Die Kraft des Gebets – nicht des Beters

Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.
Jakobus 5,16

Jakobus 5,16 kann leicht missverstanden werden, wenn man den Vers psychologisch auslegt („Wenn ich nur ernsthaft genug bete, passiert etwas.“). Jakobus sagt jedoch nicht, dass die Intensität des Gebets dessen Wirksamkeit erzeugt. Auch nicht, dass wir durch maximale Ernsthaftigkeit Gott zu etwas bewegen können. Der Mensch ist nicht der eigentliche Wirkfaktor. Das wäre eine Art „fromme Magie“.

Wenn man den gesamten Abschnitt in Jakobus 5 liest, wird deutlich, dass immer Gott derjenige ist, der aufrichtet und vergibt (V. 15), der heilt (V. 16) und der Regen sendet (V. 18). Der griechische Ausdruck deēsis energoumenē bedeutet „ein Gebet, das in seiner Wirksamkeit von Gott in Gang gesetzt ist”. Entscheidend ist hier: Nicht der Beter erzeugt die Wirkung, sondern der Geist Gottes schenkt dem Beter ein wirksames Gebet. In 1. Johannes 5,14 heißt es: Deshalb können wir auch voller Zuversicht sein, dass Gott uns hört, wenn wir ihn um etwas bitten, das seinem Willen entspricht. Noch einmal: Es kommt nicht auf den Nachdruck an, den wir in ein Gebet legen. Gerecht ist hier nicht der moralisch Perfekte, sondern der Mensch, der sich von Gott ausrichten lässt. „Wirksam” ist nicht das Gebet, das aus unserem Nachdruck entsteht, sondern das Gebet, das Gott selbst in uns wirkt. Gottes Geist entzündet in uns ein Gebet, das wir selbst nicht hervorbringen könnten. Das befreit uns von der Last, ein starkes Gebet formulieren zu müssen. Wir dürfen uns vom Heiligen Geist beten lassen.

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