Und als Salomo alt wurde, neigten seine Frauen sein Herz anderen Göttern zu, sodass sein Herz nicht ungeteilt bei dem HERRN, seinem Gott, blieb wie das Herz seines Vaters David.
1. Könige 11,4
Wir haben uns gestern in unserem sonntäglichen Christen-Chat über „Weisheit“ unterhalten. Es ging auch um den Weisheitslehrer König Salomo, von dem in der Bibel ein großer Teil der Sprüche, das Hohelied und das Buch Kohelet stammen. Darin formuliert er klar seine Einsichten zu Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Selbstbeherrschung, dem Umgang mit Reichtum sowie zu Treue und Reinheit. Wie traurig ist es jedoch zu hören, dass der spätere König seine eigene Weisheit ignoriert hat. Gerade die Dinge, vor denen seine Worte warnen, prägen sein späteres Leben: Machtmissbrauch (Zwangsarbeit und Prachtbauten), Unmäßigkeit (viele Frauen) und religiöse Kompromisse (fremde Kulte, Götzenverehrung).
Salomo ist das eindrücklichste biblische Beispiel für das Auseinanderklaffen von Weisheit in Worten und Torheit im Leben. Er gilt als Warnfigur der Weisheit. Wir sehen, dass selbst der weiseste Mensch nicht davor gefeit ist, sich zu verirren. Sein Scheitern geschah nicht mit einem Schlag, sondern schleichend, durch kleinere Verschiebungen seiner Prioritäten. Nach und nach nahm er es nicht mehr so genau mit seinen Prinzipien. Die vielen kleinen „Ist doch nicht so schlimm“-Momente nahmen in seinem Leben zu. Das Beispiel Salomos zeigt mir, dass es nicht ausreicht, Weisheiten zu kennen, sondern dass es darauf ankommt, sich mit Herz und Verstand im Alltag zu bewähren. So kann ich auch in meinen Andachten kluge Sätze formulieren. Es kommt aber darauf an, wie ich handle. Theorie ist gut, aber sie ersetzt nicht die Praxis. Wie Goethe es formuliert hat: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum.“ Oder wie Adi Preißler es in die Sprache des Fußballs übersetzt hat: „Grau ist alle Theorie – entscheidend is auf‘m Platz.“