Alter Liedtext um 1700

Melodie aus dem Gesangbuch Meiningen 1693 „Oh Gott du frommer Gott“

  1. Liedtext aus dem Andachtsbuch „Hand-Buch in guten und schlechten Tagen“ von Johann Friedrich Starck Seite 25

    1) Wie lieblich ist dein Wort,
    Es bringet lauter Freude,
    Es ist mein größter Trost
    und meiner Seelen Weide;
    Es ist mein größter Schatz,
    den ich auf Erden hab,
    der mich erquicken soll,
    bis man mich legt ins Grab.

    2) Es ist dein Wort mein Licht,
    das mir den Weg recht zeiget;
    und mich bestraft, wann sich
    mein Fuß zum Irrweg neiget;
    Ich glaub nach diesem Wort,
    und leb nach diesem Wort,
    so bringt mich dieses Licht
    auch an den Freudenort.

    3) Es ist mein Honigseim,
    damit ich mich erlabe,
    wenn ich viel Bitterkeit
    in meinem Herzen trage;
    wie süß ist meiner Seel,
    wenn sie in Trübsal steckt,
    wenn ihr des Trostes Quell,
    im Wort wird aufgedeckt.

    4) Es ist dein Wort mein Schatz,
    groß über alle Schätze,
    daran ich mich allein
    in Not und Tod ergötze;
    den Schatz raubt mir kein Feind
    und keiner Feinde List,
    weil er garwohl verwahrt
    in meinem Herzen ist.

    5) Pflegt Gold und Silber gleich,
    ein Eitler zu erwählen,
    viel lieber ist dein Wort,
    der gottgelassnen Seelen;
    Wenn man dein Wort un Gold
    ihr stellet vors Gesicht,
    so greift sie nach dem Wort,
    und acht`t des Goldes nicht.

    6) Ratsleute suchen die,
    die da im Zweifel stehen;
    die selben sind dein Wort,
    dahin pfleg ich zu gehn;
    Frag ich: Was tu ich jetzt,
    geht´s übel oder wohl?
    So zeiget mir dein Wort,
    was ich erwählen soll.

    7) Nach diesem Lebenswort,
    will ich einher nun gehen;
    es soll mein Leitstern sein,
    sieh, danach will ich sehen,
    wozu es mich anweist,
    dass tu ich ungescheut,
    und meid mit allem Fleiß,
    das was es mir verbeut.

    8) Ach nimm doch nicht hinweg,
    das Wort von meinem Munde,
    ach, lass es meinen Trost,
    sein bis zur Todesstunde.
    Wann sich mein Mund zuschleußt,
    nimmt keine Speiß mehr ein,
    so lass dein liebes Wort,
    dein Seelenspeise sein.

    9) So hab ich Unterricht,
    dieweil ich werde leben,
    ich hab auch Trost,
    wenn ich soll meinen Geist aufgeben,
    und was dein Wort verspricht,
    in dieser Gnadenzeit,
    sieh, das erlang ich dort,
    in jener Herrlichkeit.