Siehe, ich will mein Volk schmelzen und prüfen.
Jeremia 9,6
Wenn man nur den Satz der heutigen Losung liest, kann das ratlos machen. Was soll es bedeuten, dass Gott das Schmelzen und Prüfen seines Volkes ankündigt? Das Bild stammt aus der Metallverarbeitung: Das Metall wird erhitzt, damit das Wertvolle sichtbar wird und das Unreine herauskommt. Übertragen kann man dies als einen Akt der Läuterung verstehen. Der Prophet Jeremia beschreibt Juda als durch und durch verlogen, treulos und gewalttätig. Deshalb kündigt Gott ein bevorstehendes Gericht an. Man kann das Kapitel als eine prophetische Analyse des geistlichen Zerfalls Judas betrachten: ein Volk voller Täuschung und Treulosigkeit, das das Gesetz Gottes verlassen hat, weshalb das Gericht kommen wird. Allerdings bedeutet Läutern nicht, dass Gott sein Volk aufgibt. Es ist vielmehr ein Ruf, den künftigen Weg mit Gott zu gehen.
Auch heute leben wir in einer Zeit, in der vieles „schmilzt“. In politischen Debatten wird die Wahrheit vertuscht, die Sicherheit im öffentlichen Raum ist gefährdet, unsere Leitmedien bemühen sich nicht mehr um Objektivität und Neutralität, das Vertrauen in unsere Institutionen leidet massiv. Aber Gott lässt uns nicht im Stich. Inmitten der Ankündigung des Gerichts steht in Jeremia 9 der Satz: „Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne.“ Das ist der Gegenentwurf zur moralischen Fäulnis des Volkes. Nur Gott kann uns noch helfen.
Gebet
HERR, wir stehen in einer Zeit, in der vieles zerbricht. Wahrheit wird verdreht, Vertrauen zerstört, Sicherheit und Klarheit schmelzen dahin wie Metall im Feuer. Du aber lässt uns nicht im Stich. Führe uns durch diese Zeit der Läuterung und lass noch viele erkennen, dass die Rettung nur durch dich kommen kann. Amen.