Christsein macht frei
Denn obwohl ich frei bin von allen, habe ich mich doch allen zum Knecht gemacht, um desto mehr Menschen zu gewinnen.
1. Korinther 9,19
Die „Freiheit eines Christenmenschen“ ist der Titel einer berühmten Schrift von Martin Luther aus dem Jahr 1520, die zu seinen Hauptschriften der Reformation gehört. Sie entstand als Reaktion auf die päpstliche Bannandrohung. Luther formuliert darin zwei auf den ersten Blick widersprüchliche Thesen:
- „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“ Durch den Glauben ist der Mensch gerechtfertigt und frei von religiösen Vorschriften, Gesetzen und menschlichen Mittlern.
- „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Diese Freiheit führt zur Liebe und zum Dienst am Nächsten.
Freiheit bedeutet demnach nicht Unabhängigkeit von allen Bindungen, sondern Befreiung von der Angst um das eigene Heil. Es geht nicht darum, bei Gott Punkte zu sammeln. Wer sich von Gott angenommen weiß, kann sich selbst vergessen und anderen dienen. Er bleibt gelassen und kann ohne Druck mit Freude handeln. Nächstenliebe zeigt sich nicht nur in großen Taten, sondern auch in kleinen Gesten: zuhören, Humor teilen und praktische Hilfe leisten.