Andacht Heute

Mut zum Bekenntnis

Gebt diesen Glaubensmut jetzt nicht auf! Er wird einmal reich belohnt werden.
Hebräer 10,35

Meist wird hier mit „Zuversicht” (Elberfelder, Schlachter) übersetzt. Das ist nicht ganz falsch, da auch dieser innere Aspekt im griechischen „parresia” steckt. Die Neue Genfer Übersetzung hat sich jedoch für „Glaubensmut” entschieden, weil darin der aktive, öffentliche Charakter des Wortes besser zum Ausdruck kommt. Der Vers ist im Rückblick auf erlittene Verfolgung zu verstehen und ermutigt dazu, am Glauben festzuhalten.

Unwillkürlich fragt man sich beim Lesen dieses Wortes, wie es um die eigene parresia steht. Wie treten wir in der Öffentlichkeit auf? Zwar werden wir wegen unserer Äußerungen zum Glauben nicht verfolgt wie die Evangelisten damals, höchstens belächelt. Dennoch glänzen die wenigsten von uns Christen mit „Glaubensmut, unerschrockenem Bekenntnis und standhaftem Freimut”, wie es im Hebräerbrief gemeint ist. Damit ist die innere Gewissheit gepaart mit äußerem Mut gemeint. Wir sollten uns vornehmen, in Gesprächen dem Thema Glauben nicht auszuweichen. Bei schwierigen Themen kann man sagen: „Ich sehe das aus meinem Glauben heraus so …“. Parresia heißt nun mal: „Ich verstecke meinen Glauben nicht.“ Ehrlich und offen an der Hoffnung auf die Ewigkeit festhalten. Nicht nur innerlich zuversichtlich sein, sondern sich auch öffentlich dazu bekennen – nicht theatralisch und effekthaschend, sondern in ruhigem, bestimmten Ton.

In der Liebe Jesu bleiben

 Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch. Bleibt in meiner Liebe!
Johannes 15,9

Dies ist ein Wort, das missverstanden werden kann. Was bedeutet es, wenn Jesus sagt, wir sollen in seiner Liebe bleiben? Vielleicht hilft es, wenn wir zunächst überlegen, was es nicht bedeutet. Wir haben es hier nicht mit einem Gefühl zu tun, das wir festhalten sollen. Die Liebe Jesu ist keine Stimmung, die wir um jeden Preis aufrechterhalten müssen. Wir müssen nicht ständig etwas in uns spüren und brauchen keine Schuldgefühle zu haben, wenn sich in uns mal nichts regt. Jesus verlangt von uns keine Fehlerlosigkeit. Wir müssen nicht perfekt sein. Wir dürfen Fehler machen, Zweifel haben und auch mal schwach sein.

In der Liebe Jesu zu bleiben, bedeutet, mit ihm in einer Beziehung verwurzelt zu bleiben. Wir lassen uns von seiner Liebe prägen. In den Evangelien sehen wir, wie er auf Menschen reagiert hat: Er zeigte Geduld und Barmherzigkeit und kam ohne Vorurteile aus. Er ging auch auf die Ausgestoßenen der Gesellschaft zu und reichte ihnen die Hand. In seiner Liebe zu bleiben, bedeutet, sich ganz auf sein Wort zu verlassen. Wir müssen nicht versuchen, uns die Liebe zu verdienen, indem wir in einen christlichen Aktionismus verfallen und besonders fromm sein wollen. Viel wichtiger ist die Bewahrung innerer Stabilität und eine ruhige, unbeirrbare Ausrichtung auf die Zusagen Gottes. Dann müssen nicht in der ständigen Angst leben, die Liebe Jesu zu verlieren. Wenn wir im Bild des Weinstocks bleiben, wird uns klar, dass eine Rebe nur leben kann, weil der Saft des Weinstocks sie nährt. „Bleiben” bedeutet deshalb, mit Jesus im Gebet verbunden zu sein, sein Wort in uns aufzunehmen, seine Nähe zu suchen und im Alltag mit seinem Beistand zu rechnen. In seiner Liebe zu bleiben bedeutet, aus seiner Liebe Kraft zu schöpfen und in seiner Gegenwart zu ruhen.

Die Bürde des Fleisches

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel
Philipper 3,20

Wir haben es hier mit einem Emblem zu tun, d.h. einer Kombination aus Motto, Bild und erklärenden Text, die gemeinsam eine moralische, religiöse oder politische Lehre vermittelt. Die Grafik von Jakob Bornitus stammt aus der Zeit um 1600 und besteht als Emblem aus einem

  • Motto im kreisförmigen Rand: NOSTRUM POLITEUMA IN COELIS (zu Deutsch: Unsere Gemeinschaft ist im Himmel, siehe auch Phil 3,20 oben).
  • Das Bild zeigt einen Mann mit schwerem Rucksack, der den Weg auf einen Berg betrachtet. Am Gipfel ist zu sehen, wie sich ein Mensch anschickt, über eine Leiter in die Wolken zu steigen. Der erläuternde Text steht über dem Bild in Lateinisch:
    Patria non nobis heu est; quaerenda superne
    Hanc pete, sustuleris si grave Carnis onus.

    (Übersetzt: Unser Vaterland gehört uns nicht; wir müssen es oben suchen. Sucht es, indem ihr die schwere Last des Fleisches ablegt.)
  • Der erläuternde Text ohne den anschließenden Kommentar:
    So dein wandell im Himmel ist /
    Des Fleisches bürd leg ab / Zurüst.

    (Sinngemäß: Wenn dein Lebenswandel himmlisch sein soll, dann lege die Last des Fleisches ab und rüste dich dafür.)

Damit erklärt sich das Bild: Der Wandersmann im Vordergrund muss die schwere, weltliche Bürde des Lebens ablegen, wenn er sich auf den Weg in den Himmel machen will. Dieser Ballast besteht aus körperlichen Schwächen (übermäßiges Essen und Trinken, Genusssucht, Trägheit), weltlichen Sorgen und Verpflichtungen (Besitz, Geschäftigkeit, soziale Erwartungen) sowie moralischen Schwächen (Hochmut, Zorn, Neid, Unkeuschheit, Habgier). Hinzu kommt die allgemeine Gebrechlichkeit der durch den Sündenfall geschwächten menschlichen Natur.