Ausgerechnet Petrus gibt Ratschläge zur Mäßigung

Vergeltet nicht Böses mit Bösem, droht nicht mit Vergeltung, wenn man euch beleidigt. Im Gegenteil: Bittet Gott um seinen Segen für den anderen. Denn ihr wisst ja, dass Gott auch euch dazu berufen hat, seinen Segen zu empfangen.
1. Petrus 3,9

Mir gefällt es sehr, wie Petrus seine Überlegungen darlegt. Man merkt, dass hier ein genauer Beobachter seine Schlüsse zieht und seine Empfehlungen den Empfängern seines Briefs weitergibt. Er rät entschieden davon ab, Vergeltung zu praktizieren. Dabei wissen wir, dass Petrus jemand war, dem sein Temperament manchmal durchgegangen ist. Er konnte impulsiv, emotional und manchmal ungestüm sein. So zog er gegen Malchus das Schwert und schlug dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr ab. Jesus stoppte ihn sofort und heilte den Verletzten. Petrus wollte in diesem Moment seinen Herrn einfach nur beschützen. Seine überschießende Reaktion war kein Akt kalkulierter Rache oder Vergeltungslust.

Dieser Petrus war kein Musterknabe, sondern in seinen Reaktionen durchaus kritisierbar. Das schließt jedoch nicht aus, dass er anderen einen Rat geben kann. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Wer immer brav in seiner Kammer hockt und niemals als Akteur in Auseinandersetzungen in Erscheinung tritt, ist auch nicht in der Lage, auf Dinge hinzuweisen, die in der Natur des Menschen liegen, wie das Bedürfnis nach Genugtuung, wenn man schlecht behandelt wurde. Gerade jemand wie Petrus, der solche Situationen und die damit verbundenen inneren Kämpfe kennt, kann ein besserer Ratgeber sein. In der Malchusgeschichte hat er selbst erlebt, wie Jesus mit ihm umgegangen ist. Er hat ihn nicht verurteilt, nicht bloßgestellt und es ihm nicht „zurückgezahlt”. Jesus hat Petrus aus seinem hochemotionalen Zustand heruntergeholt. Er hat ihn in aller Liebe wiederhergestellt und ihm als brauchbaren Diener Aufträge erteilt. Dabei hat Petrus gelernt, Krisen zu bewältigen, und verstanden, dass Stärke nicht im Zuschlagen, sondern im Aushalten liegt. Seine Worte, die auch uns im Alltag helfen können, haben Gewicht, weil sie durchlebt sind.

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