„Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein, die sich selbst betrügen.“
Jakobus 1,22
Johannes Chrysostomus (349–407) war Erzbischof von Konstantinopel und ein bedeutender Prediger seiner Zeit. Er war einer der wichtigsten Begründer der Homiletik, also der Lehre von der Predigt. Dabei geht es um die Auslegung (Exegese) von Bibeltexten und ihre verständliche Vermittlung an die Gemeinde, auch um den sinnvollen Aufbau einer Predigt und um hilfreiche rhetorische Mittel. Chrysostomus bevorzugte eine klare Sprache und wählte lebensnahe Themen. Er befasste sich damit, wie sich die Lehren der Bibel ins tägliche Leben übertragen lassen. Über die Aufgabe des Predigers sagte er: „Wir bekleiden nur den Rang eines mahnenden Ratgebers. Der Ratgeber sagt seine Meinung, ohne auf den Zuhörer Zwang auszuüben. Er überlässt es dem Zuhörer, sich für oder gegen das Gesagte zu entscheiden.“
Johannes Chrysostomos predigte klar und eindringlich. Er wollte seine Hörer zur Umkehr bewegen, ohne sie unnötig zu verletzen. Mit großer Menschenkenntnis griff er Alltagserfahrungen, Bilder aus Medizin, Sport und Krieg sowie bekannte Sprichwörter auf. Die Heilige Schrift liebte er leidenschaftlich und verglich sie mit einer blumenreichen Wiese, einem Bergwerk voller Schätze und einer Sammlung kostbarer Edelsteine. Besonders setzte er sich für die Armen ein und rief seine Gemeinde zu einem glaubwürdigen christlichen Lebensstil auf.
Chrysostomos betrachtete die Bibel nicht als Schmuckstück für das Regal, sondern als Schatz für das Leben. Er fragte sich, wie man das Wertvolle in ihr darstellen könne, sodass es allen einleuchtet. Das bringt mich auf die Idee, dass wir uns beim Lesen der Bibel vorstellen könnten, wir hätten den Auftrag, darüber eine Predigt zu halten, in der wir den Sinn des Textes so verständlich weitergeben, dass andere ihn erkennen können.
Gebet
HERR Jesus Christus, danke für dein Wort. Hilf uns, aufmerksam auf dich zu hören und das Gute, das wir erkennen, auch umzusetzen. Amen.