Andacht Heute

Gottes Nähe in Zeiten der Not

Wenn er zu mir ruft, werde ich ihm antworten. In Zeiten der Not stehe ich ihm bei, ja, ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren.
Psalm 91,15

Der erste Sonntag der Passionszeit heißt Invokavit. Sein Name leitet sich von einem Vers ab: Invocavit me – „Er ruft mich an“. Der Mensch ruft nach Gott, oft aus Not, Bedrängnis oder Sorge. Und Gott antwortet ihm. Er verspricht dem Menschen jedoch nicht, dass es keine Not mehr gibt. Das wäre eine heile Welt, die es nicht geben kann. Der HERR ist uns nah, auch in größter Not. Er lässt niemanden allein, der zu ihm ruft.

Wenn im Vers davon die Rede ist, dass der Mensch herausgerissen und zu Ehren gebracht wird, dann ist das zweifellos möglich. Beispiele dafür gab es immer. Ich denke an die Rettung Daniels aus der Löwengrube. Gott schickte ihm einen Engel, der den Löwen das Maul verschloss. Am Morgen wurde Daniel unversehrt aus der Grube geholt. Wir dürfen immer auf Rettung hoffen, aber wir dürfen nicht erwarten, dass auf jedes unserer Gebete eine triumphale Rettung folgt. Sicher sein dürfen wir aber, dass Gott uns immer hört, wenn wir uns an ihn wenden. Und vergessen wir auch in der Not nicht, Gott für seinen Beistand zu danken!

Wer mir seinen Dank zeigt, der bringt mir ein Opfer dar, das mich ehrt. So ebnet er den Weg, auf dem ich ihm Gottes Rettung zeige.
Psalm 50,23

Erneuerung im Alter

Paulus schreibt: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2. Korinther 5,17

Als Jüngere haben wir noch nicht an so etwas gedacht, jetzt im Alter kommt der Gedanke schon recht häufig auf: Wie haben wir uns doch verändert, wie alt sind wir geworden! Der körperliche Zerfall schreitet voran und mit ihm die Erkenntnis, dass der irdische Aufenthalt sich dem Ende zuneigt. Klingt es da nicht wie ein Hohn, was Paulus da von einer „neuen Kreatur“ sagt?

Mit diesem „neugeboren sein“ bekommt ein Mensch eine neue Identität, einen neuen Ausgangspunkt und eine neue Blickrichtung – mitten im alten Leben, aber nicht mehr aus den alten Mustern heraus. Ein taufrischer Gedanke in einem alternden Körper. Wenn Jesus in uns einzieht, verändern wir uns, wir erhalten eine „neue Kreatur“, weil wir dadurch die Richtung geändert haben. Dadurch ist auch unser Selbstbild ein anderes. Wir müssen uns nicht mehr über Leistung, Anerkennung oder Perfektion rechtfertigen. In unseren Beziehungen wird Versöhnung möglich, weil uns erlittene Verletzungen nicht mehr schmerzen. Wir erlangen am Ende des Lebens neuen Lebensmut. Die Gedanken an die Zukunft sind nicht mehr von der Vergangenheit gefesselt. Diese neue Hoffnung und diese neue Freiheit haben wir Jesus Christus zu verdanken!

Die Treue Gottes

Der, der euch beruft, ist treu; er wird euch ans Ziel bringen.
Thessalonicher 5,24

    In einem Emblem-Buch aus der Zeit um 1600 finde ich das Bild eines Hundes. Darunter steht sinngemäß: „Ein Hund ist seinem Herrn treu – wie viel treuer sollte dann erst ein Mensch sein?” Es wird weiter erläutert, wie sehr Hunde als Inbegriff von Treue und Mut gelten. So wird berichtet, dass sie ihren Herren bis in den Tod verbunden seien, sich sogar auf deren Scheiterhaufen geworfen hätten und sich mit ihnen begraben ließen. Diese Beispiele sollen zeigen: Treue ist ein tiefes, verbindendes Band – und manchmal leben Tiere sie eindrücklicher vor als Menschen.

    Tiere können uns mit ihrer Loyalität berühren. Doch die einzige Treue, die wirklich trägt, ist die Treue Gottes, denn sie entspricht seinem Wesen. Sie ist nicht nur ein bestimmtes Verhalten, sondern Ausdruck dessen, wer Gott ist. Darum bleibt sie stabil, auch wenn Menschen schwanken. Menschliche Treue ist immer an Grenzen gebunden. Sie hängt von Stimmung, Kraft, Lebensumständen und Verletzlichkeit ab. Selbst gut gemeinte Versprechen geraten ins Wanken, wenn Angst, Müdigkeit oder Überforderung hinzukommen. Wenn wir anderen Menschen gegenüber nicht immer treu sind, wie können wir dann Gott treu sein? In der Bibel wird menschliche Treue oft als etwas beschrieben, das „verfliegt wie der Morgennebel” (Hosea 6,4).

    Auf unsere eigene Treue können wir uns nicht verlassen. Es ist die Treue Gottes, die uns in allem menschlichen Wankelmut trägt. Sie ist an unseren Glauben gebunden. Es hilft uns, wenn wir an unser Ziel denken, das wir nur mit seiner Gnade und Barmherzigkeit erreichen können.