„Wenn dies geschehen ist, will ich, der Herr, alle Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, die alten Männer werden bedeutungsvolle Träume haben und die jungen Männer Visionen.“
Joel 3,1
In manchen evangelikalen Gemeinden gibt es eine feste Ordnung: Männer predigen, Frauen sollen sich unterordnen. Dabei beruft man sich auf zwei Bibelstellen (1. Tim 2,12; 2. Kor 14,34), die aus dem Zusammenhang gerissen und falsch übersetzt werden. Wenn man genau hinschaut, merkt man: Der Geist Gottes hält sich nicht an menschliche Hierarchien. Er ruft, wen er ruft. Er befähigt, wen er will. Er schenkt Gaben, wie er will, nicht wie wir es ordnen. Die Bibel selbst zeigt es: So sprechen Frauen in Gottes Auftrag, wie es in Joel 3,1 steht. Sie lehren, leiten Hausgemeinden, verkündigen die Auferstehung und tragen die Gemeinde im Gebet. Paulus nennt sie Mitarbeiterinnen, Diakoninnen und Apostelinnen.
Zum Thema „Predigen”. Manche sind heute noch der Meinung, das sei die Königsdisziplin der Verkündigung und nur Männer seien dazu fähig. Doch nirgends in der Bibel wird das behauptet. Die Predigt ist lediglich eine von vielen Formen. Gott spricht auch im einfachen Gespräch zwischen Gläubigen. Er spricht im Gebet, allein oder im kleinen Kreis. Er spricht in der Bibellese und im gemeinsamen Ringen um den Text. Er spricht im Singen, im Schreiben, im Trösten, im Ermutigen. Er spricht durch Menschen, die zuhören können. Er spricht durch Menschen, die Worte finden, wenn andere keine haben.
Wer sich berufen fühlt, soll reden. Wer eine Gabe hat, soll sie einsetzen. Wer den Geist spürt, soll ihm folgen. Nicht, weil wir es ihm erlauben, sondern weil Gott es schenkt. Berufung ist kein Privileg der Männer, sondern ein Geschenk des Geistes. Und wo der Geist wirkt, entsteht Gemeinde – nicht durch Hierarchie, sondern durch Gottes Gnade.
Gebet
Herr, unser Gott, du rufst Männer und Frauen. Du schenkst Gaben und Berufungen, die größer sind als unsere Traditionen und Ordnungsversuche. Lass unsere Gemeinschaft ein Ort sein, an dem jeder Mensch das tun darf, wozu du ihn berufen hast. Amen.