Andacht Heute

Vorsicht bei Heilungsveranstaltungen

„Leidet jemand unter euch? Er bete“
Jakobus 5,13

Ich möchte heute auf einen Artikel von Markus Mayer hinweisen. Hier wird überzeugend dargelegt, dass die Lehre „Gott will jeden körperlich heilen“ weder dem Neuen Testament entspricht noch der Realität biblischer Beispiele. Christen können krank sein, ohne dass dies ein Glaubensmangel wäre; viele charismatische Heilungspraktiken beruhen auf falscher Exegese, psychologischem Erwartungsdruck und nicht überprüfbaren „Heilungen“. Die angemessene biblische Antwort auf Krankheit ist Gebet, Vertrauen und gegebenenfalls medizinische Hilfe – nicht der Besuch von Heilungsveranstaltungen.

https://www.evangeliums.net/fragen/frage_irrlehre_bei_heilungsveranstaltungen.html

Paul Gerhardts Lieder

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen; lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; singt Gott dankbar in euren Herzen Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder.
Kolosser 3,16

Im Jahr 2026 feiern wir Paul Gerhardt als Dichter, der das „Wort Christi“ in poetische Sprache und singbare Form gebracht hat. Seine Lieder betonen bis heute das gegenseitige Lehren und Ermahnen. Sie tragen, trösten, verbinden und geben Sprache für das, was Menschen glauben und hoffen.

Am Beispiel seines bekannten Liedes „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (Ev. Gesangsbuch 503) kann man zeigen, wie die heute allseits bekannte Fassung entstanden ist. Text und Melodie standen jedenfalls nicht gleich von Anfang an fest, wie man vielleicht vermuten könnte. Paul Gerhardt (1607–1676), Pastor der Nicolaikirche in Berlin, schuf den Text, zu dem der dortige Kantor eine barocke Melodie komponierte und in sein Gesangsbuch von 1653 aufnahm. Diese Melodie setzte sich jedoch nicht durch und verschwand im 18. Jahrhundert weitgehend aus dem Gemeindegesang. Später kam Augustin Harder (1775–1813) ins Spiel, der eine Melodie zu Ludwig Höltys Frühlingslied „Die Luft ist blau, das Tal ist grün“ geschrieben hatte. Sie ist typisch frühromantisch: eingängig, volksliednah und leicht singbar. Genau diese Qualitäten machten sie später für den Gemeindegesang attraktiv. Es war der Musikpädagoge und Herausgeber Heinrich Eickhoff (1807–1880), der Harders Melodie dem Gerhardt-Lied unterlegte.

In dieser Form wurde das Lied in das Evangelische Gesangbuch von 1915 aufgenommen und erlangte die gleiche Popularität wie andere Lieder Paul Gerhardts, darunter „Nun ruhen alle Wälder” (EG 477), „Ich bin ein Gast auf Erden” (EG 529), „Lobe den Herren” (EG 447) und „Nun danket alle und bringet Ehr” (EG 322). In seinem Lied „Geh, aus mein Herz“ steht eine Strophe, die programmatisch ist für sein ganzes Schaffen und dafür steht, wie wir singen sollten:

„Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.“

Langweilige Gottesdienste?

Wie verhalte ich mich nun richtig? Ich will beten, was Gottes Geist mir eingibt; aber ich will beim Beten auch meinen Verstand gebrauchen. Ich will Loblieder singen, die Gottes Geist mir schenkt; aber ebenso will ich beim Singen meinen Verstand einsetzen.
1. Korinther 14,15

    Nicht wenige Freikirchler empfinden die traditionelle evangelische Liturgie als „langweilig“ oder „unspontan“, da sie aus einer anderen geistlichen Kultur stammen. Diese kulturelle Differenz wird dann mitunter vorschnell als geistliches Urteil formuliert. Dahinter stehen jedoch weniger theologische Gründe als vielmehr unterschiedliche Frömmigkeitsstile, Erwartungen und Sozialisationen. In vielen Freikirchen ist der Gottesdienst geprägt von spontanen Gebeten, persönlicher Beteiligung, emotionaler Ausdruckskraft, von Musik mit Erlebnischarakter und „Mitmachen“ statt „Zuhören“. Wer so geprägt ist, erlebt eine liturgische Ordnung schnell als „distanziert“ oder „kühl“, obwohl sie theologisch tiefgründig und geistlich reich ist.

    Die evangelische Liturgie ist anders geprägt. Wenn die Gottesdienstbesucher bekannte Gebete miteinander sprechen, wie das Vaterunser, dann schaffen diese gemeinsamen Worte Gleichheit, die oft als wohltuend wahrgenommen wird. Damit werden die Stillen, die Unsicheren und diejenigen, die nicht laut vor allen beten wollen oder können, geschützt. Die evangelische Liturgie ist vielleicht nicht so spontan und lebendig wie der Gottesdienst in Freikirchen. Dafür ist sie klar strukturiert, theologisch dicht und biblisch durchdrungen. Ihre innere Logik ist erkennbar vorhanden. So kommen darin Klage, Lob, Gottes Wort, Auslegung, der Blick auf das persönliche Befinden und Christuszentriertheit vor. All dies zeigt sich in Kyrie, Gloria, Lesungen, Predigt, Fürbitten und im Abendmahl.

    In vielen Gemeinden haben sich vor allem nach dem Gottesdienst am Sonntag Gesprächs- und Austauschformen wie das Kirchencafé entwickelt. Hier entstehen persönliche Gespräche über geistliche Fragen, die während des Gottesdienstes aufgetaucht sind. Daneben können seelsorgerische Momente entstehen und neue Kontakte können geknüpft werden. Weitere Begegnungsräume ergeben sich in Kleingruppen und Bibelkreisen, in denen zwangloses, freies Gebet möglich ist. Nicht zu vergessen ist das Angebot bewusst niederschwelliger Formate wie freie Andachten, offene Kirche, Glaubenskurse und vieles mehr. Hier entsteht Raum für persönliche Formen. Evangelische Gemeinden haben eine breite Palette an spontanen, persönlichen, geistlichen Austauschformen – nur nicht im liturgischen Kern des Sonntagsgottesdienstes. Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Struktur: Ordnung im Gottesdienst – Freiheit im Gemeindeleben.