So vieles nervt mich jetzt

Ich bin zur Ruhe gekommen, mein Herz ist zufrieden und still. Wie ein kleines Kind in den Armen seiner Mutter, so ruhig und geborgen bin ich bei dir!
Psalm 131,2

Wie ich erfahren habe, gibt es ein bekanntes psychologisches Phänomen, das Menschen wie mich betrifft. Wir sind in einer Lebensphase angekommen, in der die großen Anforderungen weggefallen sind. Früher waren Beruf und die damit verbundene Verantwortung dominierend. Nun könnte man sich eigentlich zurücklehnen und gelassen dem Treiben in der Welt zusehen. Wir sind aber im Rentenalter immer noch im Ordnungs- und Kompetenzmodus. Unser Gehirn ist ein Problemlösungsapparat. Wenn es keine großen Probleme mehr gibt, sucht es sich kleine, um seine Aktivität zu rechtfertigen. Schon morgens sehe ich, dass die Zahnpastatube bald leer ist und ich Ersatz besorgen muss. Mit dem Fahrrad fahre ich zur nächsten Drogerie und merke, dass die Gangschaltung nicht perfekt eingestellt ist. Ich denke an eine E-Mail, die ich vor Tagen abgeschickt habe und die noch immer nicht beantwortet wurde. So geht es weiter, von Kleinigkeit zu Kleinigkeit. All das sind Mikroverletzungen meiner Ordnung, Autonomie und Kompetenz. Früher habe ich solche kleinen Irritationen gar nicht bemerkt, da sie von den großen Aufgaben überdeckt wurden. Jetzt, da ich älter bin, habe ich mehr Zeit, um Störungen zu registrieren, eine höhere Sensibilität für Kontrollverlust und eine geringere Toleranz für Nachlässigkeiten anderer.

Was könnte helfen, wenn mich dieser Kleinkram nervt? Anstatt mich darüber aufzuregen, könnte ich mir sagen: Ich bin nicht kleinlich, sondern wach. Ich nehme Dinge wahr, die andere übersehen. Das ist eine Stärke, keine Schwäche.

Eine noch bessere Hilfe ist unser Bibelvers. Wir können zur Ruhe kommen, wenn wir Gott auch die kleinen Dinge überlassen. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie uns nicht bestimmen sollen.

Übrigens wurde die neue Zahnpastatube inzwischen besorgt, und die Gangschaltung hat ein junger Techniker innerhalb weniger Minuten perfekt eingestellt. Meine Mail ist allerdings immer noch ohne Antwort. Ich denke jetzt: Vielleicht gibt es noch wichtigere Dinge in der Welt als meine Frage.

Gebet
HERR, du kennst meine kleinen Unruhen und meine stillen Ärgernisse. Du weißt, wie leicht mich manches aus der Balance bringt. Schenke mir ein Herz, das die Dinge sieht, aber nicht von ihnen gefangen wird. Gib mir Gelassenheit im Kleinen
und Vertrauen im Großen. Amen.

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