Was tun, wenn man uns ständig übersieht?

Du siehst mein Elend, kümmerst dich um meine Nöte, die so schwer auf meiner Seele liegen.
Psalm 31,8

Wie wir in der gestrigen Andacht gesehen haben, kann es eine schwere Last sein, von anderen ignoriert zu werden. Geschieht dies in demonstrativer Weise, beispielsweise in der Schule oder im Beruf, kann uns das krank machen. Auch als Christ trifft uns dieses völlige Übersehen, Nichtansprechen und Nichtwahrnehmen tief. Doch wie verhalten wir uns, wenn wir Opfer einer solchen kommunikativen Verweigerung werden?

Zunächst einmal sollten wir danach trachten, unsere Würde zu bewahren. Gerade weil man uns kleinmachen und erniedrigen will, sollten wir aufrecht stehen bleiben. Grüßen wir also trotzdem freundlich und bleiben wir klar in unserer Haltung. Haben wir den Mut, die Situation so anzusprechen, wie sie ist. Wir könnten beispielsweise sagen: „Ich habe den Eindruck, dass du mich meidest oder nicht wahrnimmst. Das verletzt mich. Können wir darüber sprechen?” Das kann ganz undramatisch und ohne Vorwurf geschehen. Wenn Ignorieren jedoch bewusst als Strafe, zur Manipulation oder als Machtmittel eingesetzt wird, dann gilt: Auch als Christ muss ich mich nicht verletzen lassen. Ich muss nicht um Aufmerksamkeit betteln. Ich darf Beziehungen begrenzen, die mich entwürdigen. Ich darf solche klaren Grenzen ziehen. Jesus selbst machte das, wenn Menschen nicht wahrhaftig mit ihm umgehen wollten. Als Christ muss man nicht „alles schlucken”. Man muss nicht alles in sich hineinfressen. Wir dürfen unseren Schmerz benennen, um nicht zu verbittern. Soweit möglich, kann man auch daran denken, sich zu verändern und Gemeinschaften aufzusuchen, in denen man gesehen wird. Man muss nicht dort bleiben, wo man unsichtbar gemacht wird. Und es hilft uns das Gebet. Gott sieht uns immer, was auch immer mit uns geschieht.

Gebet
Herr Jesus, du siehst mich, wenn andere mich übersehen. Du kennst meinen Schmerz und meine Würde. Bewahre mein Herz vor Bitterkeit und schenke mir Mut zur Wahrheit. Amen.

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