Andacht Heute

Wenn Gott uns aus dem Grau herauszieht

Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.
Psalm 103,4

Die Münchner Geschichten ist eine TV-Serie aus den 1970er Jahren, die noch heute populär ist. Darin trat der Volksschauspieler Karl Obermayr als Wirt auf, der über die Sinnhaftigkeit seines Daseins sinniert: „Und dann sperr’ ma’ wieder auf und dann sperr’ ma’ wieder zua …“ Viele Menschen erleben Zeiten, in denen das Leben grau wird. Oft ist es ein schleichender Prozess. Man steht morgens auf und spürt: Wozu eigentlich? Aufgaben werden zwar erledigt, erfüllen aber nicht mehr. Das ist eine Form des Verderbens, wie sie im Psalm beschrieben wird.

Gott kann uns aus dem Gefühl herausziehen, dass unser Leben wertlos ist. Es kann ein Wort sein, das uns wieder aufrichtet. Die Begegnung mit einem Menschen, der sich uns zuwendet, kann uns zeigen: „Ich bin nicht allen egal.“ Ein Bibelvers lässt aufmerken: „Du bist gewollt.“ Vielleicht erkennen wir, dass wir uns seit Jahren kleinreden, und beginnen plötzlich, anders über uns zu sprechen. Niemand verlangt von uns, dass wir uns für unsere bloße Existenz entschuldigen. Wir dürfen jederzeit mit Überzeugung in ein Gespräch sagen: „Ich bin der Meinung, …” oder „Ich sehe das so: …”. Gott schenkt uns eine Würde, die nicht von unserer Leistung und unserem Ansehen abhängt. Wir dürfen uns über seine „Gnade und Barmherzigkeit” freuen. „Krönung durch Gott” bedeutet: „Du hast Wert. Du hast Würde.” Er erhebt uns zu dem, was wir in seinen Augen sind: Jeder von uns ist ein einzigartiges Geschöpf, das von Gott geliebt wird.

Gebet
HERR, du kennst das, was uns zerstört, und du lässt uns nicht darin verderben. Danke, dass du uns herausziehst aus Sinnlosigkeit, aus Selbstabwertung, aus innerer Dunkelheit. Amen.

Vergebung und Heilung

Er vergibt dir all deine Schuld und heilt alle deine Krankheiten.
Psalm 103,3

Wie hängen Schuld und Krankheit zusammen? Es sind zwei Bereiche, die wir am liebsten verbergen würden. Schuld macht uns angreifbar und Krankheit lässt uns schwach erscheinen. Doch Gott kennt uns durch und durch. Vor ihm müssen wir ehrlich sein. Wie dankbar müssen wir ihm doch sein: Er ist es, der uns alle unsere Schuld vergibt. Das bedeutet für uns, dass wir nicht mehr mit unseren alten Lasten leben müssen. Wir müssen auch nicht ständig beweisen, dass wir „besser” geworden sind. Und wir dürfen aufhören, uns selbst zu verurteilen. Wenn im Psalmvers davon die Rede ist, dass Gott alle Krankheiten von uns nimmt, dann sind damit nicht nur die körperlichen gemeint. Es geht auch um innere Brüche, seelische Wunden, verzerrte Selbstbilder, Angst, Scham und Erschöpfung. Gott geht also an die Ursachen und nicht nur an die Symptome. Es geht nicht darum, dass wir in dieser Welt funktionieren, sondern dass wir frei werden und wirklich leben.

Wie Schuld und Krankheit gehören auch Vergebung und Heilung zusammen. Das eine kann es nicht ohne das andere geben. Wir würden mit uns unversöhnt bleiben, wenn uns Gott zwar geheilt, er uns aber nicht vergeben hätte. Konkret bedeutet das: Wir dürfen Gott etwas zeigen, das wir bisher versteckt haben. Wir dürfen etwas loslassen, das uns schon lange belastet. Wir dürfen glauben, dass Heilung möglich ist, selbst dort, wo wir sie nicht mehr erwarten. Wir dürfen neu leben – nicht aus Angst, sondern aus Gnade.

Gebet
HERR, vergib mir, was mich von dir trennt. Heile, was in mir verletzt ist. Mach mein Herz frei, damit ich heute aus deiner Gnade leben kann. Amen.

Dankbarkeit beginnt im Inneren

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Psalm 103,2

Der Psalm 103, der in der Neuen evangelistischen Übersetzung mit „Das große Dankgebet“ überschrieben ist, beginnt nicht mit einer Liste von Gottes Wohltaten, sondern mit diesem Ruf ins eigene Herz.

David tut hier etwas, das wir nur selten bewusst tun: Er spricht zu seinem Innersten. Er ruft nicht zuerst die Gemeinde, nicht Israel, nicht die Welt – er ruft seine eigene Seele. Bevor wir die einzelnen Gründe des Dankes betrachten – Vergebung, Heilung, Rettung, Gnade und Erneuerung –, wollen wir uns mit David auf den Weg nach innen machen. Denn echter Dank entsteht nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus konkreter Erinnerung. Zu schnell kommen uns Gebete über die Lippen, die vorwiegend aus vielfach verwendeten Lobesfloskeln bestehen. Davids Worte laden uns ein, die Spuren Gottes in unserem Leben nicht zu übersehen. Er zeigt uns, dass Dankbarkeit eine geistliche Übung ist, ein bewusstes Erinnern an das Gute, das Gott jedem von uns getan hat.

In den kommenden Tagen möchte ich diese Übung des genauen Hinsehens anhand der in diesem Psalm aufgeführten Gründe des Dankes vertiefen. Vergessen wir dabei nicht: Dank beginnt im Inneren. Dank wächst im Erinnern. Dank führt ins Lob.

Gebet
HERR, schenke uns die Klarheit, uns zu erinnern an das Gute, das du getan hast. Amen.