Andacht Heute

Täglicher Wissensdurst im Glauben

Mit großer Bereitwilligkeit gingen sie auf das Evangelium von Jesus Christus ein, und sie studierten täglich die Heilige Schrift, um zu prüfen, ob das, was Paulus lehrte, mit den Aussagen der Schrift übereinstimmte.
Apostelgeschichte 17,11

Die Beröer werden hier als Vorbild genannt, da sie ein Musterbeispiel dafür sind, wie man mit dem Evangelium umgehen sollte: offen, an der Schrift orientiert und ohne Angst vor der Wahrheit. Ihr Glaube entstand durch ein ehrliches, prüfendes Hören. Ein solcher Glaube hat nichts mit einem Erbstück zu tun, das man von Eltern, Gemeinde und Kultur übernimmt. Ihre Motivation war nicht die Erhaltung einer Tradition oder die Nachgiebigkeit gegenüber Gruppendruck oder dem Konsumieren von Gedanken anderer.

Die Beröer eignen sich somit als Modell für eine lebendige christliche Gemeinde. Sie begegneten dem Evangelium mit Offenheit, prüften das Gehörte an der Schrift und suchten nach Wahrheit statt nach Bestätigung ihrer Ansichten. Sie hatten einen „gesunden Wissensdurst”, mit dem sie allen Fragen nachgingen, die sie bewegten. Es ist sehr anregend, Glaubensfragen nicht zu verdrängen, sondern ihnen nachzugehen. Gerade im Ringen, im Suchen und im Prüfen wird der Glaube lebendig und persönlich. Wer sich darauf einlässt, wird erkennen, dass dies zwar mühsamer ist, sich aber immer lohnt. Der Glaube wird dadurch nicht einfacher, aber echter, tiefer verwurzelt und gereifter.

Gottes Treue zu Israel

Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.
Römer 11,2

Vor allem durch den Einfluss der Kirchenväter im 2.–5. Jahrhundert entwickelte sich die sogenannte Ersatztheologie. Dabei wurde behauptet, dass die Kirche das „wahre Israel” sei. Damit sollte erklärt werden, warum die Mehrheit der Juden Jesus nicht annahm. Im Mittelalter wurde diese Auffassung bekräftigt und die Juden wurden als „verworfenes Volk” betrachtet. Dies führte zu Diskriminierung, Zwangsmission und Pogromen. Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts korrigierten diese Sicht nicht, sondern verschärften sie sogar noch. Luther war antijüdisch eingestellt und Calvin maß dem Volk Israel keine besondere Rolle mehr zu. Damit wurde die Ersatztheologie zum protestantischen Standard.

Mittlerweile haben sich die meisten großen protestantischen Kirchen (EKD, Reformierte, Anglikaner, Lutheraner weltweit) von der Ersatztheologie distanziert. Man ist zur Position des Paulus zurückgekehrt, wie sie in diesem Bibeltext dargestellt wird: Israel bleibt Gottes Volk, Gottes Bund mit Israel gilt weiterhin und Antijudaismus wird theologisch abgelehnt. Trotz dieser offiziellen Korrektur lebt die Ersatztheologie bei Traditionalisten und auch in manchen freikirchlichen Kreisen weiter. Dort wird Israel beispielsweise als „negatives Beispiel” dargestellt und es fallen Sätze wie „Die Juden haben Jesus verworfen” oder „Wir sind an Israels Stelle getreten”. Wenn wir so etwas hören, sollten wir auf Paulus verweisen. In Römer 11 ruft er die Gemeinde dazu auf, Gottes unwiderrufliche Treue zu Israel zu ehren, in Demut auf der jüdischen Wurzel zu stehen und die Hoffnung auf Gottes zukünftiges Handeln an seinem Volk wachzuhalten.

Das Evangelium in aller Kürze

Denn das steht unumstößlich fest, darauf dürfen wir vertrauen: Jesus Christus ist in diese Welt gekommen, um uns gottlose Menschen zu retten. Ich selbst bin der Schlimmste von ihnen. Doch gerade deshalb war Gott mit mir ganz besonders barmherzig. An mir wollte Jesus Christus zeigen, wie groß seine Geduld mit uns Menschen ist. An meinem Beispiel soll jeder erkennen, dass wirklich alle durch den Glauben an Christus ewiges Leben finden können.
1. Timotheus 1,15-16

Ich habe an dieser Stelle schon öfter geäußert, dass ich kein Freund langatmiger Ausführungen bin, seien es Reden, Predigten, Abhandlungen, in denen man Leser und Zuhörer ermüdet. Ich bin ein Freund der kurzen Form und mag es, wenn Gedanken klar und zügig formuliert werden. Soweit es geht, versuche ich dies auch in meinen Kurzandachten umzusetzen. Der Apostel Paulus ist mir hier ein echtes Vorbild. Er bevorzugt kurze, klare Aussagen und kommt gern direkt zum Punkt. Sein Brief an Timotheus ist ein Musterbeispiel dafür.

Gleich zu Anfang bekennt er, dass er ein schlimmer Christenverfolger gewesen ist. Er bezeichnet sich selbst als den größten Sünder. Es macht ihn authentisch und glaubwürdig, wenn er darauf hinweist, dass er selbst das beste Beispiel eines gefallenen Menschen ist, dem trotz aller Verfehlungen die Barmherzigkeit Gottes zuteil geworden ist. Christus wollte an ihm als Erstem seine Geduld zeigen. Paulus wird so zum Vorbild für alle späteren Gläubigen. Er versteht sich selbst als lebendiges Beispiel dafür, dass niemand zu weit weg ist, um gerettet zu werden. Das zeigt: Niemand ist „zu schlecht“ für Christus. Das ist ein Trost für Menschen, die sich selbst aufgegeben haben. Gottes Gnade ist größer als jede Schuld.

Dieser kleine Abschnitt aus dem Timotheusbrief stellt eine Kurzform des Evangeliums dar:

  • Christus rettet Sünder.
  • Paulus ist das Paradebeispiel dafür.
  • Gottes Geduld ist größer als jede Schuld.
  • Die Verkündigung soll diese Gnade sichtbar machen – durch Worte und durch das eigene Leben.