Andacht Heute

Wenn das Denken stolpert

Ich dachte: Ich will weise werden – sie blieb aber ferne von mir.
Prediger 7,23

Es gibt Komiker, die uns mit ihren Pointen zum Lachen bringen. Und dann gibt es Piet Klocke. Seine Kunstfigur, der Professor Hindemitt, ist kein Mann der Pointe, sondern ein Mann des Anakoluths, des abgebrochenen Satzes bzw. des Denkens, das schneller ist als die Sprache. Er beginnt mit „Also … ich wollte nur …“ und landet irgendwo zwischen Erkenntnisdrang, Selbstzweifel und gedanklichem Chaos. Wir lachen, weil wir uns wiedererkennen. Auch uns geschieht es. Wir wollen klare Sätze sprechen. Und dann verhaspeln wir uns.

Das Buch Prediger enthält jede Menge Anakoluthe, wie der obige Vers zeigt: Da sucht einer nach Weisheit, doch sie entgleitet ihm. Er muss entdecken, dass Gott ihm nicht im klaren Satz oder im perfekten Denken begegnet, sondern eher im Ringen und im Eingeständnis seiner Grenzen. Für uns bedeutet dies: Wir müssen nicht alles verstehen, um vor Gott bestehen zu können. Wir dürfen Fragen haben, wir dürfen Sätze abbrechen, wir dürfen über unser eigenes Denken stolpern. Ich denke dabei an unseren Bibelkreis. Dort darf man auch Gedanken äußern, die uns beim Lesen der Bibel durch den Kopf schießen und die wir nicht klar formulieren können. Oft ist ein abgebrochener Satz ehrlicher als ein perfekter. Wir dürfen sicher sein: Auch wenn wir in unserem Denken manchmal stolpern, gibt uns Gott den Halt, den wir brauchen.