Andacht Heute

Die Zuverlässigkeit der Evangelien

Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
Markus 16,15

Ein Vorwurf der Skeptiker gegenüber der Bibel ist, dass die Urtexte durch zahlreiche Abschriften verfälscht worden seien, da die Abschreiber Fehler gemacht hätten. Sie hätten den Text auch verändert, um dogmatische Positionen der Kirche zu stärken. Als Beispiel wird häufig der lange Schluss des Markusevangeliums angeführt, aus dem auch der oben stehende Vers entnommen ist.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von Hinweisen, dass die Verse von Markus 16,9–20 nicht zum ursprünglichen Markusevangelium gehören, da sie unter anderem nicht in den ältesten und zuverlässigsten Handschriften enthalten sind. Das mag so sein, aber es wäre völlig verfehlt, dies als Beweis für den Versuch zu sehen, die Auferstehung Christi im Nachhinein glaubwürdiger zu machen. Denn auch alle anderen Evangelien berichten unabhängig von Markus von den Erscheinungen des Auferstandenen. In diesem langen Schluss, der möglicherweise eine vollständigere, abgerundete Erzählung darstellt, wird nichts Neues berichtet, sondern eine bereits verbreitete Tradition wieder aufgegriffen. Die Auferstehung war bereits lange vor der Niederschrift des Markus-Evangeliums zentraler Glaube. In 1 Korinther 15 wird sie von Paulus bezeugt, Jahrzehnte vor der Niederschrift des Markusevangeliums. Auch der im obigen Vers berichtete Missionsbefehl von Jesus ist in Matthäus 28,19 belegt:

Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.