Du sollst kein falsches Zeugnis reden gegen deinen Nächsten!
2. Mose 20,16
„‚Du sollst nicht lügen‘ – so haben wir es als Kinder gelernt. Und das stimmt ja auch. Aber als Erwachsene merken wir: Die gefährlichsten Unwahrheiten sind oft nicht die offenen Lügen, sondern die schnellen Urteile, die halben Wahrheiten und die Etiketten, die wir anderen aufkleben.
Heute leben wir in einer Zeit der starken und schneidenden Worte. In den sozialen Medien, in politischen Debatten und in Alltagsgesprächen begegnen uns Begriffe wie ‚Tagträumer‘, ‚Illusionisten‘, ‚Rassisten‘ oder ‚Faschisten‘. Wenn wir Menschen mit solchen Etiketten belegen, reduzieren wir sie auf eine einzige Eigenschaft. Damit verletzen wir das Gebot, denn wir urteilen über den anderen in einer Weise, die ihm schaden soll, und die in ihrer Pauschalisierung nicht der Wahrheit entspricht.
Es reicht nicht aus, wenn wir selbst auf verletzende Pauschalbegriffe verzichten. Wir sollten auch aufmerksam zuhören, wenn solche Worte in unserer Umgebung oder in den Medien fallen. Wo Sprache Menschen herabsetzt oder verzeichnet, dürfen wir freundlich, aber klar widersprechen. Christlicher Glaube bedeutet nicht, dass wir allem zustimmen und uns nicht äußern müssen. Die Weisheit der Bibel macht uns aufmerksamer für das, was um uns geschieht, und sprachkritischer. Der Heilige Geist ermutigt uns, für eine Sprache einzutreten, die der Wahrheit verpflichtet ist, die Menschenwürde achtet und für einen friedlichen Austausch geeignet ist.