Andacht Heute

Spott als Normalzustand

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.
Sprüche 17,5

In den sozialen Netzwerken finden wir heute Spott und Hohn in jeder Dimension. Oft wird in Gruppen über Menschen gelacht, die schwach sind oder sich blamiert haben. Dann ergießt sich ein Shitstorm über die Bedauernswerten, die sich nicht dagegen wehren können. In diesen Medien fehlt zweifellos der Blickkontakt, und damit auch die Hemmungen, jemanden zu verletzen. Man gewöhnt sich an eine Haltung der Schadenfreude und Häme, die im echten Leben niemand gutheißen würde.

Wer dies beobachtet, sollte nicht schweigen. Wir sollten den Mut haben, jemanden zu verteidigen, der verspottet wird. Wenden wir uns dagegen, wenn wir sehen, dass ein Mensch mit Spott und Schadenfreude verletzt wird. Wie wir aus dem Spruch ersehen, wird durch Spott über einen Armen und Schwachen auch Gott selbst verletzt. Niemand muss sich wundern, dass diese Verrohung der menschlichen Beziehungen seine Folgen haben wird.

Übt Recht, erweist einander Liebe und Barmherzigkeit! Unterdrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremden und Armen; und keiner sinne Böses in seinem Herzen gegen den anderen.
Sacharja 7,9-10

Mut zum Bekenntnis

Gebt diesen Glaubensmut jetzt nicht auf! Er wird einmal reich belohnt werden.
Hebräer 10,35

Meist wird hier mit „Zuversicht” (Elberfelder, Schlachter) übersetzt. Das ist nicht ganz falsch, da auch dieser innere Aspekt im griechischen „parresia” steckt. Die Neue Genfer Übersetzung hat sich jedoch für „Glaubensmut” entschieden, weil darin der aktive, öffentliche Charakter des Wortes besser zum Ausdruck kommt. Der Vers ist im Rückblick auf erlittene Verfolgung zu verstehen und ermutigt dazu, am Glauben festzuhalten.

Unwillkürlich fragt man sich beim Lesen dieses Wortes, wie es um die eigene parresia steht. Wie treten wir in der Öffentlichkeit auf? Zwar werden wir wegen unserer Äußerungen zum Glauben nicht verfolgt wie die Evangelisten damals, höchstens belächelt. Dennoch glänzen die wenigsten von uns Christen mit „Glaubensmut, unerschrockenem Bekenntnis und standhaftem Freimut”, wie es im Hebräerbrief gemeint ist. Damit ist die innere Gewissheit gepaart mit äußerem Mut gemeint. Wir sollten uns vornehmen, in Gesprächen dem Thema Glauben nicht auszuweichen. Bei schwierigen Themen kann man sagen: „Ich sehe das aus meinem Glauben heraus so …“. Parresia heißt nun mal: „Ich verstecke meinen Glauben nicht.“ Ehrlich und offen an der Hoffnung auf die Ewigkeit festhalten. Nicht nur innerlich zuversichtlich sein, sondern sich auch öffentlich dazu bekennen – nicht theatralisch und effekthaschend, sondern in ruhigem, bestimmten Ton.

In der Liebe Jesu bleiben

 Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe!
Johannes 15,9

Dies ist ein Wort, das missverstanden werden kann. Was bedeutet es, wenn Jesus sagt, wir sollen in seiner Liebe bleiben? Vielleicht hilft es, wenn wir zunächst überlegen, was es nicht bedeutet. Wir haben es hier nicht mit einem Gefühl zu tun, das wir festhalten sollen. Die Liebe Jesu ist keine Stimmung, die wir um jeden Preis aufrechterhalten müssen. Wir müssen nicht ständig etwas in uns spüren und brauchen keine Schuldgefühle zu haben, wenn sich in uns mal nichts regt. Jesus verlangt von uns keine Fehlerlosigkeit. Wir müssen nicht perfekt sein. Wir dürfen Fehler machen, Zweifel haben und auch mal schwach sein.

In der Liebe Jesu zu bleiben, bedeutet, mit ihm in einer Beziehung verwurzelt zu bleiben. Wir lassen uns von seiner Liebe prägen. In den Evangelien sehen wir, wie er auf Menschen reagiert hat: Er zeigte Geduld und Barmherzigkeit und kam ohne Vorurteile aus. Er ging auch auf die Ausgestoßenen der Gesellschaft zu und reichte ihnen die Hand. In seiner Liebe zu bleiben, bedeutet, sich ganz auf sein Wort zu verlassen. Wir müssen nicht versuchen, uns die Liebe zu verdienen, indem wir in einen christlichen Aktionismus verfallen und besonders fromm sein wollen. Viel wichtiger ist die Bewahrung innerer Stabilität und eine ruhige, unbeirrbare Ausrichtung auf die Zusagen Gottes. Dann müssen nicht in der ständigen Angst leben, die Liebe Jesu zu verlieren. Wenn wir im Bild des Weinstocks bleiben, wird uns klar, dass eine Rebe nur leben kann, weil der Saft des Weinstocks sie nährt. „Bleiben” bedeutet deshalb, mit Jesus im Gebet verbunden zu sein, sein Wort in uns aufzunehmen, seine Nähe zu suchen und im Alltag mit seinem Beistand zu rechnen. In seiner Liebe zu bleiben bedeutet, aus seiner Liebe Kraft zu schöpfen und in seiner Gegenwart zu ruhen.