Gottes Treue zu Israel

Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat.
Römer 11,2

Vor allem durch den Einfluss der Kirchenväter im 2.–5. Jahrhundert entwickelte sich die sogenannte Ersatztheologie. Dabei wurde behauptet, dass die Kirche das „wahre Israel” sei. Damit sollte erklärt werden, warum die Mehrheit der Juden Jesus nicht annahm. Im Mittelalter wurde diese Auffassung bekräftigt und die Juden wurden als „verworfenes Volk” betrachtet. Dies führte zu Diskriminierung, Zwangsmission und Pogromen. Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts korrigierten diese Sicht nicht, sondern verschärften sie sogar noch. Luther war antijüdisch eingestellt und Calvin maß dem Volk Israel keine besondere Rolle mehr zu. Damit wurde die Ersatztheologie zum protestantischen Standard.

Mittlerweile haben sich die meisten großen protestantischen Kirchen (EKD, Reformierte, Anglikaner, Lutheraner weltweit) von der Ersatztheologie distanziert. Man ist zur Position des Paulus zurückgekehrt, wie sie in diesem Bibeltext dargestellt wird: Israel bleibt Gottes Volk, Gottes Bund mit Israel gilt weiterhin und Antijudaismus wird theologisch abgelehnt. Trotz dieser offiziellen Korrektur lebt die Ersatztheologie bei Traditionalisten und auch in manchen freikirchlichen Kreisen weiter. Dort wird Israel beispielsweise als „negatives Beispiel” dargestellt und es fallen Sätze wie „Die Juden haben Jesus verworfen” oder „Wir sind an Israels Stelle getreten”. Wenn wir so etwas hören, sollten wir auf Paulus verweisen. In Römer 11 ruft er die Gemeinde dazu auf, Gottes unwiderrufliche Treue zu Israel zu ehren, in Demut auf der jüdischen Wurzel zu stehen und die Hoffnung auf Gottes zukünftiges Handeln an seinem Volk wachzuhalten.

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