Andacht Heute

Gebote ohne Last

Das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.
1. Johannes 5,3

Die Gebote Gottes erscheinen leicht, wenn man sie mit den religiösen Regeln vergleicht, die Menschen aufgestellt haben. Es gab und gibt strikte Verbote bei bestimmten Speisen und Getränken. Man hat genaue Vorschriften über Rocklängen, Haartracht und Schmuck herausgegeben. Noch heute werden religiöse Pflichten angemahnt. In Bezug auf Nächstenliebe heißt es beispielsweise, dass man als Christ immer helfen muss und niemals „Nein” sagen darf. Es werden Regeln aufgestellt, wie man den Sonntag zu verbringen hat. Gottesdienstbesuch, keine Arbeit, kein Feiern. All dies sind keine Gebote Gottes, sondern eigenmächtige Ableitungen aus seinen Anweisungen, wie „sich anständig und mit Schamhaftigkeit zu kleiden“ (1. Tim 29-10), „Liebe deinen Nächsten“ (3. Mose 19,18) und „Halte meinen Tag heilig“ (Mose 20,8). Was religiöse Menschen oft übersehen, ist die Tatsache, dass die Gebote Gottes keine Kontrollgesetze sind. Die Liebe zu Gott zeigt sich nicht darin, dass man sich für alle sichtbar den religiösen Ritualen einer Gruppe unterwirft und sich anderen gegenüber aufspielt, die solche Vorschriften nicht so eng sehen. Jesus nannte die Regeln der Schriftgelehrten „schwere Lasten” (Matthäus 23,4), während er selbst sagte, sein Joch sei „sanft” (Matthäus 11,30).

Ein Christ hält die Gebote nicht, um Gott zu gefallen, sondern weil er Gott liebt. Wer Gott liebt, erlebt seine Gebote nicht als fremde Anordnungen oder Einschränkungen, sondern als einen Weg in die Freiheit.

Moderne Autonomiekonzepte und die Bibel

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!
Jesaja 29,16

In diesem Vers kritisiert der Prophet Jesaja eine Haltung, in der sich der Mensch über seinen Ursprung erhebt. Das Bild vom Töpfer und Ton macht dabei mehrere Dinge deutlich: Der Mensch ist Geschöpf und nicht Ursprung seiner selbst. Seine Autonomie ist abgeleitet und nicht absolut. Selbstüberschätzung führt zur Blindheit.

Bei dem daraus entstehenden Konflikt geht es um die verlorene Beziehung zu Gott. Dies zeigt sich in den modernen Autonomiekonzepten sehr deutlich. Hier wird der Mensch als Urheber seiner Entscheidungen propagiert. Aus dieser Selbstbestimmung wird die Würde des Menschen abgeleitet. Die moralische Verantwortung liegt demnach allein beim Menschen selbst und nicht gegenüber Gott. Freiheit erscheint somit als unabhängige Selbstbestimmung.

Wir sehen, dass diese Konzepte völlig ohne Gott auskommen. Der Mensch entwirft sich selbst und verkennt dabei, dass er ein Geschöpf Gottes ist. Er fragt sich: „Was willst du – und wie entscheidest du?“, anstatt sich die Frage zu stellen: „Wer bist du – und wem gehörst du?“, wie es in der Bibel heißt. Wer sich an die Schrift hält, für den ist der Mensch nicht unfrei, aber seine Freiheit ist eine gebundene Freiheit (Luther sprach von der „Freiheit eines Christenmenschen”). Seine Identität entsteht nicht aus reiner Selbstbestimmung heraus, sondern aus seiner Beziehung zum Schöpfer.

Der Weg zum guten Gespräch

Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor; denn wovon sein Herz voll ist, davon redet sein Mund.
Lukas 6,45

Es handelt sich hierbei nicht um eine Anleitung für gelingende Kommunikation. Es geht nicht nur um das richtige Formulieren, also um den Verstand allein. Dafür gibt es inzwischen jede Menge Ratgeberliteratur. Ein Beispiel ist das dreibändige Grundlagenwerk „Miteinander reden” von Friedemann Schulz von Thun über Kommunikationsmodelle, Missverständnisse und Gesprächsdynamiken. So etwas ist sicher wertvoll und kann uns helfen, uns gegenseitig besser zu verstehen.

Was Jesus uns in diesem Vers sagt, geht jedoch weit darüber hinaus. Er drückt eine Wahrheit aus, die uns zum Nachdenken bringen soll, bevor wir unsere Gedanken äußern. Wir sollten uns fragen, wie es in unserem Herzen aussieht. Gute Gespräche entstehen dort, wo Menschen innerlich geklärt sind. Verletzende Gespräche entstehen hingegen dort, wo Unruhe, Angst oder Bitterkeit vorherrschen. Schauen wir genau hin, was hier geschrieben steht! Jesus sagt nicht: „Rede freundlich!” Er sagt: „Ein gutes Herz bringt gute Worte hervor.“