Die Bibel ist kein Rätselbuch
Jesus antwortete: „Ich habe in aller Öffentlichkeit zu den Menschen gesprochen. Niemals habe ich etwas im Geheimen gelehrt, sondern immer in den Synagogen und im Tempel, wo es jeder hören konnte.“
Johannes 18,20
Irenäus von Lyon lebte vermutlich zwischen 130 und 200 nach Christus, stammte aus Smyrna und war Bischof von Lyon. Als einer der frühen Kirchenväter gilt er als bedeutender Theologe. In seinen Schriften wandte er sich gegen damals kursierende Irrlehren, vor allem gegen die Gnosis. Diese unterschied zwischen einem hohen, reinen Gott und einem niedrigen Schöpfergott, der für die materielle Welt verantwortlich sei. Erlösung komme laut dieser Lehre durch Erkenntnis, nicht durch Kreuz und Auferstehung.
Irenäus betonte, dass es nur einen Gott gibt und dass er durch eine einzige Heilsgeschichte führt. In der evangelischen Theologie wurde seine Sichtweise zu einem entscheidenden Grundsatzpunkt, der die kanonische Einheit der Bibel betont. Danach gehören Altes und Neues Testament zusammen. Den Höhepunkt, auf den alles zuläuft, bildet Jesus Christus. Er ist der Schlüssel der gesamten Bibel. Durch ihn wird der unsichtbare Vater sichtbar. Die Bibel ist ein zusammenhängendes Zeugnis von Gottes Weg mit der Menschheit. Irenäus ist der erste christliche Autor, der alle vier Evangelien ausdrücklich als göttlich inspiriert hervorhebt. Damit waren sie schon früh anerkannt und wurden gegen Verfälschungen verteidigt.
Für uns heutige Christen bedeutet die klare Abgrenzung zu gnostischen Richtungen, dass unser Glaube öffentlich ist und keine Geheimwissenschaft darstellt. Er ist für alle zugänglich und muss nicht durch esoterisches Spezialistentum erworben werden. Niemand muss sich „hochlernen“, um Gott zu finden. Unsere Erlösung kommt durch Christus, nicht durch intellektuelle Erkenntnis. Die Gnosis betrachtete die Welt als Fehler oder Gefängnis. Unser Glaube sagt, dass die Welt gut geschaffen, der Mensch gewollt und der Körper wertvoll ist. Von uns wird keine Weltflucht verlangt, wir dürfen unser Leben und unsere Welt bejahen.
Gebet
HERR Jesus Christus, wir danken dir, dass du dich nicht im Verborgenen hältst, sondern dich uns offen zeigst. Bewahre uns vor allem, was uns von dir wegzieht. Amen.