Lassen wir das Wort in uns arbeiten

Seid aber Täter des Wortes und nicht nur Hörer.
Jakobus 1,22

Wir schlagen die Bibel oft auf, als wäre sie ein fertiges Paket: Man liest, nimmt etwas mit, klappt sie wieder zu. Fertig. Doch so funktioniert lebendiger Glaube nicht. Die Bibel entfaltet ihre Kraft erst, wenn wir uns aktiv auf sie einlassen. Denn Texte bleiben nicht leer. Wir füllen sie mit unseren Vorstellungen, Fragen und Erfahrungen. Wir sind nicht nur passive Empfänger, sondern auch Sinnbildner. Im Lesen kann ein schöpferischer Akt entstehen. Darum ist es gut, Eindrücke zu formulieren: Worte, Bilder, Gebete, kleine Dialoge, die beim Lesen auftauchen. Es ist nicht falsch, Vermutungen anzustellen oder eigene Formulierungen zu finden. Im Gegenteil: So beginnt der Text, in uns zu arbeiten.

Oft hilft es, mit einem anderen Leser ins Gespräch zu kommen. Dafür braucht es Räume, in denen solche Begegnungen möglich sind. Ich denke hier an Bibelkreise. Es gibt selten nur eine einzige richtige Deutung. Wir sind herausgefordert, weil wir aussprechen müssen, was uns aufgefallen ist. Im Austausch können wir unsere Eindrücke prüfen, vertiefen und zu neuen Einsichten gelangen.

Die Bibel ist Gottes Wort. Sie will aber nicht nur ehrfürchtig respektiert werden und unangetastet bleiben. Gespielte Ehrfurcht ist nur ein Deckmantel für Gleichgültigkeit. Nur wer sich dem Text wirklich aussetzt, wird berührt, bewegt und verwandelt.

Gebet
HERR, öffne unser Herz für dein Wort. Lass uns nicht nur lesen, sondern aufmerksam hören und antworten. Schenke uns die Gelegenheit, unsere Eindrücke zu teilen und gemeinsam zu entdecken, was du uns sagen willst. Amen

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