Andacht Heute

Die Bürde des Fleisches

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel
Philipper 3,20

Wir haben es hier mit einem Emblem zu tun, d.h. einer Kombination aus Motto, Bild und erklärenden Text, die gemeinsam eine moralische, religiöse oder politische Lehre vermittelt. Die Grafik von Jakob Bornitus stammt aus der Zeit um 1600 und besteht als Emblem aus einem

  • Motto im kreisförmigen Rand: NOSTRUM POLITEUMA IN COELIS (zu Deutsch: Unsere Gemeinschaft ist im Himmel, siehe auch Phil 3,20 oben).
  • Das Bild zeigt einen Mann mit schwerem Rucksack, der den Weg auf einen Berg betrachtet. Am Gipfel ist zu sehen, wie sich ein Mensch anschickt, über eine Leiter in die Wolken zu steigen. Der erläuternde Text steht über dem Bild in Lateinisch:
    Patria non nobis heu est; quaerenda superne
    Hanc pete, sustuleris si grave Carnis onus.

    (Übersetzt: Unser Vaterland gehört uns nicht; wir müssen es oben suchen. Sucht es, indem ihr die schwere Last des Fleisches ablegt.)
  • Der erläuternde Text ohne den anschließenden Kommentar:
    So dein wandell im Himmel ist /
    Des Fleisches bürd leg ab / Zurüst.

    (Sinngemäß: Wenn dein Lebenswandel himmlisch sein soll, dann lege die Last des Fleisches ab und rüste dich dafür.)

Damit erklärt sich das Bild: Der Wandersmann im Vordergrund muss die schwere, weltliche Bürde des Lebens ablegen, wenn er sich auf den Weg in den Himmel machen will. Dieser Ballast besteht aus körperlichen Schwächen (übermäßiges Essen und Trinken, Genusssucht, Trägheit), weltlichen Sorgen und Verpflichtungen (Besitz, Geschäftigkeit, soziale Erwartungen) sowie moralischen Schwächen (Hochmut, Zorn, Neid, Unkeuschheit, Habgier). Hinzu kommt die allgemeine Gebrechlichkeit der durch den Sündenfall geschwächten menschlichen Natur.

Was bleibt einmal von uns?

Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir, wie alle unsere Väter. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibt nicht bestehen.
1. Chronik 29,15

Danny Gregory ist ein US-amerikanischer Autor, Zeichner und Kreativcoach. Er wurde weltweit bekannt, weil er Menschen dazu ermutigt, durch alltägliches Zeichnen ihre Kreativität wiederzuentdecken. Für ihn ist Zeichnen ein Weg, die Welt bewusster wahrzunehmen. Dazu kann jeder ein Notizbuch zur Hand nehmen und darin nach Herzenslust zeichnen und schreiben – ganz ohne Perfektionismus. Gregory besitzt Hunderte von Skizzenbüchern, die sein Leben über Jahrzehnte dokumentieren. Irgendwann stellte sich ihm die Frage, was damit nach seinem Tod geschehen soll. Er hat dann für sich beschlossen, dass er damit leben kann, wenn alles einmal weggeworfen wird. Seine Skizzenbücher betrachtet er eher als Werkzeuge des Lebens. Sie haben ihren Wert vor allem für ihn selbst und allenfalls für die Menschen, die ihm nahestehen. Ein gläubiger Mensch hat den zustimmenden Kommentar geschrieben: „Ich betrachte mich als vorübergehenden Bewohner dieser Welt mit einem befristeten Auftrag. Das Beste kommt noch … mein Zuhause ist nicht hier.“

In der Bibel, 1. Chronik 29, steht, dass wir am Ende unseres Lebens alles zurücklassen müssen. Unsere Identität sollte nicht an unserem Besitz und dem hängen, was wir hier geschaffen haben. Das schenkt uns Freiheit, gerade weil wir nichts festhalten können. Wir sind Gäste auf Erden, unterwegs zu einer Heimat, die uns bereits erwartet.

Nützliche Gedankenfilter

Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!
Philipper 4,8

Die bekannte Psychologin Dr. Eva Wlodarek rät, aufsteigende Gedanken, die besonders durch die Bemerkungen anderer entstehen – „Das kannst du nicht“ oder „Du bist immer so …“ –, nicht ungeprüft zu übernehmen. Solche Gedanken können sich wie kleine Stachel festsetzen. Man sollte sich fragen: Hilft mir dieser Gedanke weiter? Macht er mich stärker, klarer und handlungsfähiger? Oder schwächt er mich, verunsichert er mich und macht mich klein? Wenn ein Gedanke nicht nützlich ist, schlägt sie vor, ihn durch einen realistisch-positiven zu ersetzen. Ein Beispiel: Aus „Die anderen finden mich unkompetent“ wird „Ich weiß, was ich kann – und ich kann mich weiterentwickeln.“

Wir können uns den Vers aus Philipper auch als nützlichen Gedankenfilter in sieben Stufen vorstellen. Nehmen wir einen aufsteigenden Gedanken und prüfen ihn.

  1. Ist es wahrhaftig?
    Stimmt das überhaupt? Oder ist es nur eine Befürchtung, eine Übertreibung, eine alte innere Stimme?
  2. Ist es ehrbar?
    Hebt mich dieser Gedanke innerlich aufrecht – oder macht er mich klein, schäbig, bitter?
  3. Ist es gerecht?
    Beurteilt er mich oder andere fair? Oder ist er einseitig, hart, ungerecht?
  4. Ist es rein?
    Ist er frei von destruktiver Energie – Neid, Groll, Misstrauen, Selbstverachtung?
  5. Ist er liebenswert?
    Führt er mich zu Liebe, Güte, Wohlwollen – oder weg davon?
  6. Hat er einen guten Ruf?
    Würde ich diesen Gedanken jemandem anvertrauen, den ich respektiere?
    Oder wäre er mir peinlich, weil er nicht meinem besten Selbst entspricht?
  7. Ist er tugendhaft und lobenswert?
    Bringt er etwas Gutes hervor? Baut er auf? Führt er zu Dankbarkeit, Mut, Frieden?

Philipper 4,8 ist wie ein Sieb, das Gott uns in die Hand gibt. Alles darf hineinfallen – aber nur das, was Gott gefällt, soll bleiben. Der Rest kann weiterfließen.