Andacht Heute

Das Endgericht wird für alle kommen

Denn einmal werden wir uns alle vor Christus als unserem Richter verantworten müssen. Dann wird jeder das bekommen, was er für sein Tun auf dieser Erde verdient hat, mag es gut oder schlecht gewesen sein.
2. Korinther 5,10

Der Absolutismus geht davon aus, dass der jeweilige Herrscher Souverän seines Volkes ist. Er musste in der Lage sein, den Untertanen Gesetze vorzuschreiben, an die sich alle halten mussten – außer er selbst. In diesem strikten Absolutismus durfte der Fürst tun und lassen, was er wollte. Er stand über dem Gesetz. Der Fürst konnte von keinem Menschen zur Rechenschaft gezogen werden und es gab auch kein Widerstandsrecht. Es gab jedoch ein Korrektiv. Die einzige Instanz, die er fürchten musste und die ihm eines Tages den Prozess machen würde, war das göttliche Gericht. Er musste sich dann zwar nicht vor den Menschen, aber vor Gott verantworten. Welches Gericht könnte objektiver und unvermeidlicher sein? Das dämpfte das Problem der Absolutheit und unumschränkten Macht wieder ein. Das Volk wusste: Was immer hier auf Erden geschieht, muss hingenommen werden, aber man darf darauf vertrauen, dass es im Jenseits wieder in Ordnung gebracht wird.

In dieser Zeit haben wir in unserem Land formal die Demokratie und ein Grundgesetz, in dem steht, dass „alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht”. Der Absolutismus wird als etwas völlig Überholtes belächelt. Doch damals wusste noch jeder im Land, dass wir uns am Ende alle „vor unserem Richter Christus verantworten müssen”. Heute haben viele das vergessen. Wer nicht mehr an das letzte Gericht denkt, ist nur darauf bedacht, vom irdischen Gericht nicht behelligt zu werden. Wir sind aber keine zufälligen Staubkörner im Universum, sondern von Gott geschaffene Geschöpfe, die sich für ihre Taten verantworten müssen. Wenn wir die Mahnung aus dem Korintherbrief verdrängen, wie es heute geschieht, dann rühren wir damit nicht nur an einem Kernpunkt christlicher Ethik, sondern nehmen uns auch die Hoffnung auf endgültige Gerechtigkeit. Dann machen wir Christus nur zu einem moralischen Vorbild, und es wird uns nicht mehr bewusst, dass ER unser Erlöser ist, der uns richtet und rettet.

Der Geist als Anzahlung

Auf dieses neue Leben hat uns Gott vorbereitet, indem er uns als sicheres Pfand dafür schon jetzt seinen Geist gegeben hat. Deshalb sind wir jederzeit zuversichtlich, auch wenn wir in unserem irdischen Leib noch nicht bei Gott zu Hause sind. Unser Leben auf dieser Erde ist dadurch bestimmt, dass wir an ihn glauben, und nicht, dass wir ihn sehen.
2. Korinther 5,5-7

    Heute ist es im Geschäftsverkehr nicht mehr üblich, bei einer Anzahlung, die Teil eines Kaufvertrags sein kann, von Pfand oder Unterpfand zu sprechen. In der Wirtschaftssprache zur Zeit der Bibel war jedem klar: Wenn jemand ein Unterpfand leistete, kam der Rest der Zahlung sicher beim Verkäufer an. Dies war nicht nur ein symbolischer Akt, sondern die Handlung war auch rechtlich bindend. Paulus greift dieses Alltagsbild auf und sagt: Gott hat uns den Heiligen Geist gegeben – als erste Rate der kommenden Herrlichkeit.

    Paulus spricht vom Heiligen Geist als einem ersten Vorgeschmack auf das kommende Leben. Von ihm geht eine Kraft aus, die uns verwandelt und das neue Leben schon jetzt in uns wirksam macht. Der Geist garantiert Gottes Treue. Er ist mehr als nur ein Gefühl, nämlich Gottes bindende Zusage, dass er sein Werk an uns vollenden wird. Wer den Geist hat, hat bereits den Anfang der neuen Schöpfung in sich. Er schenkt uns den Glauben und das Vertrauen auf ein gutes Ende. Der Geist befähigt uns, in dieser Zwischenzeit zu leben – vertrauend und nicht verzweifelnd. Wir können Gott noch nicht sehen, aber an ihn glauben. So dürfen wir ein Leben führen, das von Gottes Zusage getragen ist.

    Sehnsucht nach dem neuen Leib

    Voll Verlangen sehnen wir uns danach, den neuen Leib schon jetzt überzuziehen wie ein Gewand, damit wir nicht nackt, sondern bekleidet sind, wenn wir unseren irdischen Körper ablegen müssen.
    2. Korinther 5,2-3

      Die Bilder, die Paulus hier verwendet, stammen aus der antiken Kleidungssprache. „Nackt“ bedeutet in diesem Kontext nicht moralisch nackt, sondern ohne Leib, also rein geistig. „Bekleidet“ bedeutet demnach, mit einem Leib ausgestattet zu sein. An anderer Stelle schreibt Paulus, dass die Auferstehung zwar körperlich ist, der neue Leib jedoch verwandelt ist. Damit steht er im Gegensatz zu den griechischen Philosophen, die glaubten, dass ein körperloser Geist die höchste Stufe der Existenz sei. Sie betrachteten den Körper als ein Gefängnis für die Seele und sahen keinen Vorteil darin, in einem anderen Körper auferstehen zu können. Der Leib wurde jedoch von Gott geschaffen und ist an sich nicht negativ. Das wird schon dadurch deutlich, dass Jesus selbst als Mensch geboren wurde.

      Wir dürfen uns dieses endgültige Sein in der Ewigkeit also nicht als körperloses Schweben vorstellen, sondern als eine erneuerte, leibliche Existenz in Gottes neuer Schöpfung. Wie dieser neue, auferstandene Leib aussehen wird, wissen wir allerdings nicht. Dem Baptistenprediger John Bunyan wurde einmal die Frage nach dem Aussehen unseres Körpers im Jenseits gestellt. Er gab zu, sie nicht beantworten zu können, da die Bibel hierzu keine genaueren Angaben enthält. Er riet dem Fragesteller, „ein gottgefälliges Leben zu führen, in den Himmel zu kommen und sich ein eigenes Bild davon zu machen.“