Paul Gerhardts Lieder

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen; lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; singt Gott dankbar in euren Herzen Psalmen, Lobgesänge und geistliche Lieder.
Kolosser 3,16

Im Jahr 2026 feiern wir Paul Gerhardt als Dichter, der das „Wort Christi“ in poetische Sprache und singbare Form gebracht hat. Seine Lieder betonen bis heute das gegenseitige Lehren und Ermahnen. Sie tragen, trösten, verbinden und geben Sprache für das, was Menschen glauben und hoffen.

Am Beispiel seines bekannten Liedes „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ (Ev. Gesangsbuch 503) kann man zeigen, wie die heute allseits bekannte Fassung entstanden ist. Text und Melodie standen jedenfalls nicht gleich von Anfang an fest, wie man vielleicht vermuten könnte. Paul Gerhardt (1607–1676), Pastor der Nicolaikirche in Berlin, schuf den Text, zu dem der dortige Kantor eine barocke Melodie komponierte und in sein Gesangsbuch von 1653 aufnahm. Diese Melodie setzte sich jedoch nicht durch und verschwand im 18. Jahrhundert weitgehend aus dem Gemeindegesang. Später kam Augustin Harder (1775–1813) ins Spiel, der eine Melodie zu Ludwig Höltys Frühlingslied „Die Luft ist blau, das Tal ist grün“ geschrieben hatte. Sie ist typisch frühromantisch: eingängig, volksliednah und leicht singbar. Genau diese Qualitäten machten sie später für den Gemeindegesang attraktiv. Es war der Musikpädagoge und Herausgeber Heinrich Eickhoff (1807–1880), der Harders Melodie dem Gerhardt-Lied unterlegte.

In dieser Form wurde das Lied in das Evangelische Gesangbuch von 1915 aufgenommen und erlangte die gleiche Popularität wie andere Lieder Paul Gerhardts, darunter „Nun ruhen alle Wälder” (EG 477), „Ich bin ein Gast auf Erden” (EG 529), „Lobe den Herren” (EG 447) und „Nun danket alle und bringet Ehr” (EG 322). In seinem Lied „Geh, aus mein Herz“ steht eine Strophe, die programmatisch ist für sein ganzes Schaffen und dafür steht, wie wir singen sollten:

„Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.“

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