Ich gedenke der Taten des HERRN; ja, ich will an deine früheren Wunder denken. Ich will über all dein Tun nachsinnen und über deine Werke reden.
Psalm 77,12-13
Im ersten Band von Marcel Prousts Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ taucht der Erzähler eine Madeleine in seinen Tee. Der Geschmack des Gebäcks löst unverhofft eine intensive Erinnerung an seine Kindheit in Combray aus, insbesondere an die Sonntage, an denen er seiner Tante Léonie eine Madeleine brachte. Diese Szene ist so berühmt, dass der Begriff „Madeleine-Effekt“ für ein Geruchs- oder Geschmackserlebnis steht, das plötzlich verloren geglaubte, tief emotionale Erinnerungen hervorruft.
Im Leben erinnern wir uns auf zwei Weisen: Manches kommt zu uns wie ein Geschenk: plötzlich, unverhofft, überwältigend. Das kann ein Geschmack, ein Geruch sein. Es kann auch Lied oder ein Bibelwort sein – und wir erleben einen Moment, der uns geschenkt erscheint. Und dann gibt es die andere Erinnerung: die mühevolle, langsame, tastende. Wir ordnen, wir suchen, wir deuten und versuchen, unserem Leben Form zu geben. Das klingt eher nach Arbeit und erfordert Ausdauer. Manchmal trägt uns also ein Moment, der uns geschenkt wird. Manchmal tragen wir selbst dazu bei durch unseren Einsatz – im Lesen, im Nachdenken, im Gespräch und im Gebet. Ob Geschenk oder Aufgabe: Beide Wege gehören zu unserem Leben. Begreifen wir sie als verschiedene Weisen, die uns zu Gott führen.
Gedanken zum heutigen Tag und ein schönes Lied findest du auf: