Demut als Weg der Nachfolge
Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen wirst, dann begib dich nicht gleich oben auf den besten Platz. Es könnte ja noch jemand eintreffen, der angesehener ist als du. Mit ihm würde dann der Gastgeber zu dir kommen und sagen: ›Der Platz war für diesen Mann hier bestimmt!‹ Vor allen Gästen müsstest du dich an das Ende des Tisches begeben. Wäre es nicht besser, du setzt dich gleich dorthin? Wenn dich dann der Gastgeber begrüßt, wird er vielleicht zu dir sagen: ›Mein Freund, für dich habe ich einen besseren Platz!‹ Du wirst damit vor allen Gästen geehrt.
Lukas 14, 8-10
In Lukas 14 lädt Jesus uns ein, einen niedrigeren Platz einzunehmen – nicht aus Minderwertigkeitskomplexen, sondern aus innerer Freiheit heraus. Wer sich nicht selbst erhöhen muss, kann anderen Raum geben. Dies ist keine Aufforderung zum Duckmäusertum. Wenn es notwendig ist, sollen wir unsere Stimme erheben und uns aus Angst und Konfliktscheu nicht immer zurückhalten. Wir sollten uns aber in Demut üben. Das heißt nicht: „Ich bin nichts wert.“ Sondern: „Ich muss meinen Wert nicht ständig beweisen.“ Anstatt uns nach rein menschlichen Gesichtspunkten auszurichten, dürfen wir Gottes Wertmaßstäben vertrauen.
Wenn im obigen Text von einer Hochzeitseinladung die Rede ist, dann ist einzig und allein die Einladung von Jesus an jeden einzelnen von uns wichtig und entscheidend. Für ihn spielen Rang und Namen auf Erden keine Rolle. Das Leben Jesu ist das unerreichbare Vorbild für demütiges Verhalten: nicht als Selbstverleugnung, sondern als kraftvolle Hingabe an einen Auftrag, der größer ist als das eigene Ego. Seine Demut war kein passives Erdulden, sondern eine aktive Entscheidung, sich selbst zurückzunehmen, um anderen zu dienen und den Willen des Vaters zu erfüllen.