Wenn Gottes Wort zu kurz wird
Tu nichts hinzu zu seinen Worten und lass nichts davon weg, damit er dich nicht zur Rechenschaft ziehe.
Sprüche 30,6
Es gibt Sätze, die klingen schön – aber sie tragen nicht mehr das Gewicht, das sie ursprünglich hatten. So kann es auch mit Bibelversen passieren, wenn man sie zu stark verkürzt. Dann bleibt ein frommer Gedanke übrig, aber der biblische Ernst, die Herausforderung, die Tiefe – sie verschwinden.
Ein Beispiel habe ich in meiner Andacht „Gott fordert Gerechtigkeit“ ausführlicher beschrieben. Dort ging es um einen Vers aus 2. Mose 23, der in der Herrnhuter Losung nur als kurzer Halbsatz erschien. Doch im Original spricht Gott über etwas sehr Konkretes: über Wahrhaftigkeit vor Gericht, über Mut zur Wahrheit, über Gerechtigkeit, die nicht dem Druck der Menge nachgibt. Erst im Zusammenhang wird klar, was Gott wirklich meint. Er nimmt uns ernst. Deshalb spricht er in Geschichten und in Zusammenhängen. Er speist uns nicht mit oberflächlichen Sprüchen ab, sondern fordert uns heraus und bringt uns zum Nachdenken. Wenn wir nur auf griffige Sätze aus sind, dann reduzieren wir sein wertvolles Wort auf das Niveau von Kalenderblattsprüchen.
Wer sich die Zeit nehmen will, kann hier meine Andacht vom 12.06.2022 nachlesen, in der ich anhand eines konkreten Beispiels die Problematik der Verkürzung von Bibeltexten dargestellt habe:
Gott fordert Gerechtigkeit – Andacht Heute