„Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan!“
Matthäus 7,7
Sicherlich ist es nicht verkehrt, Kommentare zu Bibelversen zu lesen. Wir sollten dies jedoch nicht unkritisch tun. So lese ich beispielsweise in „Enduring Word“, einem Bibelkommentar des US-amerikanischen Pastors David Guzik: „Gott schätzt Ausdauer und Leidenschaft im Gebet, weil sie zeigen, dass wir ähnlich empfinden wie er.“ Hier wird über das Innenleben Gottes gesprochen, als könne man es kennen. Der Autor greift zu psychologischen Behauptungen über Gott, die er nicht belegen kann. Das klingt fromm, ist aber nur eine menschliche Projektion. In der Bibel steht nicht, dass Gott Ausdauer „schätzt“. Sie sagt lediglich, dass Jesus zum Bitten, Suchen und Anklopfen auffordert. Es ist auch falsch zu behaupten, dass es nur von der Intensität unseres Gebets abhängt, ob wir bei Gott etwas erreichen können. Guzik sagt allen Ernstes: „Viele unserer leidenschaftslosen Gebete werden aus gutem Grund nicht beantwortet, denn es ist fast so, als würden wir Gott bitten, sich um etwas zu kümmern, das uns wenig oder gar nichts bedeutet.“ In der Bibel steht nichts davon, dass wir, je intensiver wir beten, desto eher etwas bekommen. Das würde sich nach Manipulation und magischem Denken anhören. Ausdauer und Intensität im Gebet sind keine Versuche, Gott zu überreden. So, als würde man seinen Nachbarn nerven, damit er einem die Tür öffnet. Sie sind Ausdruck unseres Vertrauens und unserer Sehnsucht nach Gottes Willen. Sie verändert nicht Gottes Herz, sondern unser eigenes. Gebet drückt Vertrauen aus. Es ist die Anerkennung des Willens Gottes und der dankbare Ausdruck für seine Gnade.
Gebet
Herr Jesus, du lädst uns ein, mit all unseren Bitten zu dir zu kommen. Wir müssen dich nicht zu etwas überreden. Du gibst uns, was wir brauchen, weil du uns liebst. Amen.