Treue zur reinen Lehre
Achte auf dich selbst; sieh zu, dass du die Lehre von Jesus Christus rein und unverfälscht weitergibst. Nichts soll dich davon abbringen. Dann wirst du selbst gerettet und alle, die auf dich hören.
1. Timotheus 4,16
Bei diesem Vers muss man aufpassen, dass man ihn nicht fehlinterpretiert. Paulus spricht hier nicht von einer Möglichkeit zur Selbstrettung. Er würde sich sonst selbst widersprechen, ist er doch der entschiedenste Vertreter der Rechtfertigung allein aus Gnade: Aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben, nicht aus euch – Gottes Gabe ist es“ (Eph 2,8–9). Paulus würde also niemals lehren, dass ein Mensch sich selbst erlösen könnte. Wenn in diesem Vers von „retten“ die Rede ist, dann nicht im Sinne von ewiger Rettung (das Heil), sondern im Sinn von „bewahren, schützen, vor Irrtum oder Schaden bewahren“. In den sogenannten Pastoralbriefen (1. und 2. Timotheus, Titus) geht es Paulus um die Bewahrung der Gemeinde vor falscher Lehre, geistlichem Schaden und Abfall. Mit seinem Brief will er den jungen Timotheus in seinem Leiter- bzw. Hirtenamt unterstützen. Er hat die seelsorgerische Aufgabe, die Menschen seiner Gemeinde geistlich zu begleiten, Orientierung zu geben, ihnen den Glauben zu erklären und die Lehre zu bewahren. Gerade deshalb ist seine Treue zur reinen Lehre so ungemein wichtig. Sie bewahrt die ganze Gemeinde vor Irrwegen.
Auch für jeden Christen ist das Festhalten an der unverfälschten Lehre von entscheidender Bedeutung. Alles, was von Christus wegführt, seine Gnade relativiert oder uns in die Abhängigkeit von Menschen bringt, ist verdächtig. Bleiben wir demütig und prüfen wir die Lehrer und Leiter auch dahingehend, ob sie bescheiden auftreten oder sich nur selbst inszenieren.