Andacht Heute

Einladung zum Festmahl

Er wird den Tod für immer und ewig vernichten. Gott, der HERR, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen. Er befreit sein Volk von der Schande, die es auf der ganzen Erde erlitten hat. Das alles trifft ein, denn der HERR hat es vorausgesagt.
Jesaja 25,8

In diesem Kapitel lobt und dankt der Prophet Jesaja Gott für die Rettung und Treue gegenüber seinem Volk. Er spricht davon, dass der HERR auf dem Berg Zion ein Festmahl für alle Völker bereitet hat. Dabei vernichtet er den Tod, wischt alle Tränen ab und nimmt die Schmach seines Volkes weg. Diese Verse gehören zu den hoffnungsvollsten im gesamten Alten Testament. Sie eignen sich daher sehr gut für den Beginn eines neuen Jahres. Schließlich wünschen wir uns alle Frieden, Gesundheit, Gelingen und Versöhnung. Mit Gottes Hilfe kann dies möglich werden. Gott schafft Neues, entlastet uns und öffnet uns die Zukunft. Jesaja malt uns das Bild eines Festmahls, wie wir es uns wünschen: Ein Tisch, an dem alle Völker Platz haben. Gott lädt dazu ein, uns untereinander zu versöhnen und mit ihm zu feiern. Wir sollten ihm danken, wie es Jesaja tut:

HERR, du bist mein Gott! Ich lobe dich und preise deinen Namen, denn du vollbringst wunderbare Taten. Was du vor langer Zeit beschlossen hast, das hast du in großer Treue ausgeführt.
Jesaja 25,1

Jesus ist Gott

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“
Johannes 1,1

Vom Dipl.-Theol., Autor und Dozenten Markus Voss erreichte mich heute ein Mail mit dem Link auf sein Video „Jesus ist Gott – Hier steht’s“. Die dazu einleitenden Zeilen haben mich beunruhigt: „Jesus ist der menschgewordene Gott, genau wie im Alten Testament angekündigt. Das wird in den nächsten Jahren immer mehr angefochten werden und manche Kirchen und Gemeinden haben es leider jetzt schon aufgegeben, das zu lehren.“

Ich fragte mich, ob das wirklich sein kann, weil die Inkarnation („Gott wird Mensch“) ein Kern des christlichen Glaubens ist. Dies ist auch im Apostolischen Glaubensbekenntnis verankert, das im Gottesdienst regelmäßig gesprochen wird. Darin wird Jesus Christus als eingeborener Sohn Gottes, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von Maria, gestorben und auferstanden, zur Rechten Gottes sitzend bekannt. Es ist also so: Nicht nur konservative Freikirchen, auch die offizielle EKD (Evangelische Kirche Deutschlands) hält daran fest, dass Jesus der menschgewordene Gott ist. Was man sagen könnte: Die EKD benutzt heute eine dem heutigen Verständnis nach angepasstere Sprache. Statt eindeutig zu sagen „Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch“, sagt sie eher „In Jesus begegnet uns Gott selbst.“ Und sie tritt vielleicht Strömungen der liberalen Theologie (z.B. Jungfrauengeburt wäre nur symbolisch zu verstehen), der Bultmann-Schule (z.B. die Auferstehung wäre kein historisches Ereignis gewesen, sondern eine Glaubenserfahrung) und der „progressiven“ Theologie (Dogmen sind „sprachliche Modelle“) nicht entschieden genug entgegen und lässt dies alles zu, um der Pluralität zu frönen.

Jedenfalls sollten wir als einzelne Christen darauf achten und falls nötig Protest einlegen, wenn es zu einer Abweichung vom zentralen Inhalt unseres Glaubens kommt. Denn bereits im Johannesevangelium steht ganz am Anfang (siehe oben) der Beleg für seine wesenhafte Göttlichkeit, weil im weiteren Verlauf des Kapitels das „Wort“ (griech. logos) eindeutig mit Jesus identifiziert wird.

Ein Gott auf Sparflamme

Der Geist weht, wo er will.
Johannes 3,8

In theologischen Diskussionen ergeben sich oft unterschiedliche Ansichten über die Souveränität Gottes. Das eine Lager stellt sich einen Gott vor, der sich an die Naturgesetze hält. Das andere betont Gottes Allmacht, die sich in Wundern, Heilungen und konkreten Gebetserhörungen zeigt. Im einen Fall handelt Gott – wenn überhaupt – verborgen und leise, im anderen kann er jederzeit eingreifen.

Es würde zu weit führen, den Einfluss des Deismus in der Aufklärung für die erste Position hier zu erläutern. Die damalige Auffassung, die in Gott einen Uhrmacher sah, der alles in Gang gesetzt hat, dann aber alles laufen hat lassen, gilt inzwischen längst als überholt. Es ist jedoch nicht zu übersehen, dass sich darin immer noch ein moderner Alltagsglaube ausdrückt, der zwar noch von „irgendetwas Höherem” spricht und davon, dass „Gott die Welt gemacht hat”, jedoch nicht daran glaubt, dass er eingreift. Das klingt vernünftig, kollidiert nicht mit der Naturwissenschaft und ist mit der heutigen Denkweise kompatibel. Doch leider reduziert dies Gott zu einem Wesen auf Distanz, zu einem einstigen Feuer, das nur noch im Hintergrund glimmt. Theologen, die diese Sichtweise vertreten, übersehen, dass Gott jederzeit konkrete Macht entfalten kann. Wir müssen seine Nähe und sein Eingreifen ernst nehmen.

Ach, Herr HERR! Siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm; dir ist nichts unmöglich.
Jeremia 32,17