Andacht Heute

Der Weg aus der heutigen Blindheit

Geh hin; dein Glaube hat dich gerettet! Und sogleich wurde er sehend und folgte Jesus nach auf dem Weg.
Markus 10,52

Der blinde Bettler Bartimäus erkennt in Jesus den Messias und ruft beharrlich um Erbarmen. Durch seinen Glauben wird er sehend und zum Jünger. Diese Geschichte scheint einfach, enthält beim näheren Hinsehen aber Auffälliges. Zweifellos geht es in ihr nicht nur um eine körperliche Heilung. Die Blindheit, unter der Bartimäus leidet, kann auch als geistige Orientierungslosigkeit gesehen werden. Da wird das Ganze wieder hochmodern. So viele Menschen spüren heute, dass „etwas nicht stimmt”. Sie befinden sich in einer Flut von Informationen. Unzählige Meinungen und Deutungen stiften Verwirrung. Grundüberzeugungen und moralische Werte sind verloren gegangen. Wenn wir den Medien folgen, befinden wir uns ständig in einem Alarmmodus, in dem Empörung, Gefühle und Lautstärke dominieren. Viele Menschen überfordern sich mit einem Perfektionswahn und der ständigen Sorge, nicht zu genügen. Obwohl der Grad der Vernetzung heute sehr hoch ist, ist ein Zerfall von Beziehungen und Zugehörigkeiten festzustellen.

Sehen wir uns Bartimäus an: Im Gegensatz zur Menschenmenge, die ihn beschwichtigen will, reagiert er auf seine Not. Er erkennt seine Blindheit – etwas, das heute vielen Menschen schwerfällt. Er ruft nach Erbarmen, während heute viele versuchen, alles allein zu schaffen. Er lässt seinen Mantel los, der ihm als Bettler ein wenig Sicherheit verschafft, während wir uns an Sicherheiten klammern. Und am Ende seines Leidens an der Orientierungslosigkeit folgt er Jesus nach – etwas, das in dieser Welt für die meisten Menschen nicht in Betracht käme.

Gebet:
HERR, du siehst unsere Blindheit und wie wir nach Halt suchen. Erbarme dich über uns. Mach uns sehend und führe uns auf deinen Weg, damit wir dir folgen. Amen