Andacht Heute

Die überhebliche Vernunft

Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen. Darum haben sie keine Entschuldigung.
Römer 1,20

Paulus verwendet das griechische Wort noeo, das die Bedeutung „durchdenken“, „mit dem Verstand erfassen“ oder „mit Vernunft wahrnehmen“ hat. Damit ist nicht gemeint, dass nur Intellektuelle Gott finden können. Den meisten Menschen ist die Fähigkeit gegeben, die Welt nicht nur mit den Sinnen zu erfassen, sondern sie auch zu verstehen. Das ist nötig, da Gottes Wesen unsichtbar ist, sich aber durch deutliche Spuren in der Welt erschließen lässt. Die uns geschenkte Vernunft reicht jedenfalls aus, um zu erkennen, dass es einen Gott geben muss, der alles so wunderbar erschaffen hat.

Paulus argumentiert, dass Menschen durchaus zu dieser Einsicht gelangen könnten, es aber leider oft nicht tun. Wenn sie ihre Vernunft für Erklärungsversuche einsetzen und dabei Gott ausklammern, überschätzen sie diese Fähigkeit. So wurde die Welt als reine Materie begriffen, die sich selbst organisiert, wie im Materialismus der Aufklärung. Der Darwinismus postuliert, wie sich eine biologische Ordnung ohne göttliche Planung entwickelt haben soll. Die Naturalisten waren der Meinung, dass sich alles ohne Gott durch Physik, Chemie und Biologie erklären lässt. Dies sind nur einige Beispiele für die Anstrengungen der menschlichen Vernunft, sich eine Welt ohne göttlichen Schöpfer vorzustellen. All dies sind Modellvorstellungen mit vielen Lücken und Begrenzungen, bei denen entscheidende Fragen offenbleiben. Letztendlich wird es so sein, wie Paulus es sagt: Wer sich von seiner Vernunft auf einen Irrweg hat bringen lassen und das Offensichtliche nicht zur Kenntnis nehmen wollte, dem wird es dereinst nicht gelingen, dafür eine Entschuldigung vorzubringen.