Andacht Heute

Jesus ist Gott

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Johannes 1,1

Vom Dipl.-Theol., Autor und Dozenten Markus Voss erreichte mich heute ein Mail mit dem Link auf sein Video „Jesus ist Gott – Hier steht’s“. Die dazu einleitenden Zeilen haben mich beunruhigt: „Jesus ist der menschgewordene Gott, genau wie im Alten Testament angekündigt. Das wird in den nächsten Jahren immer mehr angefochten werden und manche Kirchen und Gemeinden haben es leider jetzt schon aufgegeben, das zu lehren.“

Ich fragte mich, ob das wirklich sein kann, weil die Inkarnation („Gott wird Mensch“) ein Kern des christlichen Glaubens ist. Dies ist auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis verankert, das im Gottesdienst regelmäßig gesprochen wird. Darin wird Jesus Christus als eingeborener Sohn Gottes, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von Maria, gestorben und auferstanden, zur Rechten Gottes sitzend bekannt. Es ist also so: Nicht nur konservative Freikirchen, auch die offizielle EKD (Evangelische Kirche Deutschlands) hält daran fest, dass Jesus der menschgewordene Gott ist. Was man sagen könnte: Die EKD benutzt heute eine dem heutigen Verständnis nach angepasstere Sprache. Statt eindeutig zu sagen „Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch“, sagt sie eher „In Jesus begegnet uns Gott selbst.“ Und sie tritt vielleicht Strömungen der liberalen Theologie (z.B. Jungfrauengeburt wäre nur symbolisch zu verstehen), der Bultmann-Schule (z.B. die Auferstehung wäre kein historisches Ereignis gewesen, sondern eine Glaubenserfahrung) und der „progressiven“ Theologie (Dogmen sind „sprachliche Modelle“) nicht entschieden genug entgegen und lässt dies alles zu, um der Pluralität zu frönen.

Jedenfalls sollten wir als einzelne Christen darauf achten und falls nötig Protest einlegen, wenn es zu einer Abweichung vom zentralen Inhalt unseres Glaubens kommt. Denn bereits im Johannesevangelium steht ganz am Anfang (siehe oben) der Beleg für seine wesenhafte Göttlichkeit, weil im weiteren Verlauf des Kapitels das „Wort“ (griech. logos) eindeutig mit Jesus identifiziert wird.

Ein Gott auf Sparflamme

Der Geist weht, wo er will.
Johannes 3,8

In theologischen Diskussionen ergeben sich oft unterschiedliche Ansichten über die Souveränität Gottes. Das eine Lager stellt sich einen Gott vor, der sich an die Naturgesetze hält. Das andere betont Gottes Allmacht, die sich in Wundern, Heilungen und konkreten Gebetserhörungen zeigt. Im einen Fall handelt Gott – wenn überhaupt – verborgen und leise, im anderen kann er jederzeit eingreifen.

Es würde zu weit führen, den Einfluss des Deismus in der Aufklärung für die erste Position hier zu erläutern. Die damalige Auffassung, die in Gott einen Uhrmacher sah, der alles in Gang gesetzt hat, dann aber alles laufen hat lassen, gilt inzwischen längst als überholt. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass sich darin immer noch ein moderner Alltagsglaube ausdrückt, der zwar noch von „irgendetwas Höherem” spricht und davon, dass „Gott die Welt gemacht hat”, jedoch nicht daran glaubt, dass er eingreift. Das klingt vernünftig, kollidiert nicht mit der Naturwissenschaft und ist mit der heutigen Denkweise kompatibel. Doch leider reduziert dies Gott zu einem Wesen auf Distanz, zu einem einstigen Feuer, das nur noch im Hintergrund glimmt. Theologen, die diese Sichtweise vertreten, übersehen, dass Gott jederzeit konkrete Macht entfalten kann. Wir müssen seine Nähe und sein Eingreifen ernst nehmen.

Ach, Herr HERR! Siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm; dir ist nichts unmöglich.
Jeremia 32,17

Hilfe für Skeptiker

Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nahe sein.
Jakobus 4,8

Ich frage mich, was Menschen davon abhält, an Gott zu glauben. Meiner Ansicht nach lehnen sie ihn häufig nicht bewusst ab. Nur selten sagt jemand, dass er ein überzeugter Atheist ist. Oft sagen Menschen, dass es vielleicht eine höhere Macht geben mag, die sie jedoch nicht erkennen können. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Nichtgläubigen Gottverdränger. Sie weichen zeitlebens der Frage nach Gott aus und führen eine Vielzahl an Gründen an: schlechte Erfahrungen mit Kirchen, Angst vor Freiheitsverlust oder Ablenkung durch die Anforderungen in Beruf und Familie. Oft hört man auch, dass man ein moralisch einwandfreies Leben führe und einige Christen kenne, die sich so nennen, aber scheinheilig seien.

Was kann man diesen Menschen sagen, um sie zum Nachdenken über Gott zu bringen? Ich neige dazu, ehrlich von mir zu sprechen und zu versuchen, dem anderen verständlich zu machen, was mich selbst zu Gott geführt hat. Auch, wie der Glaube mein Leben bereichert hat. Wie mir durch ihn die Fragen nach Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit beantwortet wurden. Mir ist bewusst, dass ich niemals aus eigener Kraft einen Skeptiker überzeugen kann. Das kann nur Gott gelingen.

Gebet: HERR, hilf mir, im Umgang mit Menschen, die nicht glauben können oder wollen, die richtigen Worte zu finden. Anstatt sie zu bedrängen, möchte ich sie auf ihrem Weg zu dir begleiten. Gib mir die dazu nötige Geduld, Liebe und das Vertrauen darauf, dass du jeden Menschen in seinem Herzen berühren kannst.