Andacht Heute

Wenn das Denken stolpert

Ich dachte: Ich will weise werden – sie blieb aber ferne von mir.
Prediger 7,23

Es gibt Komiker, die uns mit ihren Pointen zum Lachen bringen. Und dann gibt es Piet Klocke. Seine Kunstfigur, der Professor Hindemitt, ist kein Mann der Pointe, sondern ein Mann des Anakoluths, des abgebrochenen Satzes bzw. des Denkens, das schneller ist als die Sprache. Er beginnt mit „Also … ich wollte nur …“ und landet irgendwo zwischen Erkenntnisdrang, Selbstzweifel und gedanklichem Chaos. Wir lachen, weil wir uns wiedererkennen. Auch uns geschieht es. Wir wollen klare Sätze sprechen. Und dann verhaspeln wir uns.

Das Buch Prediger enthält jede Menge Anakoluthe, wie der obige Vers zeigt: Da sucht einer nach Weisheit, doch sie entgleitet ihm. Er muss entdecken, dass Gott ihm nicht im klaren Satz oder im perfekten Denken begegnet, sondern eher im Ringen und im Eingeständnis seiner Grenzen. Für uns bedeutet dies: Wir müssen nicht alles verstehen, um vor Gott bestehen zu können. Wir dürfen Fragen haben, wir dürfen Sätze abbrechen, wir dürfen über unser eigenes Denken stolpern. Ich denke dabei an unseren Bibelkreis. Dort darf man auch Gedanken äußern, die uns beim Lesen der Bibel durch den Kopf schießen und die wir nicht klar formulieren können. Oft ist ein abgebrochener Satz ehrlicher als ein perfekter. Wir dürfen sicher sein: Auch wenn wir in unserem Denken manchmal stolpern, gibt uns Gott den Halt, den wir brauchen.

Unsere einzige Hoffnung

Alle, die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durchs Gesetz verurteilt werden.
Römer 2,12

In diesem Vers werden zwei Gruppen von Menschen vorgestellt. Da sind zum einen diejenigen, die sich darauf berufen wollen, dass sie das Gesetz nicht kannten. Der aus dem römischen Recht stammende Satz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ wird heute noch im Strafrecht angewendet. Paulus sagt, dass auch jene, die das Gesetz nicht kennen, ein Gewissen haben. Jeder Mensch hat also eine Ahnung von Gut und Böse. Das Gewissen ist wie ein stiller Zeuge, der uns begleitet. Dann gibt es die Gruppe der Wissenden. Auch sie gehen verloren. Sie tragen sogar eine größere Schuld, weil sie Gottes Willen kennen und das Gesetz dennoch übertreten. Dieser Vers dient jedoch nicht dazu, die Schwere der Schuld der beiden Gruppen zu vergleichen, sondern alle Ausreden zu zerstören. Paulus spricht zu Menschen, die denken: „Ich kenne Gottes Willen – das schützt mich“ oder „Ich wusste es ja nicht – das entschuldigt mich“. Beide Gruppen tun das, was sie nicht tun sollten. Also sind beide verdammt.

An diesem Punkt kommt die Rettung ins Spiel. Gott ist gerecht, aber sein Ziel ist Gnade. Anstatt uns in die Verzweiflung zu stürzen, führt uns die Erkenntnis zu Christus – und er ist da. Sein Wort der Gnade am Kreuz war: „Es ist vollbracht.“ Gerade weil wir uns nicht herausreden können und wir alle verloren wären, ist Christus unsere einzige Hoffnung.

Gebet
HERR Jesus Christus, ohne dich sind wir verloren, mit dir haben wir Hoffnung. Halte uns in deiner Gnade und führe uns in dein Licht. Amen.

Nachfolge ohne Halbherzigkeit

Wieder ein anderer sagte zu Jesus: »Ich will mit dir kommen, Herr. Erlaube mir aber, mich vorher noch von meiner Familie zu verabschieden.« Ihm antwortete Jesus: »Wer beim Pflügen nach hinten schaut, den kann Gott in seinem Reich nicht brauchen.«
Lukas 9,61-62

Wenn man dies liest, könnte man auf die Idee kommen, dass Jesus dazu auffordert, sämtliche familiäre Bindungen aufzugeben, wenn man ihm nachfolgen will. Dagegen spricht jedoch eine andere Stelle im Markusevangelium (7,9-13), in der er die Pharisäer tadelt, weil sie bei ihrem frommen Tun ihre Eltern vernachlässigen. In 1. Tim 5,8 steht außerdem: Wer sich aber weigert, seine Angehörigen zu versorgen – vor allem die eigenen Familienmitglieder –, der verleugnet damit den Glauben. In der Nachfolge muss es also um etwas anderes gehen als um radikalen Beziehungsabbruch.

Betrachten wir das Bild vom Pflügen genauer: Wer damals pflügte, musste nach vorne schauen, sonst wurde die Furche krumm. Nachfolge erfordert daher Konzentration auf das Wesentliche und Entschlossenheit im Handeln. Wer sich immer umschaut, verfehlt die gerade Richtung. Er wird ständig daran denken, was seine Verwandten und Bekannten über ihn denken, und ob er mit seinem Glauben seine weltlichen Ziele gefährdet. Er muss nicht seine Familie aufgeben, sondern seinen Anspruch, Jesus nur zu folgen, „wenn es passt”, seine Haltung, dass andere Verpflichtungen Vorrang haben, sowie die Idee, man könne gleichzeitig vorwärts und rückwärts schauen. Wer dazu nicht bereit ist, dessen Feld und die von ihm gezogenen Furchen werden am Ende so aussehen wie die Wirrnis seiner Gedanken. Der Herr wird aber nur Arbeiter gebrauchen können, die ihren Auftrag treu und gerade erfüllen, damit am Ende eine gute Ernte herauskommt. Wir erkennen daraus: Nachfolge duldet keinen Aufschub. Wer Jesus folgt, darf nicht ständig zurückschauen. Die Familie wird nicht abgewertet, sie darf nur nicht zur Ausrede werden.