Die stille Kraft der Schrift

„Schreibe die Vision auf und grabe sie ein in Tafeln, damit man sie geläufig lesen kann.“
Habakuk 2,2

In der Kirchengeschichte waren viele große geistliche Stimmen keine Redner, sondern Schreiber. Ihre Andachten, Briefe, Auslegungen, Gebete und Werkstattnotizen haben Generationen geprägt. Sie waren nicht für die Bühne bestimmt, haben aber die Leser auf stille Art erfüllt und gerade deshalb über Jahrhunderte gewirkt. Geschriebene Worte haben eine besondere Kraft. Sie begleiten Menschen in ihrem eigenen Tempo. Sie können wieder gelesen, neu bedacht und anders verstanden werden. Sie öffnen Raum für Stille, für Nachdenken und für Begegnung. Das ist in der heutigen Zeit, in der vieles laut, schnell und flüchtig daherkommt, wichtiger denn je.

Die schriftliche Verkündigung erlaubt es, in Ruhe zu formulieren, zu prüfen, zu kürzen und zu klären. Die klassischen Tugenden der Rhetorik gelten sowohl für die Rede als auch für die Schrift: Kürze (brevitas), Klarheit (perspicuitas), Schönheit (ornatus) und Angemessenheit (aptum). Wer von Gott die Gabe der schriftlichen Verkündigung erhalten hat, sollte sie auch nutzen. So können Menschen genau da erreicht werden, wo sie es brauchen. Wenn sie Halt suchen, neue Kraft und Hoffnung..

Gebet
Herr, lass unsere schriftlichen Worte getragen sein von deiner Nähe, um damit Seelen zu erreichen, die nach dir suchen. Amen.

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