Andacht Heute

Gewohnte Gebete – neu gesprochen

Daher, liebe Geschwister, bleibt standhaft und haltet an den Lehren fest, die wir an euch weitergegeben und in denen wir euch unterrichtet haben, sei es mündlich oder brieflich.
2. Thessalonicher 2,16

Ich frage mich, wie die Thessalonicher auf diese Aufforderung reagiert haben. Haben sie ihre Glaubenspraxis noch einmal überdacht? So etwas kann schließlich nie schaden, da vieles zur Gewohnheit wird.

Wir beten beispielsweise immer das gleiche Apostolische Glaubensbekenntnis und die Fürbitten. Im positiven Sinne spricht man von der „Kraft der Wiederholung”, die sich auch in den Litaneien findet. Wiederholungen können sammeln, beruhigen und Gemeinschaft stiften. In der lutherischen Tradition gibt es Wechselgebete und die Kyrie-Litanei. Die Reformierten sind hier eher nüchtern und kommen mit weniger Wiederholungen aus.

Die Frage sei aber erlaubt: Haben diese ständigen Wiederholungen in Litaneien, Fürbitten und gleichen Gebeten nicht auch eine abstumpfende Wirkung? Ermüden sie, statt zu tragen? Zweifellos können sie zur bloßen Routine werden. Man „durchläuft” sie innerlich, ohne richtig mitzubeten. Sie wirken dann wie ein liturgischer Autopilot. Diese Einwände sind nicht ganz unberechtigt. Was kann jeder einzelne Beter tun, um solchen Abstumpfungen vorzubeugen?

Es kommt vor allem auf die innere Ausrichtung an. Anstatt alles nur „runterzubeten”, könnte man sich Fragen stellen wie: Welche Zeile des Glaubensbekenntnisses trifft mich gerade heute besonders? Welche Fürbitte würde ich persönlich vorbringen wollen? Wie könnte ich die vertrauten Worte des Gebets durch bewusst gesetzte Artikulation (Rhythmus, Lautstärke, Betonung, Sprechmelodie) neu beleben? Gerade in vertrauten, oft gesprochenen Gebeten kann die Art des Sprechens neue Tiefe schaffen.

Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!
Psalm 130,1-2