Barockes Lebensgefühl
Wohl dem … der seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht.
Psalm 1,1-3
Betrachtet man den Barock, so ist uns diese Zeit vor der Aufklärung im 18. Jahrhundert heute in vielem fremd. Die Kirche war die anerkannte zentrale Autorität für Wahrheit und Moral. Es gab feste Hierarchien und der Adel sowie der Klerus dominierten. Um sich in das Weltbild des Barocks einzuarbeiten, benötigt man heute etwas Zeit. Hat man die beiden wesentlichen Motive erfasst, ist der Zugang zu dieser uns heute fremden Welt deutlich leichter. Das eine ist die Vanitas („Alles ist eitel”) und damit die Erkenntnis, dass nichts bleibt, alles im Fluss ist und Besitz, Ruhm und Schönheit zerfallen. Gleichsam als Gegengewicht dient das Motiv des „Carpe diem”, also die bewusste Nutzung des Tages. Wenn schon alles vergänglich ist, sollten wir die uns zur Verfügung stehende Zeit gestalten und sie mit Sinn erfüllen.
Die Beschäftigung mit der Bibel ist niemals vergeudete Zeit. Sie hilft uns, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Sie führt uns in eine Beziehung zum lebendigen Gott. Viele biblische Texte sind in Krisenzeiten entstanden. Ihre Verfasser kannten Angst, Verlust, Schuld und Erschöpfung – und sprachen trotzdem von Hoffnung. Diese Hoffnung ist nicht oberflächlich, sondern basiert auf der Erfahrung, dass Gott treu bleibt, auch wenn alles wankt.