Andacht Heute

Moderne Autonomiekonzepte und die Bibel

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!
Jesaja 29,16

In diesem Vers kritisiert der Prophet Jesaja eine Haltung, in der sich der Mensch über seinen Ursprung erhebt. Das Bild vom Töpfer und Ton macht dabei mehrere Dinge deutlich: Der Mensch ist Geschöpf und nicht Ursprung seiner selbst. Seine Autonomie ist abgeleitet und nicht absolut. Selbstüberschätzung führt zur Blindheit.

Bei dem daraus entstehenden Konflikt geht es um die verlorene Beziehung zu Gott. Dies zeigt sich in den modernen Autonomiekonzepten sehr deutlich. Hier wird der Mensch als Urheber seiner Entscheidungen propagiert. Aus dieser Selbstbestimmung wird die Würde des Menschen abgeleitet. Die moralische Verantwortung liegt demnach allein beim Menschen selbst und nicht gegenüber Gott. Freiheit erscheint somit als unabhängige Selbstbestimmung.

Wir sehen, dass diese Konzepte völlig ohne Gott auskommen. Der Mensch entwirft sich selbst und verkennt dabei, dass er ein Geschöpf Gottes ist. Er fragt sich: „Was willst du – und wie entscheidest du?“, anstatt sich die Frage zu stellen: „Wer bist du – und wem gehörst du?“, wie es in der Bibel heißt. Wer sich an die Schrift hält, für den ist der Mensch nicht unfrei, aber seine Freiheit ist eine gebundene Freiheit (Luther sprach von der „Freiheit eines Christenmenschen”). Seine Identität entsteht nicht aus reiner Selbstbestimmung heraus, sondern aus seiner Beziehung zum Schöpfer.

Der Weg zum guten Gespräch

Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor; denn wovon sein Herz voll ist, davon redet sein Mund.
Lukas 6,45

Es handelt sich hierbei nicht um eine Anleitung für gelingende Kommunikation. Es geht nicht nur um das richtige Formulieren, also um den Verstand allein. Dafür gibt es inzwischen jede Menge Ratgeberliteratur. Ein Beispiel ist das dreibändige Grundlagenwerk „Miteinander reden” von Friedemann Schulz von Thun über Kommunikationsmodelle, Missverständnisse und Gesprächsdynamiken. So etwas ist sicher wertvoll und kann uns helfen, uns gegenseitig besser zu verstehen.

Was Jesus uns in diesem Vers sagt, geht jedoch weit darüber hinaus. Er drückt eine Wahrheit aus, die uns zum Nachdenken bringen soll, bevor wir unsere Gedanken äußern. Wir sollten uns fragen, wie es in unserem Herzen aussieht. Gute Gespräche entstehen dort, wo Menschen innerlich geklärt sind. Verletzende Gespräche entstehen hingegen dort, wo Unruhe, Angst oder Bitterkeit vorherrschen. Schauen wir genau hin, was hier geschrieben steht! Jesus sagt nicht: „Rede freundlich!” Er sagt: „Ein gutes Herz bringt gute Worte hervor.“

Licht und Dunkelheit

Aber der Pfad des Gerechten ist wie der Glanz des Morgenlichts, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. Der Weg der Gottlosen ist dichte Finsternis; sie wissen nicht, worüber sie straucheln.
Sprüche 4, 18-19

Stehen wir im Leben nicht oft vor Weggabelungen? Welche Ausbildung soll ich machen? Welchen Partner soll ich wählen? In welche Kirchengemeinde soll ich gehen? Es müssen nicht immer die großen Entscheidungen sein, auch im Alltag fragen wir uns oft, was wir tun sollen. In unseren Versen geht es um einen starken Kontrast. Da ist vom „Dunkel” die Rede, das für innere Unruhe, Verwirrung und Selbsttäuschung steht. Wer ohne Orientierung lebt, stolpert leichter über das, was er nicht sieht. Er weiß nicht einmal, was ihn ins Straucheln gebracht hat.

Der Weg im Licht, den die Gerechten einschlagen, ist ein Bild für Orientierung im Leben. Diese entsteht nicht auf einen Schlag, sondern wächst. Die Gerechten sind nicht das Licht, aber ihr Weg wird hell für sie. Selbst wenn der Anfang noch grau und unsicher ist, wenn ihre Ausrichtung stimmt, nimmt das Licht immer mehr zu. Es ist ein Prozess zunehmender Klarheit. Das Licht macht die Welt für einen Gläubigen erkennbarer. Wer sich an Gottes Weisheit orientiert, sieht Zusammenhänge deutlicher – im eigenen Leben, in Beziehungen und bei Entscheidungen. Gerade in Krisenzeiten kann dieses Bild vom zunehmenden Glanz auf dem Weg Mut machen. Das Licht wächst nicht durch Leistung, sondern durch Treue im Gehen.