Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
2. Timotheus 1,7
In einem Online-Seminar zur Prävention sexualisierter Gewalt habe ich unter anderem gelernt, wie man mit Fällen richtig umgeht, bei denen man sich nicht sicher ist, ob man es wirklich mit übergriffigem Verhalten zu tun hat. Es wurde mir empfohlen, erst einmal eine Dokumentation anzulegen und in einer Spalte möglichst wertfrei meine eigenen Beobachtungen einzutragen: Was habe ich erlebt? Was weiß ich sicher? Was ist überprüfbar? In die zweite Spalte kommen meine Vermutungen und Hypothesen. Hier kann ich meine Gedanken dazu niederschreiben: Welche Befürchtungen tauchen in mir auf? Wie interpretiere ich den Vorfall? Es geht also darum zu erkennen: Was habe ich wirklich gesehen, und was macht mein Kopf daraus? Plötzlich wurde mir klar: Genau so funktionieren auch meine Sorgen im Leben.
Zur Begrenzung meiner Sorgen können folgende Gedanken helfen: Aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus stellen wir Vermutungen auf. Oft neigen wir dazu, das Schlimmste zu befürchten. Das führt zu Kummer und negativem Stress. Wir sollten deshalb sämtliche Vermutungen – so gut es geht – nüchtern betrachten und anhand von Fakten auf Angemessenheit prüfen. Übertriebene Sorgen bis hin zu panischem Verhalten entstehen, wenn wir unsere Vermutungen für Fakten halten. Gott lädt uns ein, beides zu unterscheiden und das Schwere in seine Hände zu legen. Er nimmt uns nicht die Realität ab, aber er nimmt uns die Last der Befürchtungen, wenn wir sie ihm anvertrauen.