3. Fortsetzung des Zeugnisses

von Sam Stern

Meine Ausbildung

Nach meiem Bar-Mizwa wurde ich auf eine rabbinische höhere Schule geschickt, mit dem Ziel, Rabbiner zu werden. Von meinem dreizehnten bis zweiundzwanzigsten Lebensjahr besuchte ich verschiedene Schulen, in denen das Hauptfach der Talmud war.

Der Talmud besteht aus 60 Büchern, die sich mit dem täglichen Leben befassen. Behandelt werden vor allem Sach-und Personenschäden, Feiertage, Ehe und Ehescheidung, Gebete und landwirtschaftliche Probleme, meistesn in Form von Diskussionen. Ein Rabbiner sagt zum Beispiel, dass ein Ei, welches an einem Feiertag gelegt wurde, koscher ist, während ein anderer Rabbiner erklärt, so ein Ei sei nicht koscher, sondern Trefa. Der Talmud ist eine Sammlung von gelehrten Streitfagen; außerdem beschäftigen wir uns mit Mystik, Methaphysik und Volkskunde.

Als Talmud-Student musste ich den Namen jedes Rabbiners kennen, der etwas über Schäden, Feiertage usw. zu sagen hatte. Die bekanntesten, die für den Talmudisten so wichtig und verbindlich sind, wie der Talmud selber, sind: Rambam, Rosch u. a. Ich musste all diese Meinungen und Aussprüche kennen.

Wir hatten so viel zu lernen, dass selbst für die einfachsten normalen Schulfächer keine Zeit blieb. Ich wusste nichts von Arithmetik, Geografie usw. aber mit 22 Jahren galt ich als Lamdan, das heißt als Kenner des Talmud.

Fortsetzung:
Beginn des 2. Weltkrieges