HERR, schon früh am Morgen hörst du mein Rufen. In aller Frühe bringe ich meine Bitten vor Dich und warte sehnsüchtig auf Deine Antwort.
Psalm 5,4
Es ist bemerkenswert, dass David nicht sagt: „Schon früh am Morgen habe ich alles im Griff.“ Sondern: „Schon früh am Morgen rufe ich – und ich warte.“ Der Morgen ist nicht der Moment der Selbstsicherheit, sondern der Demut. Wir beginnen nicht mit Antworten, sondern stellen erst einmal fest: „Ich brauche Dich, Gott. Ich will mich Dir zuwenden.“
Denn oft ist es genau andersherum: Wir wachen auf, und sofort beginnt das innere Stimmengewirr. „Was steht heute an? Was muss ich schaffen? Was habe ich gestern falsch gemacht? Welche Sorgen melden sich zuerst?“ Wir suchen früh am Morgen nach Orientierung – aber meistens in uns selbst.
David zeigt einen anderen Weg: Nicht zuerst in sich hineinhorchen, sondern zuerst auf Gott hören. „Ich bringe meine Bitten vor Dich und warte sehnsüchtig auf Deine Antwort.“ Das ist kein passives Warten. Es ist ein inneres Ausrichten: „Ich lege meinen Tag in Deine Hände. Ich erwarte, dass Du sprichst – vielleicht leise, vielleicht überraschend, vielleicht erst im Laufe des Tages.“ Der Tag gelingt nicht, weil wir alles im Griff haben. Er gelingt, weil wir ihn mit Gott beginnen.