoller ist als alle anderen Orte der Welt und einen Kontrast zu den „Zelten der Gottlosen” bildet. In den prunkvollen, weltlichen Palästen führt man ein Leben ohne Bezug zu Gott. Die „Vorhöfe” können somit als Metapher für jede Form von Gottesnähe verstanden werden.

In der heutigen Zeit spielen Tempel keine Rolle mehr. Wir orientieren uns am Jesuswort: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Das bedeutet für uns: Der „Vorhof“ wird zum Bild für jede Form von Gemeinschaft, in der Menschen bewusst Gott suchen – sei es im Gottesdienst, im Hauskreis oder im stillen Gebet zu zweit. Der Psalmist freut sich über den Platz „am Rand“ des Heiligtums. Für uns heißt das: Auch einfache und unscheinbare Formen von Glaubensgemeinschaft sind wertvoll, denn Gott ist da, selbst wenn nur zwei Menschen zusammen beten. Der Vers lädt uns ein, bewusst die Nähe Gottes zu suchen, statt uns in äußerem Glanz oder Erfolg zu verlieren.

Frei sein von menschlicher Verurteilung

Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.
1. Johannes 1,8-9

    Als Christ wird man von Ungläubigen auf besondere Weise beurteilt. Man verlangt von uns, dass wir nach außen sichtbar immer wie Heilige auftreten. Diesen Erwartungen können wir nicht immer entsprechen, oft ist sogar das Gegenteil der Fall. „Die streiten ja noch schlimmer als wir!”, heißt es dann von den Zweiflern, und sie haben ein weiteres Argument, sich nicht auf den Glauben an Jesus Christus einzulassen. Wenn wir uns von diesen Stimmen verleiten lassen, unsere Schattenseiten zu verbergen und eine fromme Maske aufzusetzen, handeln wir heuchlerisch. Jeder von uns begeht Sünden und hat Schwächen, die wir bekennen müssen. Das ehrliche Eingeständnis von Fehlern ist Teil des Glaubens.

    Zweifellos findet eine Heiligung statt, wenn wir auf Gott vertrauen. Wir müssen uns und anderen jedoch nicht ständig beweisen, dass wir Frömmigkeitserfolge erzielt haben. Besser ist es, sich zu sagen: „Ich weiß um meine Schwächen, aber Christus hat mich geheiligt.” Darum sind wir frei von der Anklage unseres eigenen Gewissens und auch von der moralischen Verurteilung anderer. Nicht durch unsere Bemühung um Selbstveredelung, sondern durch Christus allein werden wir gerechtfertigt. „Deshalb kann ich Kritik hören, ohne mich verurteilt zu fühlen, denn mein Richter ist Christus allein.“

    Weihnachten feiern, aber richtig

    Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist, jauchzet dem Gott Jakobs!
    Psalm 81,2

    Asaf war ein Musiker zur Zeit König Davids. Als Angehöriger des Stammes Levi, hatte er die besondere Aufgabe, im Heiligtum und später im Tempel zu dienen. Er unterstützte die Priester und übernahm Aufgaben wie Musik, Torwache, Unterweisung und das Tragen der Bundeslade.

    In dem vorliegenden Psalm rief Asaf die Israeliten dazu auf, ein freudiges Fest zu feiern und dabei fröhlich zu singen. Dabei sollten sie nicht vergessen, was sie alles Gott zu verdanken haben. Bei aller Feierlaune galt es, ihm Lob und Dankbarkeit zu erweisen. Er war es, der Israel aus Ägypten befreit hat. Gottes Volk war ihm Treue und Gehorsam schuldig. Nur ihm sollte es dienen, keinen fremden Göttern.

    So gibt es auch für uns in diesem Psalm 81 einen wichtigen Bezug zwischen Freude am Feiern und göttlicher Mahnung. Wenn wir bald Weihnachten feiern, darf die Freude groß sein, denn das Fest erinnert uns daran, dass unser Erlöser geboren wurde. Der Psalm ruft uns zum Jubel, zum Musizieren und zur Erinnerung an Gottes Befreiung auf. Gleichzeitig enthält er die Mahnung, dass Festfreude ohne Treue zu Gott leer bleibt. Der Psalm mahnt, nicht anderen „Göttern” zu folgen. Für Weihnachten bedeutet das, nicht Konsum, Stress oder Äußerlichkeiten in den Mittelpunkt zu stellen, sondern Christus:

    • Christliche Weihnachtslieder sind keine süßen Hintergrundslieder, sondern ein Ausdruck von Dank und Freude.
    • In Lesungen, Gebeten oder Gesprächen bewusst die Befreiung durch Christus ins Zentrum stellen.
    • Rituale so gestalten, dass sie nicht nur äußerlich schön, sondern an den eigentlichen Sinn erinnern.
    • Wie Israel gemeinsam feierte, so ist Weihnachten ein Fest der Familie und Gemeinde – ein Ort, wo Gottes Nähe erfahrbar wird.