Die Illusion von der menschlichen Autonomie

Auch sie, die Schöpfung, wird von der Last der Vergänglichkeit befreit werden und an der Freiheit teilhaben, die den Kindern Gottes mit der künftigen Herrlichkeit geschenkt wird.
Römer 8,21

Was hat es mit diesem Geschenk der Freiheit der Kinder Gottes auf sich? Wie ist sie zu bewerten? Mir fällt dazu ein Satz aus einem Buch eines von mir persönlich bekannten Philosophen, einem eingefleischten Atheisten, ein: „Wir können alles, was wir tun, als den Vollzug einer von uns selbst gestalteten Choreografie begreifen.“

Das klingt schön – aber es ist eine Illusion. Denn unser Leben ist nicht die Bühne einer grenzenlosen Selbstgestaltung. Schon unsere Gewohnheiten, Neigungen und Verletzungen bestimmen uns stärker, als wir es zugeben. Wir sind nicht die Choreografen unseres Lebens, sondern oft eher die, die versuchen, im Takt zu bleiben.

Römer 8,21 zeigt uns eine andere, tiefere Wahrheit. Hier wird deutlich: Wir befreien uns nicht selbst – wir werden befreit. Wir gestalten nicht die große Choreografie – wir werden hineingenommen in Gottes Bewegung. Die eigentliche Freiheit kommt nicht aus uns, sondern auf uns zu. Die „Freiheit der Kinder Gottes“ ist keine Selbstbestimmung, sondern eine Gott-Bestimmung, die uns trägt, erlöst und verwandelt. Sie ist größer als jede Autonomie, weil sie nicht von unseren Kräften abhängt, sondern von Gottes Geist, der uns führt, tröstet und erneuert. So wird unser Leben nicht zur selbst erfundenen Choreografie, sondern zu einem getanzten Vertrauen: Wir dürfen Schritte lernen, die wir uns selbst nie hätten ausdenken können.

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