Andacht Heute

Tatsachenberichte von Augenzeugen

Denn wir sind nicht klug ersonnenen Legenden gefolgt, als wir euch die Macht und Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus wissen ließen, sondern wir sind Augenzeugen seiner herrlichen Majestät gewesen.
2. Petrus 1,16

    Petrus stellt sich bewusst gegen den Vorwurf, das Evangelium sei Mythos, Legende oder religiöse Dichtung. Anstatt zu sagen: „Wir glauben fest daran“, sagt er: „Wir waren dabei.“ Der zweite Petrusbrief richtet sich gegen falsche Lehrer, die die Wiederkunft Christi leugnen oder das Evangelium verwässern.

    Christlicher Glaube ist historisch verwurzelt. Die Prophezeiungen sind eingetroffen, Jesus ist in all seiner Herrlichkeit erschienen. Der Text des Petrus verweist auf überprüfbare Ereignisse, wenn von der Verklärung Jesu die Rede ist. Sie fand zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort, dem heiligen Berg, unter Zeugen (Petrus, Jakobus, Johannes) statt, die dabei alle die Stimme des Vaters hörten. Wer heute die Bibel als „Sammlung frommer Geschichten” bezeichnet, steht in der Tradition der Irrlehrer, die schon immer alles bezweifelten, was die Jünger sagten. Oft hat man den Eindruck, dass im Sinne von „Es kann nicht sein, was nicht sein darf” argumentiert wird. Warum ist es nur so schwer, den Berichten der Jünger Jesu Glauben zu schenken?

    Wenn der Geist die Sprache weitet

    Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben.
    Johannes 6,63

    In seinem Chandos-Brief beschreibt Hofmannsthal die Krise des Lord Chandos. Dieser merkt mit Schrecken, dass Worte brüchig werden und die Sprache nicht mehr an die Wirklichkeit heranreicht. Er spürt eine Wirklichkeit, die größer ist als seine Sprache. Wer die Worte Jesu liest, könnte auf ähnliche Gedanken kommen. Kann man das, was er hier sagt, überhaupt noch verstehen?

    Moderne Menschen haben Mühe mit Begriffen wie „Geist”, „Leben” und „Fleisch”. Wie bei Chandos zerfallen solche Worte für viele zu „modrigen Pilzen”. Sie sind nicht mehr Ereignis, sondern leere Hüllen. Man ist es heute gewohnt, in anderen Kategorien zu denken, die sich erschöpfen im Materiellen, Politischen, Moralischen und Rationalen und deshalb zu klein sind. Dabei steht der Ausweg aus dieser Sprachkrise schon im Text. Johannes 6,63 sagt nicht: „Sprache ist unzureichend.“ Sondern: „Sprache wird erst durch den Geist lebendig.“ Während Chandos in der Sprachkrise stecken bleibt, führt Jesus durch sie hindurch. In „Fleisch” steckt die Begrenztheit in unserem menschlichen Denken, Fühlen und Wollen, wodurch unser Blick verengt wird. Wir benötigen dringend die göttliche Dimension. Die Worte, die Jesus zu uns geredet hat, sind „Geist” und „Leben”. Hierbei handelt es sich nicht um Esoterik, Gefühle und spirituelle Energie, sondern um die echte schöpferische Kraft Gottes, die Quelle allen Lebens. Dieser Geist ermöglicht den echten Glauben und erneuert den Menschen von Grund auf. Wir müssen uns von ihm ziehen und verwandeln lassen und dabei unser ständiges Analysieren, Bewerten und Kontrollieren aufgeben. Jesus sagt uns in diesem Vers: Ihr könnt meine Worte nicht verstehen, wenn ihr euch nur in eurer Sprache bewegt. Öffnet euch für die Wirklichkeit Gottes, dann werdet ihr erst richtig leben.

    Wenn Erweckung auf Ablehnung stößt

    „Erwache aus deinem Schlaf! Erhebe dich von den Toten! Und Christus wird dein Licht sein.“
    Epheser 5,14

    Die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts war eine kraftvolle Welle geistlicher Erneuerung, die große Teile Europas und Nordamerikas erfasste. In einer Zeit tiefgreifender Umbrüche, die von Industrialisierung, sozialer Not und politischen Spannungen geprägt waren, suchten viele Menschen nach Orientierung, Trost und persönlicher Glaubensgewissheit. Typisch für die Bewegung – und bis heute charakteristisch – war und ist die Betonung einer persönlichen Bekehrung, eines lebendigen Glaubens und eines intensiven Bibelstudiums. Hauskreise, Gebetsstunden und Laienprediger gewannen an Bedeutung, während traditionelle kirchliche Formen vielerorts als zu erstarrt empfunden wurden.

    In der evangelischen Kirche gibt es heute unterschiedliche Reaktionen auf Formen des Glaubenslebens, wie sie besonders in Freikirchen anzutreffen sind. Viele Pfarrer reagieren zurückhaltend, da sie die evangelikale Sprache als fremd empfinden („Errettung”, „Wiedergeburt”). „Bekehrung” klingt für manche zu sehr nach „Privatreligion”. Man steht einem vermuteten „Bekehrungsdruck” und dessen emotionalen Folgen skeptisch gegenüber. Bei vielen Gelegenheiten betonen die Ablehner einer individuellen Entscheidung für Jesus Christus heute die gesellschaftspolitische Komponente des Christseins. Wenn jedoch Demokratiebildung, Menschenrechtsarbeit oder sozialethische Positionierung zu stark in den Vordergrund rücken, führt das zu einem moralischen Aktivismus, der nicht ohne Folgen bleibt. Viele Menschen werden im persönlichen Glauben unsicher, ziehen sich aus dem Bibel- und Gebetsleben zurück und haben zunehmend das Gefühl, dass „fromme Sprache“ peinlich und unmodern ist. Wenn die Kirche aber vor allem sagt, welche Haltung Christen einnehmen sollen, aber deutlich weniger, wer Christus für sie ist, dann verliert der Einzelne die Quelle seines Glaubens.