Andacht Heute

Freiheit aus Genügsamkeit

Gott aber ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluss zu spenden, sodass ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk, wie geschrieben steht: „Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit besteht in Ewigkeit”.
2.Korinther 9,8-9

Im Griechischen steht für „Genüge” das Wort „autarkeia”. Wenn wir heute von Autarkie sprechen, ist damit die Fähigkeit von Staaten und Systemen gemeint, sich selbst zu versorgen und unabhängig zu sein. Bei den Stoikern bezeichnete dagegen der Begriff die Fähigkeit, unabhängig von Besitz, Anerkennung oder Umständen glücklich zu sein. Aristoteles verstand darunter einen Zustand, der das Leben „vollständig“ macht – nicht absolute Unabhängigkeit, sondern eine erfüllte, genügsame Lebensform.

Im Neuen Testament bezeichnet autarkeia eine Genügsamkeit, die aus Gott kommt und nicht aus uns selbst. Es ist eine Haltung, die uns frei macht von Gier, Angst und dem Vergleichen. Diese Fähigkeit macht uns zufrieden. Sie befähigt uns auch, andere daran teilhaben zu lassen. Genügsamkeit bedeutet nicht, dass ich mir selbst genug bin, sondern dass mir Gottes Gnade genug ist. Sie macht uns frei, weil Christus unsere Mitte ist.

HERR, gib mir die innere Ruhe und lehre mich Genügsamkeit. Mach mich frei, dankbar und bereit zu teilen, weil ich in Dir alles habe, was ich brauche. Amen.

Wozu wir Kirche sind

„Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit.“
Matthäus 6,33

In vielen Sitzungen und Gesprächen unserer Kirche geht’s heute um Strukturen: Stellenpläne, Zuständigkeiten, Fusionen. Viele davon sind wichtig, aber es gibt auch einen Haken: Das Wesentliche wird immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Der parochiale Grundauftrag erinnert uns daran, was Kirche im Kern ist: Gottes Nähe vor Ort. Er verpflichtet die evangelische Kirche, an jedem Ort, an dem evangelische Christinnen und Christen leben, verlässlich Gottesdienst, Seelsorge und kirchliches Leben zu ermöglichen – persönlich, erreichbar und ortsbezogen. Gottesdienst, Seelsorge, Begleitung, Trost, Hoffnung – vor Ort, erreichbar und persönlich. Nicht abstrakt, nicht zentralisiert, nicht nur digital. Dieser Auftrag ist der Wesenskern der evangelischen Kirche seit der Reformation. Organisation ist nötig. Aber sie darf nicht das Eigentliche verschlingen. Strukturen können helfen – aber sie dürfen nicht bestimmen, was das Wichtigste ist. Jesus sagt: „Suchet zuerst das Reich Gottes.“

Gebet
HERR, unser Gott, bewahre uns davor, uns in Strukturen zu verlieren. Schenke uns einen klaren Blick für das, was du uns aufgetragen hast: Menschen zu begleiten und dein Wort zu verkünden. Amen.

Nie mehr Durst haben

Jesus sprach zu ihnen: Wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Johannes 6,35

Dieser Vers aus der Bibel ist den meisten Menschen bekannt. Bei seiner Interpretation wird der Durst des Menschen in vielfältiger Hinsicht erklärt. Leider wird die Erklärung eines Bildes durch gut gemeinte Hilfen nur unnötig verkompliziert. Aus psychologischer Sicht wird dieser Durst mit emotionaler Leere, dem Wunsch nach Anerkennung und der Sehnsucht nach Geborgenheit in Verbindung gebracht. Der Mangel wird auch in moralisierender Weise erklärt: als Durst nach mehr Gerechtigkeit und einem besseren Lebensstil. Er kann auch als ein Begriff für die Stillung eines mystischen Verlangens gedeutet werden, wobei man sich nach erweiterter spiritueller Erfüllung sehnt. Problematisch wird es, wenn die eigene Schuld ins Spiel kommt und der Durst als Folge von Ungehorsam und zu wenig Beten begründet wird.

Hier kommt es aber nicht auf Leistung an, der Durst wird allein durch Glauben gestillt. Es reicht vollkommen, wenn wir den Begriff als Ausdruck der Gottferne des Menschen verstehen. Bleiben wir ganz einfach bei den Worten Jesu: „Wer an mich glaubt.“ Glauben heißt, sich Christus anzuvertrauen, zu ihm zu kommen und sein Leben aus seiner Hand zu empfangen. Nur er kann unseren Durst für immer stillen.

Gebet
HERR Jesus Christus, bewahre uns davor, deine Worte zu verkomplizieren. Lass uns einfach zu dir kommen, dir glauben, und aus deiner Fülle leben. Amen.