Andacht Heute

Was ich sehe – und was ich befürchte

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
2. Timotheus 1,7

In einem Online-Seminar zur Prävention sexualisierter Gewalt habe ich unter anderem gelernt, wie man mit Fällen richtig umgeht, bei denen man sich nicht sicher ist, ob man es wirklich mit übergriffigem Verhalten zu tun hat. Es wurde mir empfohlen, erst einmal eine Dokumentation anzulegen und in einer Spalte möglichst wertfrei meine eigenen Beobachtungen einzutragen: Was habe ich erlebt? Was weiß ich sicher? Was ist überprüfbar? In die zweite Spalte kommen meine Vermutungen und Hypothesen. Hier kann ich meine Gedanken dazu niederschreiben: Welche Befürchtungen tauchen in mir auf? Wie interpretiere ich den Vorfall? Es geht also darum zu erkennen: Was habe ich wirklich gesehen, und was macht mein Kopf daraus? Plötzlich wurde mir klar: Genau so funktionieren auch meine Sorgen im Leben.

Zur Begrenzung meiner Sorgen können folgende Gedanken helfen: Aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus stellen wir Vermutungen auf. Oft neigen wir dazu, das Schlimmste zu befürchten. Das führt zu Kummer und negativem Stress. Wir sollten deshalb sämtliche Vermutungen – so gut es geht – nüchtern betrachten und anhand von Fakten auf Angemessenheit prüfen. Übertriebene Sorgen bis hin zu panischem Verhalten entstehen, wenn wir unsere Vermutungen für Fakten halten. Gott lädt uns ein, beides zu unterscheiden und das Schwere in seine Hände zu legen. Er nimmt uns nicht die Realität ab, aber er nimmt uns die Last der Befürchtungen, wenn wir sie ihm anvertrauen.

Erfülltes Leben

Es gibt ein erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche, das schrieb Bonhoeffer an seinen Freund aus dem KZ Flossenburg, wo er mit 39 Jahren 1945 hingerichtet wurde. Er war in der Widerstandsbewegung gegen Hitler hingerichtet worden.

Dietrich Bonhoeffer

Geboren: 4. Februar 1906 in Breslau
09. April 1945 im KZ Flossenbürg

Die evangelische Kirche feiert in diesem Jahr besonders Dietrich Bonhoeffer, weil zwei große Gedenkanlässe zusammenfallen und seine Stimme für die Gegenwart neu wichtig geworden ist.

1) 120. Geburtstag im Jahr 2026

Am 4. Februar 2026 wäre Bonhoeffer 120 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum wird kirchlich breit begangen, mit Vorträgen, Lesungen und Gedenkfeiern, um sein Denken neu zu erschließen und seine Stimme für heute hörbar zu machen.

2) 80. Todestag (2025/2026)

Rund um den 80. Jahrestag seiner Hinrichtung (9. April 1945) erinnert die EKD an seinen Mut, seine Glaubensstärke und seinen Widerstand gegen das NS‑Regime. Gemeinden in ganz Deutschland gestalten dazu Gedenkveranstaltungen.

Kirchenlied: Von guten Mächten wunderbar umgeben (Text v. Bonhoeffer)

Wenn das Unrecht triumphiert

Entrüste dich nicht über die Menschen, die Böses tun; beneide nicht die Leute, die Unrecht üben!
Psalm 37,1

Ist es nicht oft ernüchternd zu sehen, wenn die „Cleveren“ gewinnen. Sie umgehen Regeln, zahlen zu wenig Steuern und nutzen jedes Schlupfloch, um sich zu bereichern oder durchzusetzen. Unsere Bürokratie trifft häufig die Falschen: Wer ehrlich ist, bekommt Probleme; wer trickst kommt schneller ans Ziel. Die Frage lautet: Wie kann ich selbst aufrecht und ehrlich auf meinem Weg bleiben, wenn mich all die Ungerechtigkeit in der Welt erschüttert?

Im Psalm 37 erklärt David, wie Gläubige mit dem Erfolg von Gottlosen umgehen können. Er beginnt mit der Mahnung, sich nicht aufzuregen, wenn Menschen sich rücksichtslos durchsetzen und offensichtlich zeigen, dass man mit brutalem Auftreten weit kommen kann. Wir sollten gelassen bleiben. Aufkommender Ärger, Zorn und Neid würden uns nur in die Irre führen. Wir können abwarten und am Schicksal der Gottlosen erkennen, dass ihr Erfolg nur von kurzer Dauer ist. Sie werden „vergehen wie Rauch”.

Demgegenüber werden die Gerechten von Gott getragen, geschützt und aufgerichtet. Auch wenn sie fallen, bleiben sie nicht liegen. Sie verlieren ihr „Erbe”, die Zusagen Gottes, niemals, weil er die Seinen nicht verlässt. Der Psalm 37 ist so wertvoll, weil er uns in Situationen weiterhilft, in denen wir sehen, dass das Böse zu siegen scheint und unser Gerechtigkeitsempfinden stark leidet. Er verbindet Glauben mit praktischer Lebenshaltung: Vertrauen, Geduld und Gelassenheit. Er wirkt wie ein Gegenmittel gegen Verbitterung und spendet Trost, wenn wir ihn benötigen.