Andacht Heute

Wenn Erweckung auf Ablehnung stößt

„Erwache aus deinem Schlaf! Erhebe dich von den Toten! Und Christus wird dein Licht sein.“
Epheser 5,14

Die Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts war eine kraftvolle Welle geistlicher Erneuerung, die große Teile Europas und Nordamerikas erfasste. In einer Zeit tiefgreifender Umbrüche, die von Industrialisierung, sozialer Not und politischen Spannungen geprägt waren, suchten viele Menschen nach Orientierung, Trost und persönlicher Glaubensgewissheit. Typisch für die Bewegung – und bis heute charakteristisch – war und ist die Betonung einer persönlichen Bekehrung, eines lebendigen Glaubens und eines intensiven Bibelstudiums. Hauskreise, Gebetsstunden und Laienprediger gewannen an Bedeutung, während traditionelle kirchliche Formen vielerorts als zu erstarrt empfunden wurden.

In der evangelischen Kirche gibt es heute unterschiedliche Reaktionen auf Formen des Glaubenslebens, wie sie besonders in Freikirchen anzutreffen sind. Viele Pfarrer reagieren zurückhaltend, da sie die evangelikale Sprache als fremd empfinden („Errettung”, „Wiedergeburt”). „Bekehrung” klingt für manche zu sehr nach „Privatreligion”. Man steht einem vermuteten „Bekehrungsdruck” und dessen emotionalen Folgen skeptisch gegenüber. Bei vielen Gelegenheiten betonen die Ablehner einer individuellen Entscheidung für Jesus Christus heute die gesellschaftspolitische Komponente des Christseins. Wenn jedoch Demokratiebildung, Menschenrechtsarbeit oder sozialethische Positionierung zu stark in den Vordergrund rücken, führt das zu einem moralischen Aktivismus, der nicht ohne Folgen bleibt. Viele Menschen werden im persönlichen Glauben unsicher, ziehen sich aus dem Bibel- und Gebetsleben zurück und haben zunehmend das Gefühl, dass „fromme Sprache“ peinlich und unmodern ist. Wenn die Kirche aber vor allem sagt, welche Haltung Christen einnehmen sollen, aber deutlich weniger, wer Christus für sie ist, dann verliert der Einzelne die Quelle seines Glaubens.