Am Wort bleiben
„Was macht ihr euch Gedanken darüber, dass ihr kein Brot habt? Begreift ihr es immer noch nicht?“
Markus 8,17
In Markus 8,17–21 führt Jesus ein Lehrgespräch mit seinen Jüngern, in dem er ihr Denken korrigiert. Es geht nicht um Brot, sondern um geistliches Verstehen. Einige Interpreten sagen, Jesus sei „enttäuscht gewesen, weil die Jünger es wieder nicht verstanden haben”. Dann haben wir es mit einem Beispiel zu tun, bei dem jemand die innere Gefühlswelt von Jesus beschreibt, obwohl der Text dazu keine Angaben macht. Das heißt: Man deutet Jesu Motivation, Emotionen oder psychische Prozesse hinein, welche die Bibel nicht belegt. Der Bibeltext sagt lediglich, dass die Jünger nicht verstanden haben, nicht aber, dass Jesus frustriert war. Dies ist eine moderne psychologische Projektion, die wir beobachten, wenn Jesus-Experten uns mit ihrem „Wissen” überzeugen wollen. Sie überdehnen den Bibeltext und erklären das Verhalten Jesu mit Gefühlsdeutungen. Wenn bei solchen Überinterpretationen mehr über das Innenleben Jesu ausgesagt wird, als der Text preisgibt, nennt man dies „Psychologisierung”. Es gibt auch andere Arten der Überfrachtung des Bibeltextes. Wenn wir auf Spekulationen wie „Jesus war ein politischer Revolutionär“ stoßen, können wir die einfache Frage stellen: „Wo steht das im Text?“ Halten wir uns lieber an das, was der Bibeltext sicher aussagt. Gehen wir sauber mit ihm um und respektieren wir seine Grenzen. Dann erkennen wir auch eher, wo die Grenze zwischen Gottes Wort und menschlicher Fantasie verläuft.
Gebet
HERR JesusChristus, bewahre uns vor einem Glauben, der mehr auf menschliche Vorstellungen baut als auf dein Wort, das wir nicht ergänzen müssen, weil es in sich so reich ist. Amen.