Andacht Heute

Lasst euch nicht in fremde Schubladen pressen

Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes.
Römer 12,2

Vor mir liegt ein Interview mit einem katholischen Theologen in einem evangelischen Wochenblatt. Darin nennt er christliche Gruppierungen, die er als potenziell gefährlich einstuft: Christlich-Konservative, Fundamentalisten und christliche Rechte. Er tut dies auf moralisierende, ausgrenzende Weise, um Menschen in ein vorgegebenes Raster zu pressen. Leider leben wir in einer Zeit, in der Meinungen nicht mehr diskutiert, sondern oft sofort etikettiert werden. Wer eine klassische christliche Überzeugung äußert, wird schnell in eine politische Schublade gesteckt.

Paulus schreibt: „Stellt euch nicht dieser Welt gleich.“ Das heißt: Lasst euch nicht von den aktuellen Trends definieren. Lasst euch nicht auf Etiketten festlegen, die andere über euch aussprechen. Lasst euch nicht einschüchtern von moralischen Rasterungen, die mehr spalten als klären. Christen haben seit 2000 Jahren unterschiedliche Meinungen vertreten – und doch denselben Herrn bekannt. Unser Maßstab ist nicht das jeweilige politische Koordinatensystem, sondern das Evangelium. Paulus selbst wurde falsch eingeordnet, missverstanden und politisch verdächtigt. Und doch blieb er gelassen, denn er wusste: Christus definiert mich – nicht die Welt. Bleiben wir also klar und orientieren wir uns an der Bibel. Bleiben wir freundlich und standhaft.

Gebet
Herr Jesus Christus, du kennst unsere Zeit und die Spannungen, in denen wir stehen. Gib uns Mut, unsere Überzeugungen klar und liebevoll zu vertreten. Amen.

Wie man ein neuer Mensch wird

In seiner Barmherzigkeit hat er uns zu neuen Menschen gemacht, durch eine neue Geburt, die wie ein reinigendes Bad ist. Das wirkte der Heilige Geist, den Gott uns durch unseren Retter Jesus Christus in reichem Maße geschenkt hat.
Titus 3,5-6

Wir haben uns gestern im Christen-Chat getroffen (Wir kommen jeden Sonntag um 19 Uhr zusammen. Jeder ist willkommen, und die Teilnehmen ist ganz einfach möglich) und uns über das schwierige Thema „Neugeburt/Wiedergeburt” unterhalten. Dabei sind Fragen aufgetaucht, u.a. was man darunter zu verstehen hat.

Die Neugeburt ist ein schöpferisches Eingreifen Gottes – ähnlich wie die erste Geburt, jedoch auf geistlicher Ebene. Sie ist notwendig, um das Reich Gottes sehen zu können (Joh 3,3). Neugeburt bedeutet, das alte Leben, das von Sünde, Selbstbestimmung und Entfremdung geprägt ist, hinter sich zu lassen und ein neues Leben, zu beginnen. Sie ist ein Werk des Heiligen Geistes. Sie ist somit Gnade und nicht eigene Leistung. Wichtig sind Umkehr (Bekehrung) und Sündenerkenntnis. Der Mensch erkennt seine Schuld, kehrt um und bittet Gott um Vergebung. Doch auch diese Umkehr ist bereits Frucht des Geistes und nicht die Folge menschlicher Anstrengung. Die Neugeburt führt zu einer neuen Identität. Wer neu geboren ist, ist Kind Gottes und Teil des Leibes Christi. Er ist nun dazu befähigt, ein geistliches Leben zu führen, und die Sünde hat ihn nicht mehr im Griff.

Wem diese Kurzfassung zum Thema „Neugeburt“ noch nicht genügt, wird empfohlen, frühere Andachten zu lesen, wie:
Was versteht man unter Wiedergeburt? (15.06.2025)
Von neuem geboren werden (08.04.2022)
Die Notwendigkeit der Wiedergeburt (28.03.2022)

Der Sieg, der uns trägt

„In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Johannes 16,33

Jesus spricht diese Worte nicht in einer ruhigen Stunde, sondern im Schatten des Kreuzes. Er bereitet seine Jünger auf etwas vor, das sie zutiefst erschüttern wird: Die Welt wird ihnen feindlich begegnen, weil sie zu ihm gehören. Das Wort, das Jesus für „Bedrängnis“ verwendet – thlipsis – meint nicht innere Unruhe oder alltägliche Sorgen und Ängste. Es beschreibt den Druck, der entsteht, wenn Glaube auf Widerstand trifft. Es ist das Leiden, das Christen erfahren, wenn sie in einer Welt leben, die Christus ablehnt. In Deutschland werden wir zwar (noch) nicht verfolgt, wenn wir uns zu Jesus bekennen. Dennoch ernten wir nicht selten Spott und Ausgrenzung. Jesus verschweigt diese Realität nicht. Er beschönigt sie nicht. Er sagt: „In der Welt habt ihr Bedrängnis.“ Das gehört zur Nachfolge. Doch mitten in diese Härte spricht er einen Satz, der größer ist als jede Bedrängnis:

„Ich habe die Welt überwunden.“

Es ist nicht etwas, was noch kommen wird, sondern: Es ist vollbracht. Der Sieg steht fest. Das ist kein psychologischer Trost, ein Satz als Lebenshilfe, sondern eine Tatsache. Christus hat die Mächte entmachtet, die seine Jünger bedrohen. Er hat die Welt überwunden – nicht indem er ihr auswich, sondern indem er sie durchlitt und durchbrach. Darum ist sein Friede kein Gefühl, das kommt und geht. Es ist die Gewissheit, dass wir in einer Welt voller Widerstand nicht allein stehen. Wir stehen auf der Seite dessen, der schon gesiegt hat.

Gebet
HERR Jesus Christus, du kennst die Bedrängnisse, denen wir. Du verschweigst nicht, dass Nachfolge manchmal schwer ist. Aber du stellst uns deinen Sieg vor Augen: Du hast die Welt überwunden. Lass uns mutig und treu leben, weil du der Sieger bist. Amen.