Andacht Heute

Unterschiedliche Bibelübersetzungen

Das wissen wir: Unser irdischer Leib ist vergänglich; er gleicht einem Zelt, das eines Tages abgebrochen wird. Dann erhalten wir einen neuen Leib, eine Behausung, die nicht von Menschen errichtet ist. Gott hält sie im Himmel für uns bereit, und sie wird ewig bleiben.
2. Korinther 5,1 (Hoffnung für alle – HfA)

Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist.
2. Korinther 5,1 (Schlachter)

Betrachtet man die beiden Übersetzungen, so fällt auf: Die Schlachter-Übersetzung ist im engeren Sinne texttreuer: Sie überträgt die Begriffe und Struktur des griechischen Textes weitgehend wörtlich. Sie bleibt näher am Urtext und vermeidet interpretierende Zusätze. Die HfA interpretiert stärker, beispielsweise indem sie „Zelt” sofort als „Leib” deutet und die Aussage über den himmlischen Bau als „neuen Leib” formuliert. Die HfA ist deutlich leichter zu lesen. Sie übersetzt nicht nur, sondern erklärt schwierige Stellen. Das erleichtert das Verständnis, besonders in Gruppen oder bei Menschen ohne biblische Vorbildung.

Meiner Meinung nach haben beide Übersetzungen ihre Berechtigung. Es ist klug, mehrere Übersetzungen nebeneinander zu verwenden, wie es auf www.bibleserver.com möglich ist. So wird man unter anderem auf sprachliche Feinheiten aufmerksam. Weichen zwei Übersetzungen an einer Stelle auffallend voneinander ab, ist das ein Signal: Meist hat man es mit einer mehrdeutigen Stelle zu tun und man hat sich bei der Interpretation theologisch unterschiedlich entschieden. Verschiedene Übersetzungen nebeneinander helfen nicht nur dabei, den Urtext besser zu erahnen, ohne Griechisch oder Hebräisch zu können. Sie schärfen auch das Sprachgefühl und fordern unsere Auslegungsfreude heraus. Das ist für Gemeinden und Hauskreise wertvoll und überall dort, wo gemeinsam die Bibel gelesen wird. Unterschiedliche Bibelübersetzungen führen möglicherweise zu besseren Zwischenbemerkungen und zu tieferen, lebendigeren Gesprächen.

Tatsachenberichte von Augenzeugen

Denn wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen.
2. Petrus 1,16

    Petrus stellt sich bewusst gegen den Vorwurf, das Evangelium sei Mythos, Legende oder religiöse Dichtung. Anstatt zu sagen: „Wir glauben fest daran“, sagt er: „Wir waren dabei.“ Der zweite Petrusbrief richtet sich gegen falsche Lehrer, die die Wiederkunft Christi leugnen oder das Evangelium verwässern.

    Christlicher Glaube ist historisch verwurzelt. Die Prophezeiungen sind eingetroffen, Jesus ist in all seiner Herrlichkeit erschienen. Der Text des Petrus verweist auf überprüfbare Ereignisse, wenn von der Verklärung Jesu die Rede ist. Sie fand zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort, dem heiligen Berg, unter Zeugen (Petrus, Jakobus, Johannes) statt, die dabei alle die Stimme des Vaters hörten. Wer heute die Bibel als „Sammlung frommer Geschichten” bezeichnet, steht in der Tradition der Irrlehrer, die schon immer alles bezweifelten, was die Jünger sagten. Oft hat man den Eindruck, dass im Sinne von „Es kann nicht sein, was nicht sein darf” argumentiert wird. Warum ist es nur so schwer, den Berichten der Jünger Jesu Glauben zu schenken?

    Wenn der Geist die Sprache weitet

    Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben.
    Johannes 6,63

    In seinem Chandos-Brief beschreibt Hofmannsthal die Krise des Lord Chandos. Dieser merkt mit Schrecken, dass Worte brüchig werden und die Sprache nicht mehr an die Wirklichkeit heranreicht. Er spürt eine Wirklichkeit, die größer ist als seine Sprache. Wer die Worte Jesu liest, könnte auf ähnliche Gedanken kommen. Kann man das, was er hier sagt, überhaupt noch verstehen?

    Moderne Menschen haben Mühe mit Begriffen wie „Geist”, „Leben” und „Fleisch”. Wie bei Chandos zerfallen solche Worte für viele zu „modrigen Pilzen”. Sie sind nicht mehr Ereignis, sondern leere Hüllen. Man ist es heute gewohnt, in anderen Kategorien zu denken, die sich erschöpfen im Materiellen, Politischen, Moralischen und Rationalen und deshalb zu klein sind. Dabei steht der Ausweg aus dieser Sprachkrise schon im Text. Johannes 6,63 sagt nicht: „Sprache ist unzureichend.“ Sondern: „Sprache wird erst durch den Geist lebendig.“ Während Chandos in der Sprachkrise stecken bleibt, führt Jesus durch sie hindurch. In „Fleisch” steckt die Begrenztheit in unserem menschlichen Denken, Fühlen und Wollen, wodurch unser Blick verengt wird. Wir benötigen dringend die göttliche Dimension. Die Worte, die Jesus zu uns geredet hat, sind „Geist” und „Leben”. Hierbei handelt es sich nicht um Esoterik, Gefühle und spirituelle Energie, sondern um die echte schöpferische Kraft Gottes, die Quelle allen Lebens. Dieser Geist ermöglicht den echten Glauben und erneuert den Menschen von Grund auf. Wir müssen uns von ihm ziehen und verwandeln lassen und dabei unser ständiges Analysieren, Bewerten und Kontrollieren aufgeben. Jesus sagt uns in diesem Vers: Ihr könnt meine Worte nicht verstehen, wenn ihr euch nur in eurer Sprache bewegt. Öffnet euch für die Wirklichkeit Gottes, dann werdet ihr erst richtig leben.