Andacht Heute

Der Geist als Anzahlung

Auf dieses neue Leben hat uns Gott vorbereitet, indem er uns als sicheres Pfand dafür schon jetzt seinen Geist gegeben hat. Deshalb sind wir jederzeit zuversichtlich, auch wenn wir in unserem irdischen Leib noch nicht bei Gott zu Hause sind. Unser Leben auf dieser Erde ist dadurch bestimmt, dass wir an ihn glauben, und nicht, dass wir ihn sehen.
2. Korinther 5,5-7

    Heute ist es im Geschäftsverkehr nicht mehr üblich, bei einer Anzahlung, die Teil eines Kaufvertrags sein kann, von Pfand oder Unterpfand zu sprechen. In der Wirtschaftssprache zur Zeit der Bibel war jedem klar: Wenn jemand ein Unterpfand leistete, kam der Rest der Zahlung sicher beim Verkäufer an. Dies war nicht nur ein symbolischer Akt, sondern die Handlung war auch rechtlich bindend. Paulus greift dieses Alltagsbild auf und sagt: Gott hat uns den Heiligen Geist gegeben – als erste Rate der kommenden Herrlichkeit.

    Paulus spricht vom Heiligen Geist als einem ersten Vorgeschmack auf das kommende Leben. Von ihm geht eine Kraft aus, die uns verwandelt und das neue Leben schon jetzt in uns wirksam macht. Der Geist garantiert Gottes Treue. Er ist mehr als nur ein Gefühl, nämlich Gottes bindende Zusage, dass er sein Werk an uns vollenden wird. Wer den Geist hat, hat bereits den Anfang der neuen Schöpfung in sich. Er schenkt uns den Glauben und das Vertrauen auf ein gutes Ende. Der Geist befähigt uns, in dieser Zwischenzeit zu leben – vertrauend und nicht verzweifelnd. Wir können Gott noch nicht sehen, aber an ihn glauben. So dürfen wir ein Leben führen, das von Gottes Zusage getragen ist.

    Sehnsucht nach dem neuen Leib

    Voll Verlangen sehnen wir uns danach, den neuen Leib schon jetzt überzuziehen wie ein Gewand, damit wir nicht nackt, sondern bekleidet sind, wenn wir unseren irdischen Körper ablegen müssen.
    2. Korinther 5,2-3

      Die Bilder, die Paulus hier verwendet, stammen aus der antiken Kleidungssprache. „Nackt“ bedeutet in diesem Kontext nicht moralisch nackt, sondern ohne Leib, also rein geistig. „Bekleidet“ bedeutet demnach, mit einem Leib ausgestattet zu sein. An anderer Stelle schreibt Paulus, dass die Auferstehung zwar körperlich ist, der neue Leib jedoch verwandelt ist. Damit steht er im Gegensatz zu den griechischen Philosophen, die glaubten, dass ein körperloser Geist die höchste Stufe der Existenz sei. Sie betrachteten den Körper als ein Gefängnis für die Seele und sahen keinen Vorteil darin, in einem anderen Körper auferstehen zu können. Der Leib wurde jedoch von Gott geschaffen und ist an sich nicht negativ. Das wird schon dadurch deutlich, dass Jesus selbst als Mensch geboren wurde.

      Wir dürfen uns dieses endgültige Sein in der Ewigkeit also nicht als körperloses Schweben vorstellen, sondern als eine erneuerte, leibliche Existenz in Gottes neuer Schöpfung. Wie dieser neue, auferstandene Leib aussehen wird, wissen wir allerdings nicht. Dem Baptistenprediger John Bunyan wurde einmal die Frage nach dem Aussehen unseres Körpers im Jenseits gestellt. Er gab zu, sie nicht beantworten zu können, da die Bibel hierzu keine genaueren Angaben enthält. Er riet dem Fragesteller, „ein gottgefälliges Leben zu führen, in den Himmel zu kommen und sich ein eigenes Bild davon zu machen.“

      Unterschiedliche Bibelübersetzungen

      Das wissen wir: Unser irdischer Leib ist vergänglich; er gleicht einem Zelt, das eines Tages abgebrochen wird. Dann erhalten wir einen neuen Leib, eine Behausung, die nicht von Menschen errichtet ist. Gott hält sie im Himmel für uns bereit, und sie wird ewig bleiben.
      2. Korinther 5,1 (Hoffnung für alle – HfA)

      Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist.
      2. Korinther 5,1 (Schlachter)

      Betrachtet man die beiden Übersetzungen, so fällt auf: Die Schlachter-Übersetzung ist im engeren Sinne texttreuer: Sie überträgt die Begriffe und Struktur des griechischen Textes weitgehend wörtlich. Sie bleibt näher am Urtext und vermeidet interpretierende Zusätze. Die HfA interpretiert stärker, beispielsweise indem sie „Zelt” sofort als „Leib” deutet und die Aussage über den himmlischen Bau als „neuen Leib” formuliert. Die HfA ist deutlich leichter zu lesen. Sie übersetzt nicht nur, sondern erklärt schwierige Stellen. Das erleichtert das Verständnis, besonders in Gruppen oder bei Menschen ohne biblische Vorbildung.

      Meiner Meinung nach haben beide Übersetzungen ihre Berechtigung. Es ist klug, mehrere Übersetzungen nebeneinander zu verwenden, wie es auf www.bibleserver.com möglich ist. So wird man unter anderem auf sprachliche Feinheiten aufmerksam. Weichen zwei Übersetzungen an einer Stelle auffallend voneinander ab, ist das ein Signal: Meist hat man es mit einer mehrdeutigen Stelle zu tun und man hat sich bei der Interpretation theologisch unterschiedlich entschieden. Verschiedene Übersetzungen nebeneinander helfen nicht nur dabei, den Urtext besser zu erahnen, ohne Griechisch oder Hebräisch zu können. Sie schärfen auch das Sprachgefühl und fordern unsere Auslegungsfreude heraus. Das ist für Gemeinden und Hauskreise wertvoll und überall dort, wo gemeinsam die Bibel gelesen wird. Unterschiedliche Bibelübersetzungen führen möglicherweise zu besseren Zwischenbemerkungen und zu tieferen, lebendigeren Gesprächen.