Die Kraft der Wiederholung
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!
Johannes 3,5
„Und manchmal bewegte der Nachtwind die Füße des Priesters so, daß sie wie stumme Klöppel einer taubstummen Glocke am Rand des Priestergewandes schlugen und, ohne einen Klang hervorzurufen, dennoch zu läuten schienen.“ Michael Maas bringt dies als Beispiel in seinem Buch „Die Schlange im Wolfspelz – Das Geheimnis großer Literatur“. Es geht um die Stelle in Joseph Roths Roman „Radetzkymarsch“, als es um den Anblick dreier, an Stricken hängender, Leichen geht. Das Adjektiv „stumm“ kommt in diesem Satz in auffälliger Weise zweimal kurz hintereinander vor. Im Deutschunterricht wurde uns eingebläut, nicht im gleichen Satz oder im nächsten dasselbe Wort zu benutzen. In der Schule ist das wohl so richtig. Schüler sollen Wiederholungen vermeiden und sich die Mühe machen, ein anderes Wort zu finden. Literaten dürfen sich aber wiederholen, um etwas zu betonen. Roth macht dies in souveräner Weise.
Auffällige Wiederholungen gehören auch zu den wichtigsten Stilmitteln der Bibel. Die Worte von Jesus werden eingeleitet mit „wahrlich,wahrlich“ im Original „amen,amen“. Das Beispiel zeigt, wie lächerlich es wäre, hier den Rotstift zu benutzen. Die Sprache Gottes ist gedächtnisorientiert. Wiederholungen unterstützen die Merkfähigkeit. Was besonders wichtig ist, wird wiederholt. Wiederholungen erinnern uns daran, dass wir von Gott beiläufig angesprochen werden, sondern mit Nachdruck. Er sagt nicht nur einmal, dass wir gemeint sind. Er sagt es zweimal und er sagt es noch öfter, bis es ankommt.
Gebet
HERR Jesus, du wiederholst, was wir so leicht überhören: dass wir von dir gerufen sind und getragen werden. Amen.