Andacht Heute

Trost für alle Nichtbeachteten

Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die Menschenmenge machte ihm keinen Platz. Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, der am Weg stand. Von hier aus hoffte er, einen Blick auf Jesus werfen zu können. Als Jesus dort vorbeikam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich soll heute dein Gast sein!«
Lukas 19,3-5

Wir haben vor einigen Tagen einen Band erhalten, der von der Schwester des vor einigen Jahren verstorbenen Lyrikers in bayrischer Sprache Reinhard Hauswirth mit Gedichten aus seinem Nachlass herausgegeben wurde. Wir lesen darin mit großer Freude, zugleich auch mit Bedauern, dass ihm zu Lebzeiten nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Er war ein großer Sprachkünstler, der die Möglichkeiten des Bayrischen in schalkhafter Weise eindrucksvoll ausgereizt hat. In einem seiner Gedichte heißt es im Refrain:
I schreib fia mi mei eingne Wäid,
Schreib ned fia d Leid, schreib ned fia s Gäid!
Wann i äbbs schreib, buidd i mia ei,
I daad a gloana Heagodd sei!

Spätestens bei diesen Zeilen erkennt man, dass es diesem begabten Menschen nicht um die Anerkennung der Leute ging. In all seiner Genügsamkeit fühlte er sich dabei wohl, wenn er für sich und seinen Bekanntenkreis schreiben konnte.

In der Geschichte des Zachäus sehen wir ein ähnliches Muster. Er war klein, wurde übersehen, stand am Rande. Als Jesus nach Jericho kam, musste er auf einen Baum klettern, weil niemand ihn durchließ. Aber in der großen Menschenmenge sieht ihn Jesus als Einzigen an. Was ist das doch für eine hoffnungsvolle Geschichte für alle, die von anderen nicht beachtet werden, weil sie aus irgendwelchen Gründen nicht im Rampenlicht stehen können oder wollen. Es kommt nicht auf den Beifall der Massen an. Wir dürfen aber sicher sein: Wer sich Jesus zuwendet, wird von IHM auch gesehen.

Gottes Wirken im Hintergrund

„Im vorliegenden Fall rate ich deshalb: Lasst diese Leute in Ruhe! Lasst sie gehen! Denn wenn das, was sie wollen, und das, was sie tun, von Menschen kommt, wird es scheitern. Wenn es aber von Gott kommt, werdet ihr es nicht zerstören können. Vielleicht steht ihr dann sogar als solche da, die gegen Gott kämpfen.“ Das überzeugte sie.
Apostelgeschichte 5,38-39

Die Apostel wurden vor den Hohen Rat geführt. Sie sollten getötet werden, doch der Pharisäer Gamaliel warnte: „Wenn ihr Werk menschlich ist, wird es untergehen. Wenn es aber von Gott ist, kann man es nicht aufhalten.“ Dank Gamaliels Rat wurden die Apostel nicht getötet, sondern „nur“ ausgepeitscht und freigelassen. So konnten sie ihre Werk der Verkündigung fortsetzen.

In dieser Geschichte sehen wir, dass sich Gottes Wirken nicht verhindern lässt. Seine inspirierten, guten und heilsamen Ideen werden immer einen Weg finden, auch wenn es Widerstände gibt. Manchmal öffnet sich wieder eine Tür oder es findet sich ein Fürsprecher, mit dem man nicht gerechnet hat. Man sieht also, dass immer Hoffnung besteht, auch wenn es nicht immer die Lösung ist, die wir erwarten. Die Apostel hatten sich kompromisslos für Gott eingesetzt. Dadurch erlebten sie ein Maximum an Widerstand: Gefängnis, Bedrohung mit dem Tod und schließlich Auspeitschung. Der Konflikt verschwand nicht sofort, aber Gott wirkte in ihn hinein und ließ alles gut ausgehen. Wenn wir uns für Gott einsetzen, dürfen wir darauf vertrauen, dass er im Hintergrund mitwirkt.

Wo Liebe wohnt, zieht Gott ein 

„Wenn jemand mich liebt, wird er sich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“
Johannes 14,23

Jesus erklärt seinen Jüngern, dass ihr Gehorsam aus der Liebe erwächst, nicht umgekehrt. Gehorsam ist eine Frucht des Glaubens. Liebe macht gehorsam, nicht umgekehrt. Christsein ist also kein Pflichtenprogramm, sondern die Antwort auf die Liebe, die wir durch Gott erfahren, und die wir als solche erkennen und erwidern. Wir müssen also nicht zuerst „gut genug” werden, um zu Jesus zu gehören. Dies ist eine Entlastung für alle, die sich in ihrem Glauben manchmal als noch „nicht ausreichend“ empfinden. Aus der Liebe entsteht Vertrauen, und dieses Vertrauen lässt uns nach dem Wort des Herrn leben. Und Gott wohnt dort, wo Liebe und Vertrauen sind. So wird christlicher Alltag zu einem Ort der Nähe Gottes – mitten in aller Unvollkommenheit.

Wenn jemand mit erhobenem Zeigefinger auf uns zukommt und uns in die Pflicht nehmen will, sei es durch die Einhaltung von Speisevorschriften, den regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes, noch größerer Inbrunst im Beten, und was es sonst noch an Gehorsamsleistungen gibt, dann können wir auf die Worte Jesu an seine Jünger verweisen. Es kommt auf die richtige Reihenfolge an: Gehorsam ist keine Eintrittskarte für den Himmel; er entsteht als Frucht in uns. Wir können uns nicht selbst optimieren und sollten dies auch nicht anstreben. Aus uns selbst heraus vermögen wir nichts. Alles erwächst aus der Liebe Gottes.